Wirtschaft in Bornheim

Bornheimer Kinder lernen Fairen Handel kennen

Wolfgang Paulus (r.) erklärt zusammen mit den Pädagogen Michaela Weyand und Eduardo Cisternas den fairen Handel.

Wolfgang Paulus (r.) erklärt zusammen mit den Pädagogen Michaela Weyand und Eduardo Cisternas den fairen Handel.

Bornheim. Zehn Kinder aus dem Ferienprogramm des Bornheimer Stadteilbüros lernen fairen Handel kennen. Die Bauern auf der Südhalbkugel sollen am Gewinn beteiligt sein.

„Ihr könnt euch gerne bedienen“, forderte Wolfgang Paulus, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes der Stadt Bornheim, die zehn Kinder zwischen zehn und 13 Jahren auf, sich Süßigkeiten aus dem kleinen roten Stoffbeutel zu nehmen, der neben einer Packung Bio-Vorgebirgs-Café auf dem Tisch seines städtischen Amtes an der Königstraße lag.

Die Kinder besuchten jetzt den promovierten Biologen Paulus, um im Rahmen der vom Stadtteilbüro Bornheim angebotenen Ferienwoche unter dem Motto „Musik, Kunst und Spiele ohne Grenzen“ in Zusammenarbeit mit dem Landesnetzwerk „Eine Welt Netz NRW“ und dem Programm „Bildung trifft Entwicklung“ etwas über Fairtrade, den fairen Handel mit Produkten und dabei auch über die Stadt Bornheim zu erfahren, die sich seit 2012 „Fairtrade-Stadt“ nennen darf.

Der rote Stoffbeutel, aus dem Paulus seinen jungen Gästen kleine Tütchen mit „fairen Kamelle“ und Bio-Manyok-Chips anbot, trug den Aufdruck „Jecke Fairsuchung“ und war 2014 ein Versuch des Eine-Welt-Arbeitskreises der Stadt, die örtlichen Karnevalsvereine dazu zu bewegen, ihre tonnenweise auf das jecke Volk geworfenen Süßigkeiten auf fair gehandelte Produkte umzustellen. Bis auf den einmaligen Einsatz in Roisdorf, der auch nur stattfand, weil das fair gehandelte Wurfmaterial gesponsert war, zeigte sich kein Verein interessiert.

Den wenigsten war das Fairtrade-Siegel bekannt

„Es ist nicht einfach, beispielsweise die Gastronomen in Bornheim davon zu überzeugen, fair gehandelte Produkte einzusetzen“, weiß Paulus aus Erfahrung: „Meist bekommen die Wirte ihre Kaffeeautomaten von Kaffeeröstern und sind damit auch an den Einsatz von deren Produkten gebunden.“ Den wenigsten Kindern, die bereits am Vormittag zusammen mit den Pädagogen Michaela Weyand und Eduardo Cisternas vom Bildung-trifft-Entwicklung-Programm im Bornheimer Edeka auf der Suche nach Fairtrade-Produkten unterwegs waren, war das Fairtrade-Siegel bekannt.

„Bevor wir uns auf den Weg gemacht haben“, berichtete Christina Elsner, die pädagogische Leiterin des Stadtteilbüros, „haben wir Filme über Fairtrade gesehen und erfahren, was einen fairen Handel ausmacht.“ Auf spielerische Weise erfuhren die Ferienkinder von den Bauern und Plantagenarbeitern in den Ländern des Südens, die unter dem Druck des Welthandels und den teilweise ausbeuterischen Praktiken des Zwischenhandels gezwungen sind, ihre Erzeugnisse oft unter dem eigenen Herstellungspreis zu verkaufen. Durch die Fairtrade-Initiative gelingt es nun einigen Bauernfamilien sich langfristige Abnahmeverträge zu Mindestpreisen über dem Weltmarktniveau zu sichern. Ihre Kinder können dann zur Schule gehen und lernen, statt auf den Feldern zu arbeiten.

Frederick (11) bringt es auf den Punkt: „Man kriegt dadurch für die Produkte nicht immer weniger, sondern mehr.“ Und Alok (12) ergänzt, „Fairtrade fördert auch den Umweltschutz.“