Politisches Engagement

Das Ziel ist ein Bundesjugendparlament in Berlin

Um für ihre Idee zu werben, haben Djamel Sellaoui (l.) und Dominik Pinsdorf in Berlin erste Gespräche mit Vertretern der Bundespolitik, der Senatskanzlei und des Deutschen Kinderhilfswerks geführt.

Um für ihre Idee zu werben, haben Djamel Sellaoui (l.) und Dominik Pinsdorf in Berlin erste Gespräche mit Vertretern der Bundespolitik, der Senatskanzlei und des Deutschen Kinderhilfswerks geführt.

Bornheim. Eine Initiative um den Bornheimer Dominik Pinsdorf will ein Bundesjugendparlament ins Leben rufen. Als Vorbild fungiert das UK Youth Parliament in Großbritannien mit 369 Mitgliedern zwischen elf und 18 Jahren.

Jugendlichen auf Bundesebene eine starke Stimme geben: Das hat sich eine Gruppe junger Menschen um den Bornheimer Dominik Pinsdorf zum Ziel gesetzt. Gemeinsam wollen sie eine Initiative zur Schaffung eines Deutschen Bundesjugendparlaments (BJP) auf den Weg bringen. In einem BJP sollen Jugendliche ihre Interessen und Forderungen diskutieren und dann gegenüber den Bundestagsabgeordneten als Lobby auftreten und versuchen, für die Belange der jungen Generation Einfluss auf die Bundespolitik zu nehmen. Etwa in Sachen Bildungspolitik, Inklusion, Umweltschutz oder Nahverkehrsausbau.

„Es geht darum, junge Menschen an die Politik heranzuführen und die Politikverdrossenheit zu bekämpfen“, sagt Pinsdorf. Kinder- und Jugendparlamente gebe es auf kommunaler und europäischer Ebene, aber eben nicht auf Bundesebene. Pinsdorf selbst, von Beruf Triebfahrzeugführer bei einem privaten Eisenbahnunternehmen, engagiert sich seit mehreren Jahren für Kinder und Jugendliche. Der 24-Jährige war unter anderem von 2012 bis 2015 Mitglied im ersten Bornheimer Kinder- und Jugendparlament. Aktuell ist er Vorsitzender des Stadtjugendrings Bornheim, ein Dachverband für die Jugendorganisationen in der Vorgebirgsstadt.

„Das Bundesjugendparlament soll eine Stärkung aller vorhandenen Jugendparlamente sein“, so Pinsdorf weiter. Zugleich kritisiert er, dass vor allem viele Großstädte keine solche Interessenvertretung für junge Menschen haben. Auch gebe es Jugendparlamente oder andere Beteiligungsformen für Jugendliche, die von der Politik nur als Alibiveranstaltung eingerichtet und betrachtet würden. „Das trifft nicht auf Bornheim zu“, betont Pinsdorf umgehend. Jugendliche wollten aber keine Alibiveranstaltung: „Jugendliche wollen mehr und ernst genommen werden.“

Das BJP soll laut Pinsdorf für „Abgeordnete“ von 14 bis 21 Jahren offenstehen und überparteilich beziehungsweise ohne Parteizwang funktionieren. „Wenn es ein Problem gibt, geht es Jugendlichen um die Sache und nicht um Koalitionszwänge.“ Mit zurzeit sieben Mitstreitern baut Pinsdorf nun ein Netzwerk auf. Schließlich sind noch viele Fragen offen: Wie soll das Bundesjugendparlament tagen? Wie sollen die Delegierten gewählt werden? Wie motiviert man Jugendliche zur Teilnahme? Oder auch: Wer finanziert das alles?

Austausch mit den BundestagsvizepräsidentinnenPetra Pau und Claudia Roth im nächsten Jahr

Das aktuelle Planungsteam setzt sich laut Pinsdorf aus jungen Menschen zusammen, von denen viele bereits Erfahrungen im jugendpolitischen Bereich gesammelt haben. Nicht nur im Rheinland, auch in anderen Bundesländern konnte er bereits Menschen für seine Idee gewinnen – etwa Djamel Sellaoui aus Magdeburg. Der 27-Jährige will nun weitere Engagierte in Sachsen-Anhalt für die Idee gewinnen. „Am Anfang war ich schon skeptisch, ob das funktionieren kann“, sagt Sellaoui. Nun sei er aber mit viel Einsatz bei. Es sei wichtig, dass Jugendliche eine Mitsprache bei Dingen hätten, die sie betreffen, meint er. Besonders motivierend seien Gespräche gewesen, die Pinsdorf und er kürzlich in Berlin geführt hätten.

In der Tat ist die Gruppe bereits sehr aktiv. In der Bundeshauptstadt wurden Sellaoui und Pinsdorf etwa von Vertretern der Bundespolitik, der Berliner Senatskanzlei und des Deutschen Kinderhilfswerks empfangen, um ihre Idee vorzustellen. Zudem hat Pinsdorf unter anderem die Ministerpräsidenten der Bundesländer sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angeschrieben und teils motivierende Antworten erhalten, etwa aus dem Bundespräsidialamt sowie von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Im kommenden Jahr soll es Gespräche mit den Bundestagsvizepräsidentinnen Petra Pau (Die Linke) und Claudia Roth (Grüne) geben. Sämtlicher Einsatz erfolgt laut Pinsdorf ehrenamtlich und auf eigene Kosten. Auch wolle das Team in jedem Bundesland vorsprechen. Denn: Die Idee der Gruppe geht noch weiter. Dem Bundesjugendparlament sollen nämlich Landesjugendparlamente vorgeschaltet werden.

Ein Vorbild für das Projekt ist laut Pinsdorf das UK Youth Parliament in Großbritannien. Die 369 Mitglieder zwischen elf und 18 Jahren treffen sich auf nationaler Ebene zweimal im Jahr, unter anderem zu einer Debatte mit den Mitgliedern des britischen Unterhauses. Ähnliche Jugendparlamente gibt es auch für Schottland und für die französischsprachige Gemeinschaft in Belgien.

Im besten Fall, hofft Pinsdorf, erwachsen aus dem Bundesjugendparlament Menschen, die sich auch später für Politik interessieren und engagieren. So solle die Einrichtung auch demokratiefeindlichen Tendenzen entgegenwirken. „Wir leben in Zeiten, in denen sich etwas verändern muss“, findet der junge Mann aus Bornheim.