Nahverkehr im Vorgebirge

Bornheimer P&R-Angebot kommt auf den Prüfstand

An der Linie 18 in Waldorf ist der Handlungsdruck besonders hoch, weil unzulässigerweise auch Anwohner ihre Autos auf dem Park-and-ride-Platz abstellen.

An der Linie 18 in Waldorf ist der Handlungsdruck besonders hoch, weil unzulässigerweise auch Anwohner ihre Autos auf dem Park-and-ride-Platz abstellen.

Bornheim. Nach einer Bestandsaufnahme an den Haltepunkten der Linien 16 und 18 sollen nun Handlungskonzepte für Park-and-ride sowie Bike-and-ride-Plätze her. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen.

Neben der wichtigen DB-Achse mit den Stationen Sechtem und Roisdorf ist die Stadt Bornheim über die beiden Straßenbahnlinien 16 und 18 an Köln, Bonn und Brühl angebunden. So mancher Pendler nutzt eine der zehn im Stadtgebiet befindlichen Haltestellen entlang dieser Linien, um vom Auto oder Fahrrad in den ÖPNV umzusteigen.

Laut einer Analyse des Bonner Ingenieurbüros AB Stadtverkehr, die jetzt im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde, haben allerdings viele der dazugehörigen Park-and-ride sowie Bike-and-ride-Plätze in puncto Stellplatzangebot, Zustand und Ausstattung noch Luft nach oben. Bei der Weiterentwicklung des Angebots solle darauf geachtet werden, dass vor allem dezentrale Haltestellen in ihrer Park-and-ride-Funktion gestärkt werden, während Haltestellen in geschlossenen Siedlungsbereichen primär mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar sein sollen und vor allem die Bedingungen für Park-and-bike verbessert werden.

Insgesamt bieten die zehn untersuchten Haltepunkte ein Angebot von insgesamt 326 Stellplätzen für Autos und 448 Stellplätzen für Fahrräder.

Vorderradhalterungen für Räder sind überholt

Uedorf ist dabei die einzige Haltestelle, die weder ein Park-and-ride- noch ein Bike-and-ride-Angebot bereithält. Weiterhin sind die Stellplätze in Widdig und Walberberg derzeit nicht als „P&R-Stellplätze“ deklariert und haben teilweise einen nicht ausreichend befestigten Untergrund. Und: Wer beispielsweise an den Haltepunkten Widdig und Hersel sein Fahrrad anketten will, findet dort keine idealen Bedingungen vor.

Bemängelt werden hier die Vorderradhalterungen, die inzwischen als überholt und unkomfortabel gelten. „Es gibt keine Möglichkeit, den Rahmen des Fahrrads anzuschließen“, erklärte Ulrike Ewen vom Ingenieurbüro AB Stadtverkehr. Die Folge: Fahrradfahrer schließen ihre Drahtesel an den umlaufenden Geländern ab.

Auslastung von 77,9 Prozent am Vormittag

Dass Park-and-ride ebenso wie Bike-and-ride in Bornheim durchaus genutzt wird, zeigt die Untersuchung in Sachen Auslastung, die auf allen Parkplätzen Anfang Juli jeweils vor- und nachmittags gemacht wurde.

Insgesamt kamen die Experten auf eine Auslastung von 77,9 Prozent am Vormittag und 70,9 Prozent am Nachmittag, wobei die Parkplätze entlang der Linie 18 deutlich mehr frequentiert waren als die Anlagen an der Linie 16. Eine Vollauslastung war jeweils einmal an den Haltestellen Bornheim Rathaus, Dersdorf und Walberberg zu verzeichnen. Freie Kapazitäten wurden vor allem an den Haltestellen Roisdorf West, Bornheim und Merten festgestellt.

Wie das Ingenieurbüro selbst einräumt, spielte das warme Wetter bei der Erhebung der Auslastungszahlen eine nicht unerhebliche Rolle – denn ein Pendler, der sich bei Sonnenschein gerne auf sein Fahrrad schwingt, steigt an Regentagen lieber in sein Auto.

Bahnsteigzugang verleitet zu Abkürzungen über die Gleise

Besonders hohen Handlungsdruck machten die Experten am Park-and-ride-Parkplatz Waldorf aus. Denn dort stellen unzulässigerweise Anwohner ihre Autos auf der ohnehin bereits ausgelasteten Anlage ab. Zudem wird der Bahnsteigzugang bemängelt, weil er zu gefährlichen Abkürzungen über die Gleise verleite. Stattdessen schlägt das Ingenieurbüro den Ausbau eines zweiten Parkplatzes am Donnerbachweg auf einer Fläche der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) mit etwa 40 Stellplätzen und einem neuen Zugang zum Bahnsteig vor. Zusätzlich könnte als Garant für eine reine Park-and-ride-Nutzung, der Parkraum bewirtschaftet werden.

Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss einstimmig, eine Parkraumuntersuchung im gesamten Bereich zwischen L 183 (Blumenstraße), Bahnlinie, Donnerbachweg und Dahlienstraße durchführen zu lassen. Der SPD ging dies jedoch nicht weit genug. Sie kritisierte, dass die Vorlage die zukünftige Entwicklung, die etwa die Taktverdichtung mit sich bringe, nicht im Blick habe. „Besonders im Bereich E-Bike-Nutzung liegt ein riesiges Potenzial“, sagte Ute Kleinekathöfer. „Wir wollen die Menschen schließlich in die Bahn bringen.“

Unterstützt wurde der Einwand von Lutz Wehrend (CDU) und Markus Hochgartz (Grüne), der Parkboxen für E-Bikes sowie Lademöglichkeiten für E-Bikes und Autos anregte. Auf Antrag der SPD wurde der Beschlussentwurf schließlich um einen weiteren Punkt ergänzt: Nach Waldorf soll auch für die anderen Orte ein Handlungskonzept erstellt werden, das in einer Prioritätenliste münden soll. Faktoren wie steigende Fahrgastzahlen sollen dabei Berücksichtigung finden.