Angespannter Wohnungsmarkt

Bornheimer mit behindertem Kind finden keine Bleibe

Bornheim-Merten. Nachdem der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat, müssen die Wolfs aus Merten umziehen. Seit zwei Jahren sind sie auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung, in der genügend Platz für die Spezialmöbel ihrer Tochter ist.

In der Wohnung von Familie Wolf ist es düster. Das Tageslicht schafft es kaum ins Souterrain. Für die Zukunft der kleinen Helga (4) wünscht sich Mutter Mathilde (44) eine schönere Wohnung, eine hellere. Doch die Suche nach einer passenden Unterkunft gestaltet sich seit zwei Jahren schwierig.

Verschiedene Faktoren kommen dabei zusammen: Vater Manfred (70) lebt als Rentner von der Grundsicherung und seine Frau von Hartz IV. „Einfach eine neue Wohnung raussuchen und diese mieten, geht nicht“, sagt Mathilde Wolf. „Das Jobcenter muss die zunächst absegnen, bevor die Umzugskartons gepackt werden können.“ Damit nicht genug, hat Helga aufgrund von Krankheit mit ihren jungen Jahren bereits einen Behindertenausweis.

Da das Mädchen weder sitzen, krabbeln noch laufen kann, muss die Familie in eine Wohnung ziehen, die sich im Erdgeschoss befindet. „Oder zumindest in ein Haus, in dem ein Aufzug ist. Da sie erst viel später einen Rollstuhl bekommt, müssen wir sie die meiste Zeit tragen. Das Kind wiegt knapp 18 Kilo, die strengen an.“ Außerdem benötigt die Vierjährige eine Badewanne, in der sie mithilfe einer spezielle Liege gewaschen werden kann. Der Grund, warum die Familie Wolf nach zehn Jahren die Souterrain-Wohnung verlassen muss, ist, dass der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat. Eigentlich hätten die drei bereits vergangenen Monat den Schlüssel übergeben müssen.

Vater Manfred kommt herein und legt einen Stapel ausgedruckte Wohnungsanzeigen aus dem Internet auf den Couchtisch. Es dürften an die 100 Inserate sein. Säuberlich und akribisch hat Mathilde Wolf auf den Angeboten in schwarzer Schrift Daten der Kontaktaufnahme mit den potenziellen Vermietern geschrieben. In roten Lettern darunter das Wort „abgesagt“.

„Ich denke nicht, dass die Absagen etwas damit zu tun haben, dass Helga behindert ist. Vielmehr wollen einige Vermieter keine Kinder im Haus“, erklärt Mathilde Wolf. Außerdem moniert sie, dass das Jobcenter zu lange brauche, um die Anträge zu bearbeiten. „In der Zeit haben die Vermieter die Wohnung bereits an andere Interessenten vergeben.“ Die Familie fühlt sich von der Behörde im Stich gelassen.

Laut Jobcenter war keine Notlage erkennbar

Das Jobcenter in Alfter, das für Mathilde Wolf zuständig ist, kann den Vorwurf der Familie nicht nachvollziehen. „Die Jobcenter bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Dies gilt auch bei der Suche nach geeignetem Wohnraum. Hier können passive Hilfestellungen gegeben und Umzugskosten nach Antrag übernommen werden. Jedoch haben die Jobcenter nicht den Auftrag, die Wohnungsvermittlung zu übernehmen“, betont Sabine Schultz, Sprecherin beim Jobcenter Rhein-Sieg in Sankt Augustin.

Laut Protokoll der Vermittlerin liegt der Behörde nur ein Wohnungsangebot vom März dieses Jahres vor. „Eine Notsituation, wie sie nun vorliegt, war für das Jobcenter nicht erkennbar. So hätte Familie Wolf die Wohnungsanzeigen mitbringen und deutlich machen können, wie dringend die Hilfe ist. Oder einen separaten Termin bei einer Mitarbeiterin machen können und dort erzählen, wie schwer es ist, eine geeignete Wohnung zu finden“, erklärt Schultz.

Die Richtlinien des Jobcenters besagen, dass der Familie eine 80 Quadratmeter große Wohnung zusteht, die im Monat nur 500 Euro kalt kosten darf (bezogen auf die Stadt Bornheim). Allerdings räumt Schultz auch einen Ermessenspielraum wegen der behinderten Tochter ein. Und bevor die geeignete Wohnung an jemand anderen vermietet wird, sei es laut Schultz schon vorgekommen, „dass innerhalb einer Stunde eine Zusage über die Angemessenheit einer Wohnung erteilt wurde. Das Jobcenter arbeitet gerade bei diesen Anträgen so schnell wie möglich, damit angemessener Wohnraum gemietet werden kann.“

Beim Amt für Soziales der Stadt Bornheim ist Manfred Wolf als wohnungssuchend registriert. Angebote wurden der Familie auch bereits unterbreitet. „Wir hatten die Möglichkeit, in eine 16 Quadratmeter große Containerwohnung zu ziehen beziehungsweise in eine Zwei-Zimmer-Containerwohnung. Vergangene Woche habe ich beides abgelehnt“, sagt der Vater. Seine Begründung: Es sei nicht genügend Platz für Helgas Spezialstühle und ihr behindertengerechtes Bett gewesen. Von einer Badewanne ganz zu schweigen.

„Eine Unterbringung in einem Wohncontainer ist immer nur eine vorübergehende Lösung. Daher ist die Verwaltung auch intensiv bemüht, eine passende Wohnung zu finden. Allerdings ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt derzeit äußerst angespannt. Auch verfügt die Stadt zurzeit über keine freie Wohnung, die den speziellen Anforderungen der Familie entspricht“, erklärt Stadtsprecher Rainer Schumann die Situation auf Anfrage des General-Anzeigers.

Trotz des geringen Angebotes auf dem Wohnungsmarkt betont die Stadtverwaltung, die Familie Wolf nicht im Stich zu lassen. In der Vergangenheit gab es sogar Wohnungen, die vor allem für Helgas Bedürfnisse ideal gewesen wären, allerdings „haben sich die Hausverwaltungen in beiden Fällen für andere Mieter entschieden“, ergänzt Schumann bedauernd.

Damit die Familie Wolf in den nächsten Wochen und Monaten doch noch umziehen kann, prüft die Stadtverwaltung zurzeit, ob der Familie eine Person einer karitativen Einrichtung zur Seite gestellt wird, die sie aktiv bei der Wohnungssuche unterstützt.

Und vielleicht geht der Wunsch von Mathilde Wolf endlich in Erfüllung, Anfang des kommenden Jahres in einer helleren Wohnung in Bornheim zu leben.

Das Amt für Soziales bittet potenzielle Vermieter um Hilfe. Meldungen von freiem Wohnraum unter 0 22 22/94 51 09 und per E-Mail an info@stadt-bornheim.de