Aktion für Flüchtlinge

Brühlerin startet Hilfe für Idomeni

Anastasia Wiesner (2.v.r.) zusammen mit ihren Helfern.

Anastasia Wiesner (2.v.r.) zusammen mit ihren Helfern.

Bornheim-Hersel. Die Brühlerin Anastasia Wiesner organisiert einen Hilfetransport von Hersel in ein griechisches Flüchtlingslager.

In einer langen Reihe stehen die Helfer am Heck des geöffneten Lkw auf einem Firmengelände in Hersel. Karton um Karton wandert durch ihre Hände aus der Lagerhalle in den Laderaum des 40-Tonners. Jedes Paket ist genau beschriftet: Winterschuhe, Babybodys, Winterjacken, Hosen und etliche Windelkartons werden sorgfältig verstaut.

„Wir haben eine riesige Menge gespendeter Kleidung einen ganzen Tag lang nach Art und Größe sortiert“, berichtet Anastasia Wiesner aus Brühl, die seit drei Wochen rund um die Uhr damit beschäftigt ist, einen Hilfstransport für das griechische Flüchtlingslager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien zu organisieren.

Am Donnerstag konnte der Lastwagen, beladen vor allem mit Kinderkleidung, Windeln und Hygieneartikeln, endlich starten. Voraussichtlich am kommenden Sonntag wird er in dem Flüchtlingslager, in dem momentan geschätzte 12 000 Menschen festsitzen, ankommen.

„Ich habe im Lager selbst gesehen, wie Kinder ohne Schuhe und Jacke umherliefen. Ich habe in der Kleiderausgabe mitgeholfen und erlebt, wie wichtig es ist, dass die Spenden geordnet und sortiert ankommen, damit in dem großen Wust auch das passende gefunden werden kann“, erklärt Wiesner. Der Entschluss, den Menschen, die in dem Lager unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, zu helfen, war bei der 37-jährigen Halbgriechin vor etwa einem Monat gereift. Gemeinsam mit ihrer 21 Monate alten Tochter hatte sie ihren Mann besucht, der die Frontex-Einheit vor Ort leitet.

„Das war genau zu der Zeit, als sich das Lager dramatisch zu füllen begann. Auf dem Rückflug nach Hause habe ich gedacht: Das kann ich nicht so stehen lassen. Ich muss etwas tun.“ Innerhalb von drei Tagen entwarf sie einen Flyer, schrieb eine Woche lang 750 Leute über Facebook an und bat um Spenden.

Das Ergebnis: Innerhalb von zehn Tagen sammelte sie 12 000 Euro Spendengelder. Inzwischen ist die Summe auf 15 000 Euro gewachsen. Von dem Geld bezahlte sie vor allem medizinisches Equipment, dessen Bedarf sie bei einem weiteren Besuch im Lager bei griechischen und internationalen Hilfsorganisationen abfragte. Hygieneartikel im Wert von etwa 7000 Euro besorgte sie ebenfalls.

Viele Helfer waren auf Anastasia Wiesners Facebook-Aufruf aufmerksam geworden. So fanden auch Angela und Roman Esch aus Bornheim die ambitionierte Aktion unterstützenswert. Roman Esch, der als Angestellter des Malteser Hilfsdienstes die Flüchtlingsunterkunft in der Bornheimer Turnhalle koordiniert, bot der Brühlerin Platz im Lagerraum, den Transport der Sachspenden zum Lager und auch Sachspenden an. Ein Speditionsunternehmen stellte das Fahrzeug und übernahm den kompletten Transport. Wiesner: „Ich bin wirklich überwältigt von der Hilfsbereitschaft.“