Pflanzwettbewerb "Wir tun was für Bienen"

Cathi Nieling und Dirk Müller auf Platz drei

Cathy Nieling und Dirk Müller haben den dritten Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Wir tun was für Bienen“ gewonnen.

Cathy Nieling und Dirk Müller haben den dritten Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Wir tun was für Bienen“ gewonnen.

Bornheim-Uedorf. Cathi Nieling und Dirk Müller haben ihr Grundstück in Bornheim-Uedorf naturnah gestaltet und damit beim bundesweiten Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen“ den dritten Preis gewonnen.

Eigentlich hatte Cathi Nieling die Wilde Möhre ausgesät, um den Schwalbenschwanz in ihren Garten zu locken. Gerne essen sich die Raupen des wunderschönen Falters an den Blüten der Pflanze satt. Doch der seltene Schmetterling ließ sich bisher nicht blicken. Stattdessen hockten eines Tages die Kinder aus der Nachbarschaft in ihrem Garten, zogen neugierig die Möhren aus der Erde und ließen sich die Ernte schmecken. Überhaupt warfen Kinder und Erwachsene im Sommer oft einen Blick über den naturbelassenen Zaun aus unbehandeltem Kastanienholz – denn in kaum einem anderen Garten im Bornheimer Rheinort Uedorf blühte, summte und zwitscherte es so schön wie dort.

„Wir wollen dem Insektensterben nicht länger tatenlos zuschauen und möchten zeigen, wie private und öffentliche Flächen naturnah, nachhaltig und insektenfreundlich gestaltet werden können“, erklärt Nieling. Gemeinsam mit ihrem Partner Dirk Müller meldeten sie ihren Garten für den bundesweiten Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen“ der Stiftung Mensch und Natur an.

Als Beitrag reichten die beiden einen zuvor eintönigen Seitenstreifen ihres Gartens ein, den sie komplett neu als freiwachsende Hecke mit Obstbäumen, heimischen Wildsträuchern und Wildblumen anlegten. „Als wir das Haus 2013 kauften, war viel Fläche versiegelt und der Garten durch große Nadelgehölze verschattet“, erinnert sich Nieling. Nachdem sich das Paar zunächst der Sanierung des Hauses widmete, war 2016 das Außengelände dran. Viel Erde wurde bewegt, die Nadelgehölze und die Ligusterhecke, die den Seitenstreifen zum Nachbargrundstück abgrenzte, mussten weichen.

Die freiwachsende Hecke mit Wildblumensaum begeisterte die Jury, die das Uedorfer Paar mit einem dritten Preis in der Kategorie „Privatgärten und Gärten von Mietwohnungen“ belohnte. „Nur mit echten heimischen Wildpflanzen und vielfältigen Strukturen bietet man Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Wildtieren wie Igeln einen geeigneten Lebensraum“, erklärt Nieling. Dass die 41-Jährige für das Thema brennt, merkt man ihr an. Mit der Zeit hat sich die Hobby-Gärtnerin ein großes Hintergrundwissen angeeignet, das sie gerne weitergibt. Als Ansprechpartnerin der Regionalgruppe Rhein-Sieg des Vereins für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung „Naturgarten e.V.“ ist sie als Referentin aktiv.

Ein Unterschlupf alleine reicht den Insekten nicht

Zu ihrem Vortrag, den sie Anfang September im Uedorfer Hof Jüssen hielt, kamen etwa 40 Interessenten, darunter auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Heller. Gemeinsam mit dem Uedorfer Ortsvorsteher Bernd Marx stellte sie im jüngsten Umweltausschuss den Antrag, Cathi Nieling in eine der nächsten Sitzungen einzuladen, damit sie über naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung im Sinne der Artenvielfalt berichten kann.

„Viele Leute würden ihren Garten gerne naturnah umgestalten, wissen aber nicht, wie sie vorgehen sollen“, weiß Nieling aus Erfahrung.

Der häufigste Fehler sei, beispielsweise bei der Anlage einer Wildblumenwiese Saatgut aus dem Baumarkt zu wählen. „Dort erhält man meist nicht-heimische Blumenarten und Zuchtsorten, die nach optischen Kriterien zusammengestellt werden“, so die Expertin. Das Ergebnis sei zwar schön und schnell erreicht, jedoch nicht von langer Dauer. „Spätestens nach zwei bis drei Jahren muss die Wiese wieder komplett neu angelegt werden.“ Eine Wiese mit heimischen Wildblumen dagegen brauche zwei bis vier Jahre für die Entwicklung, sehe dann aber jahrelang wunderschön aus.

Ein weiterer Irrglaube sei, dass man Insektenhotels einfach aufhängen kann und sich dann die „Besucher“ automatisch einstellen. „Neben einem Unterschlupf muss man den Insekten auch Nahrung bieten – wir Menschen wählen schließlich auch lieber eine Unterkunft mit Verpflegung“, erklärt Nieling. Eine gute Alternative sei einfach ein Haufen offene Erde und zusammengetragenes Totholz.

Wichtig sei auch, dass die gewählten Pflanzen in einem Garten tatsächlich auch Nahrung bieten. So lockt ein hybrider Kunststrauch wie die Forsythie Insekten durch seine leuchtend gelbe Farbe zwar an, doch zu holen ist für sie dort nichts. „Die Kornelkirsche, ebenfalls ein Frühblüher, ist hier eine gute Alternative“, weiß Nieling. Schmetterlinge beispielsweise seien Spezialisten und an ganz bestimmte Pflanzenarten gebunden. Sie selbst versucht, den Bläuling mit Hornklee in ihren Garten zu lotsen. „Durch die Vernetzung mehrerer Naturgärten oder Flächen in freier Landschaft werden wichtige Trittsteinbiotope geschaffen. Jeder Naturgärtner und jede Kommune mit naturnahem Grün ist damit ein wichtiger Akteur vor Ort.“ Als Projektmanagerin sitzt Nieling beruflich viel vor dem Rechner. Ihr Garten ist der Gegenentwurf: „Wenn ich zu Hause bin, möchte ich nicht in eine künstliche Umgebung schauen.“