Mit persönlichen Gegenständen

Bundestagskandidaten stellen sich in Bornheim vor

Im Bornheimer Ratssaal (v.l.): Norbert Röttgen (CDU), Bettina Bähr-Losse (SPD), Lorenz Dierschke (Kreiskatholikenrat), Michael Droste (Die Linke), Nicole Westig (FDP), Theresa Schulte (Katholisches Bildungswerk) und Martin Metz (Bündnis 90/Die Grünen).

Im Bornheimer Ratssaal (v.l.): Norbert Röttgen (CDU), Bettina Bähr-Losse (SPD), Lorenz Dierschke (Kreiskatholikenrat), Michael Droste (Die Linke), Nicole Westig (FDP), Theresa Schulte (Katholisches Bildungswerk) und Martin Metz (Bündnis 90/Die Grünen).

Bornheim. Mit einem persönlichen Gegenstand stellen sich die Bundestagskandidaten auf Einladung des Katholischen Bildungswerks im Rhein-Sieg-Kreis und des Kreiskatholikenrats Rhein-Sieg in Bornheim vor.

Bettina Bähr-Losse betrat das Podium im Bornheimer Ratssaal mit einem Rollkoffer. Hat sie es so eilig? Oder hat sie sich auf einen langen Diskussionsabend eingestellt, nach dem eine Heimfahrt nicht mehr lohnt? Mit beiden Vermutungen lagen die rund 35 Besucher der Podiumsdiskussion, zu der das Katholische Bildungswerk im Rhein-Sieg-Kreis und der Kreiskatholikenrat Rhein-Sieg die Kandidaten für die bevorstehende Bundestagswahl im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis II eingeladen hatten, falsch.

Tatsächlich waren die fünf Bewerber im Vorfeld gebeten worden, einen persönlichen Gegenstand mitzubringen, der etwas über sie aussagt. Und da die SPD-Kandidatin Bähr-Losse als Mitglied des Deutschen Bundestages überwiegend „aus dem Koffer“ lebt, schien er der 50-Jährigen ein passendes Symbol zu sein. Nicole Westig (FDP) begründete ihr Mitbringsel – einen Kochlöffel – mit ihrer Liebe zum Kochen und ihrer Einstellung zur gesunden Ernährung.

Michael Droste (Die Linke) hoffte, sein Klettersteig-Set im kommenden Jahr wieder öfter benutzen zu können, und Martin Metz (Bündnis 90/Die Grünen) präsentierte ein Fotodruck-T-Shirt, dass er zum Abschluss seines Zivildiensts in einem Seniorenzentrum erhalten hatte. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt im Prozess des Erwachsenwerdens“, begründete der 35-Jährige seine Wahl.

CDU-Kandidat Norbert Röttgen wiederum hatte nichts dabei. „Es gibt zwei Bereiche: Den öffentlichen und den ganz persönlichen“, sagte er. Und letzterer solle als Schutzraum auch persönlich bleiben. „Das respektieren wir natürlich“, so Moderator Martin Mölder.

Politiker geben sich engagiert, aber wenig angriffslustig

Alles in allem hatte es der Journalist mit Diskussionspartnern zu tun, die im Laufe der vergangenen Wahlkampfwochen öfter aufeinandergetroffen waren – und die sich bei der finalen Runde vor der Bundestagswahl am 24. September vor einer überschaubaren Zahl von Interessenten zwar konzentriert und engagiert, aber wenig angriffslustig zeigten.

Allein Norbert Röttgen und Martin Metz lockerten die Runde nach einer Frage zur Förderung von Radschnellwegen mit einem scherzhaften Intermezzo auf. Darum bemüht, die Politiker aus der Reserve zu locken, hatte Moderator Mölder den fünf Kontrahenten seine Fragen nicht vorab zukommen lassen. „Das scheint heute nicht mehr üblich zu sein“, bemerkte er.

Nachdem er die Kandidaten gebeten hatte, zu ihren Wahlslogans Stellung zu nehmen, konfrontierte er die Politiker mit Fragen zur sozialen Gerechtigkeit, der Integration und dem Klimaschutz. Aus Zeitgründen verzichtete er auf weitere Fragen und ließ stattdessen die Zuhörer zu Wort kommen. „Ich bin seit 48 Jahren Handwerker und würde gerne in Rente gehen. Ich kann aber nicht, weil zu wenig Geld rauskommt. Wie wollen Sie in zehn, 20 Jahren die Leiharbeiter bezahlen?“, wollte ein Mann wissen.

Gute Wirtschaft und gute Löhne

„Für diejenigen mit geringem Gehalt wird es auch weiterhin geringe Rente geben“, konstatierte Röttgen. Entscheidend sei, dass es eine gute Wirtschaft gebe, die gute Löhne zahlen könne. „Aber ab einem bestimmten Punkt kommt immer die Mathematik ins Spiel und nicht mehr allein der politische Wille.“

Nicole Westig erklärte, dass das Rentensystem dringend reformiert werden müsse und appellierte an die eigenverantwortliche Vorsorge. Weitere Fragen betrafen die Förderung des Radverkehrs und die Position der Kandidaten zur „Ehe für alle“, die bis auf Röttgen alle begrüßten, sowie die Sterbehilfe. „Das hat etwas mit der Würde des Menschen zu tun. Ich würde auch selbst entscheiden wollen“, meinte Bähr-Losse.

Den Schlusspunkt setzte eine Frage zur Bekämpfung von Fluchtursachen. „Wir fangen an, für unseren Egoismus zu bezahlen“, äußerte sich Röttgen. Für eine andere Wirtschaftspolitik mit den Entwicklungsländern sprach sich auch Linken-Kandidat Droste aus. Metz: „Den Wohlstand zu teilen wird die Aufgabe der kommenden Generationen sein.“