Protex Fasteners

Britische Firma zieht wegen Brexits nach Bornheim

BORNHEIM-KARDORF. Den letzten Anstoß gab der Brexit: Der Verschlusshersteller aus Redditch bei Birmingham zieht seine Konsequenzen aus der Verunsicherung nach dem EU-Austritt und siedelt sich im Gewerbegebiet in Bornheim-Kardorf an.

In Großbritannien produzierte Spann- und Schnellverschlüsse sollen künftig von Kardorf aus zu Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Russland, Weißrussland und der Ukraine gelangen. Das britische Unternehmen Protex Fasteners mit 75 Mitarbeitern und Sitz in Redditch bei Birmingham baut im Vorgebirge derzeit eine deutsche Niederlassung auf – und dafür habe der Brexit den entscheidenden Ausschlag gegeben, sagt Andreas Windel. „Die Konzeptlosigkeit der englischen Regierung ist schädlich für die britische Wirtschaft – für uns ist sie ein Segen.“

Der 62-Jährige betreut mit seiner Gesellschaft für Management und Personalberatung seit 1993 von seinem Bonner Büro aus die deutschsprachigen Kunden von Protex. Zu denen gehören laut Windel Ingenieure – etwa aus der Windkraftbranche und dem Maschinenbau – ebenso wie Hersteller von Hundeboxen. Versand, Rechnungsstellung und Buchhaltung laufen aber bisher ausschließlich über das britische Unternehmen.

Das soll sich mit dem Bau in Kardorf ändern: „Während wir bisher eine unselbstständige Niederlassung waren, werden wir dann eine Tochtergesellschaft sein“, erklärt Windel, der sich mit seiner eigenen Gesellschaft beteiligen will und geschäftsführender Gesellschafter der Tochter wird.

Deutscher Gesellschafter sieht sich als "Brexit-Gewinner"

Eigentlich habe er ja in zwei Jahren in Rente gehen wollen, sagt er, aber auf die Entscheidung von Protex, ein Standbein in Deutschland aufzubauen, habe er 25 Jahre gewartet: „Ich bin ein Brexit-Gewinner!“ Aus seiner Sicht seien zwei Dinge zusammengekommen, als Protex-Inhaber Howard Cooke ihn im vergangenen Oktober – vier Monate nach dem Brexit-Referendum – auf die Pläne für eine Expansion in Deutschland angesprochen habe: „Einerseits der Wunsch, wachsen zu wollen und mehr Umsatz zu generieren, und andererseits der Brexit.“

Auch wenn der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union dabei zwischen den Geschäftspartnern nicht zur Sprache gekommen sei, wie Windel betont – zu verschieden seien die Ansichten von Deutschen und Briten. „Aber mein Eindruck ist, dass der Brexit der letzte Kick für die Entscheidung war. “

Immerhin wisse die Wirtschaft ja noch immer nicht, wo es hingehen solle: „Der 'worst case' wäre weniger als eine Zollunion.“ Neben der offenen Frage nach künftigen Zöllen seien hohe Transportkosten ein grundsätzliches Problem beim Versand der Waren von der Insel, und auch die Lieferdauer spiele eine Rolle, erklärt Windel. Das solle mit dem deutschen Sitz besser werden.

Betrieb in Kardorf soll im Sommer 2018 starten

Auf dem rund 3700 Quadratmeter großen Grundstück in Kardorf zwischen der Landesstraße 183 und der Bahnlinie 18 sollen laut dem Unternehmer für 2,5 Millionen Euro Investition neben einem Bürogebäude samt Verkaufsraum ein Hochregallager mit Kapazität für rund 128 Tonnen Verschlüsse entstehen. „Wir haben auch noch Platz für eine weitere Halle gelassen, damit wir – je nachdem was beim Brexit passiert – gegebenenfalls auch Montage vor Ort machen können.“

Das könne sich etwa dann lohnen, wenn auf Fertigprodukte andere Zölle als auf Vorprodukte erhoben würden, meint Windel. Ab Sommer 2018 solle der Betrieb starten und die Zahl der Mitarbeiter – wenn der Umsatz wie geplant steigt – von jetzt vier auf sieben Angestellte wachsen.

Zwischen Bonn und Köln habe er mit Protex nach einem geeigneten Grundstück gesucht. „Aber der Standort Bonn ist unattraktiv für uns geworden“, so Windel. „Die Verkehrssituation wird zunehmend katastrophaler.“ Hinzu komme das Parkplatzproblem für Kunden. Der Standort Kardorf hat dabei für Windel auch einen weiteren Vorteil: Von seinem Wohnort Sechtem aus kann er mit dem Rad zur Arbeit fahren.