Gespräch am Wochenende: Ulrike Rudolph

Das Vorgebirge als Inspiration für neue Geschichten

Krimi-Autorin Ulrike Rudolph mit einer Sammlung ihrer Geschichten.

Krimi-Autorin Ulrike Rudolph mit einer Sammlung ihrer Geschichten.

Bornheim-Merten. Krimi-Autorin und Lektorin Ulrike Rudolph aus Bornheim-Merten hat sich von blutigen und gewaltigen Stoffen entfernt. Lieber schreibt sie fiktive Geschichten mit Ironie. Kürzlich ist ihre neue Krimisammlung erschienen.

Warum inspiriert Sie das Vorgebirge für Ihre Geschichten?

Ulrike Rudolph: Der Ort, an dem man lebt, spielt eine wichtige Rolle. Ich habe früher in Hamburg in der Innenstadt gewohnt, am Puls des Geschehens. Und danach habe ich viele Jahre in Köln – direkt neben der Moschee an der Venloer Straße – gelebt, wo auch das pralle Leben tobt. Da ist das Vorgebirge ein starker Kontrast. Wobei das mittlerweile auch im Umbruch ist. Wenn man sich das alte Kloster in Merten anschaut, das früher eine geriatrische Klinik war: Dort gibt es heute unter anderem eine Alten-Wohngemeinschaft, eine Gruppe unbegleitet reisender jugendlicher Flüchtlinge, einen tollen Kindergarten, eine Gruppe alleinerziehender Mütter mit ihren Kindern neben einem Seniorenheim. Auch dort wird alles bunter. Als wir hierher gezogen sind, vor 22 Jahren, war alles noch sehr dörflich.

Wie viel ist bei Ihren Geschichten Fiktion und wie viel ist real?

Rudolph: Meine Stories sind reine Fiktion. Ich nehme schon mal einen Charakter, der mich anspringt. Es fließen Charakterzüge und Begebenheiten ein, aber es gibt nie ein konkretes Ereignis, das ich darstelle.

Warum haben Sie zuerst als Lektorin gearbeitet und nicht sofort als Schriftstellerin?

Rudolph: Das hat damit zu tun, dass ich Geld verdienen musste. Ich komme aus einem kaufmännischen Elternhaus, da spielt Sicherheit eine große Rolle. Und so mutig war ich nicht. Ich war nicht davon überzeugt, dass ich großen Erfolg als Schriftstellerin haben würde. Dass ich mich selbstständig gemacht habe, geht auch nur darauf zurück, dass ich feste Angebote hatte. Dass ich bei einem großen Verlag in die Chefredaktion einsteigen konnte.

Wenn Sie als Lektorin Manuskripte und Texte von anderen Autoren zugeschickt bekommen, die noch nicht Fuß in der Branche gefasst haben, ziehen Sie damit nicht Konkurrenz groß?

Rudolph: Konkurrenzgefühle habe ich nicht mehr. Ich bin dafür, gute Leute zu fördern. Das mache ich mit meinem Lektorat oder auch als „Skriptdoktorin“ gerne. Dafür sind aber auch die Berufsverbände da, die viel in Weiterbildung investieren. Bei den Jahrestreffen gibt es immer Workshops. Ich verweise auch gerne auf unterschiedliche Fördermöglichkeiten wie kreatives Schreiben, das man an Instituten lernen kann.

Hatten Sie Bammel, als Ihr erstes Manuskript fertig war, dass es abgelehnt wird?

Rudolph: Ja natürlich! Es ist auch nicht sofort angenommen worden. Ich bin ein eher introvertierter Mensch und gehe nicht gerne hausieren. Die Kurzgeschichten waren nie ein Problem, da es immer Projekte gibt, da gehen die Herausgeber an die Verlage heran und sagen, dass sie themenbezogene Krimi-Anthologien machen wollen, und die schreiben dann die Kollegen direkt an und fragen, ob man mitmachen möchte. Bei Romanen ist das anders, weil es inzwischen so viele Kanäle gibt, auf denen man veröffentlichen kann. Es gibt einen riesigen Bereich für Self-Publisher. Der Markt ist in diesem Bereich eher übersättigt.

Inwiefern haben Sie sich als Autorin im Krimi-Genre weiterentwickelt?

Rudolph: Ich schreibe mittlerweile nur noch „cosy“-Krimis, also Kuschel-Kurzkrimis. Da kommt Mord und Totschlag selten vor. Das war früher anders. Allerdings nicht in den Kurzgeschichten, da habe ich immer versucht, positive Stimmung zu verbreiten. Letztlich ist das bei Verbrechen schwierig, wenn man sie ernst nehmen will, was ich nicht immer tue. Früher habe ich durchaus gerne blutige Krimis gelesen. Das hat sich im Laufe meines Schriftsteller- und auch meines Leserdaseins völlig geändert. Inzwischen gibt es so viel Gewalt, die auch in den Medien gezeigt wird. Ich finde, das geht zu weit, die Menschen – besonders die jungen – verrohen. Der Gewaltaspekt hat mich in der Literatur nie interessiert, eher die Charaktere und die Umstände. Deshalb schreibe ich inzwischen andere Romane. Wenn Krimis, dann eben leichte, ironische und satirische.

Dann reden wir über Ihre „cosy“- Krimis ...

Rudolph: Die „bösen“ Buben in den Verbänden nennen die auch schon mal hinter vorgehaltener Hand „Häkel-Krimis“.

Das klingt nicht besonders freundlich.

Rudolph: So sind Konkurrenzsituationen. Das ist nichts Persönliches, die lächeln ein bisschen darüber, wahrscheinlich mit dem Hintergedanken, wenn man auf dieser blutigen Schiene nicht weiter fahren will, hat man auch Einbußen beim Erfolg. Wenn die einschlägigen Skandinavier ihren Fokus auf Liebesgeschichten setzen würden, könnten sie möglicherweise einpacken. Ich denke, dass unblutige Inhalte eine andere, nicht weniger anspruchsvolle Zielgruppe haben. Eher im Gegenteil.

Sind Sie immer zufrieden mit Ihrer Arbeit als Schriftsstellerin?

Rudolph: Nein. Bei Abgabe bin ich schon immer zufrieden, sonst würde ich weiter daran arbeiten. Aber wenn ich den Text gedruckt lese, fällt mir immer noch eine Kleinigkeit auf, die verbessert werden könnte. Deshalb lese ich die Texte nicht mehr. Dann bin ich durch damit und fange etwas Neues an.

Haben Sie literarische Vorbilder?

Rudolph: Es gibt natürlich Autoren, die ich inspirierend finde wie den jungen John Irving. Der hatte tolle Charaktere wie den Abtreibungen durchführenden Leiter des Waisenhauses in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Sehr beeindruckend fand ich den Roman Sue Monk Kidds „Die Erfindung der Flügel“. Wenn ich solche einzigartigen und durchgängigen Stimmen für meine Figuren finde... Ich nehme das als Anregungen.

In welchem literarischen Genre würden Sie nicht schreiben beziehungsweise veröffentlichen?

Rudolph: Definitiv nicht im Bereich Erotik. Kinderbücher auch nicht. Ich habe ein einziges Jugendbuch geschrieben, einen All-Ager-Roman. Mein Herz schlägt gerade für den Entwicklungsroman. Den finde ich spannender.