Höchstpunktzahl für Luisa und Joshua Gehle

Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ kommen aus Uedorf

Hausbesuch bei den Preiträgerin Jugend musiziert in Uedorf: Luisa und Joshua Gehlen

Hausbesuch bei den Preiträgerin Jugend musiziert in Uedorf: Luisa und Joshua Gehlen

Bornheim-Uedorf. Luisa (15) und Joshua (19) Gehlen haben es geschafft. Beim diesjährigen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ haben sie die volle Punktzahl in der Kategorie „Duo: Klavier und ein Holzblasinstrument“ in ihrer Altersgruppe erreicht und sind damit Bundespreisträger.

Um soweit zu kommen, mussten sich die Geschwister zunächst im Regional-, dann im Landes- und schließlich im Bundeswettbewerb durchsetzen.

Obwohl Luisa schon fünfmal bei „Jugend musiziert“ teilgenommen hat, meint sie: „Es war wieder sehr aufregend.“ Ihre Mutter Johanna Gehlen findet: „Am schlimmsten war das Warten.“ Drei Tage dauerte es, bis nach dem Bundeswettbewerb in Kassel der Brief mit der guten Nachricht im Kasten lag.

In Zusammenarbeit mit ihren Lehrern hatten Luisa und Joshua sich unter anderem das „Opus 5“ von Alban Berg für den Wettbewerb ausgesucht. Luisa hatte sich bereits im letzten Jahr einen Bundespreis mit Höchstpunktzahl in der Kategorie „Klarinette Solo“ erspielt. „Im Abschlussgespräch sagte einer der Prüfer: Die könnte auch Alban Berg spielen“, so Johanna Gehlen. Die Werke des modernen Komponisten gelten als eine der größten Herausforderungen für Klarinettisten.

„Bei Berg muss man jeden einzelnen Ton lieben und zelebrieren"

Die Geschwister übten das Stück in ihrem Unterricht: Luisa bei ihrer Klarinetten-Privatlehrerin und Joshua im Klavierunterricht an der Musikschule Bonn. Doch das allein reichte ihnen nicht. „Wir haben uns die Musik sehr oft angehört. Bei Berg muss man jeden einzelnen Ton lieben und zelebrieren“, sagt Luisa. „Das Stück ist rhythmisch kompliziert. Man braucht viel Zeit, um durchzusteigen. Irgendwann weiß man dann aber, wie es klingt“, ergänzt Joshua.

In früheren Wettbewerben hatten sie Unterricht bei renommierten Musikern wie der Klarinettistin Sharon Kam und der Professorin Catherine Vickers an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main gewonnen. Das motivierte sie, sich weiter zu verbessern.

Wie viel sie zu Hause üben, können sie nicht sagen. Damit die Schule nicht leidet, spielen sie vorwiegend am Wochenende. „Dann gucken wir nicht auf die Uhr“, berichtet Luisa. Wichtig für beide ist, nicht nur das gemeinsame Üben, sondern auch die Diskussionen über das Musikstück.

Luisa geht in die zehnte Klasse der Freien Waldorfschule Bonn. Ihre Lieblingsfächer sind Mathematik und die handwerklichen Fächer. In ihrer Freizeit tanzt sie mit Joshua Standardtänze, bastelt und näht gerne. So arbeitet sie im Moment an einer Patchworkdecke. Wenn sie Musik hört, dann meist Klarinetten- und Orchestermusik, auch für Klezmer kann sie sich begeistern.

Zurzeit spielt die 15-Jährige als Aushilfe im Kölner Jugendsinfonieorchester und nimmt regelmäßig an Musikakademien bei der Jungenbläserphilharmonie NRW teil. Sie hat zahlreiche Stipendien bekommen, so etwa von der Jürgen-Ponto-Stiftung der Commerzbank. Die vermittelte ihr Konzerte und zahlte über ein Jahr hinweg jeden Monat 300 Euro an das junge Talent. Das Geld war Grundstock für Luisas neue Klarinette, die 8000 Euro gekostet hat.

Joshua hat kürzlich sein Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bonn abgelegt. Er bereitet sich nun auf ein Webdesign-Studium vor. Natürlich will er auch musikalisch am Ball bleiben: Neben Klavier spielt er begeistert Bratsche und ist Mitglied im Uniorchester Bonn sowie im Bonner Jugendsinfonieorchester.

Der angehende Student singt im Philharmonischen Chor und hört auch in seiner Freizeit viel Musik. „Bei meinen Abivorbereitungen habe ich immer Mahler gehört“, sagt der 19-Jährige. Er mag die Komponisten der Spätromantik, aber auch des Expressionismus. „Da bin ich nicht festgelegt. Außerdem höre ich, was wir gerade spielen – oder was ich noch spielen möchte.“