Alte Kartoffelsorte wird angepflanzt

Bornheimer Hörnchen ist wieder da

Bornheim-Widdig. Landwirt Karl-Heinz Kley pflanzt erstmals die alte Kartoffelsorte an, die 1950 fast komplett aus dem Feldanbau verschwand. Würzig und nussig im Geschmack ist sie unter den verschiedenen Sorten des Knollengemüses etwas Besonderes.

Kartoffelliebhaber kennen ihre Lieblingsspeise meist nur in runder, länglicher oder ovaler Form. Dabei kann das deutsche Lieblingsgemüse auch ein völlig untypisches Aussehen haben. Wie zum Beispiel das Bornheimer Hörnchen, das, fingerförmig und krumm, äußerlich der Gewürzpflanze Ingwer ähnelt.

Durch ihre ungewöhnliche Form ist die Ernte der Hörnchenkartoffel nur per Hand möglich und damit sehr zeitaufwendig. Trotzdem hat der Widdiger Landwirt Karl-Heinz Kley im April die Kartoffel in kleinem Rahmen angebaut, seit vier Wochen verkauft der Widdiger sein neues Produkt in seinem Hofladen und auf verschiedenen Wochenmärkten. „Wir wollten – wie mit dem Bornheimer Spargel – auch im Kartoffelbereich eine weitere Marke kreieren und unseren Kunden etwas Neues bieten“, erklärt der 27-Jährige, der seit 2011 gemeinsam mit seiner Mutter Maria (57) den elterlichen Betrieb führt.

Und das Bornheimer Hörnchen ist eine Delikatesse. Würzig und nussig im Geschmack ist sie unter den verschiedenen Sorten des Knollengemüses etwas Besonderes. In Aussehen und Geschmack ähnelt das Bornheimer dem Bamberger Hörnchen. Im Zuge des verstärkten Einsatzes von Erntemaschinen verschwand die Kartoffelsorte 1950 fast gänzlich aus dem Feldanbau.

Die Rückbesinnung auf den Anbau alter Sorten hat auch den Widdiger Junglandwirt motiviert. In sechs Reihen auf insgesamt 600 Metern hat Kley im Frühjahr die Bornheimer Hörnchen neben den traditionellen Kartoffelsorten Leyla, Belana und Annabelle in der Nähe des Bornheimer Gemüseweges gepflanzt. 25 Prozent der gesetzten Pflanzen trieben nicht aus. Dennoch zeigte sich der junge Landwirt sehr zufrieden mit dem Ernteergebnis.

Drei Tage lang hat er seine Kartoffeln im September per Hand aufgelesen, denn Erntemaschinen zerstören die unterschiedlichen Formen der Hörnchen. Zweieinhalb Tonnen wurden eingefahren und kamen sofort in den Verkauf. „Die aufwendige Ernte macht den Anbau dieser Kartoffelsorte auch sehr unproduktiv. Deshalb ist sie auch nicht für den Massenanbau geeignet“, erklärt Kley.

Die Kartoffelpflanze ist eher klein und blüht weiß. Die Hörnchen haben festes hellgelbes Fleisch und eine leicht ockerfarbene Haut. Der intensive Eigengeschmack macht das Bornheimer Hörnchen zu einem Genuss. „Diese Kartoffelsorte isst man nicht jeden Tag“, findet Maria Kley. Das merkt der Kunde auch am Preis. Denn 4,95 Euro kostet das Kilo im Hofladen oder auf den Wochenmärkten in Rheinbach, Overath, Bad Münstereifel und Siegburg, für zweieinhalb Kilo zahlt der Verbraucher zehn Euro.

Skeptisch reagierten die Käufer zunächst auf das ungewohnte Gemüse. „Nachdem sie unsere Bornheimer Hörnchen dann allerdings probiert hatten, waren sie alle total begeistert“, sagt Kley, der im Familienbetrieb in der 15. Generation tätig ist. Seit 500 Jahren bewirtschaftet die Familie den Hof an der Römerstraße. Für Kartoffelsalat, Bratkartoffeln oder als Pellkartoffel sind die Bornheimer Hörnchen bestens geeignet. „Man kann sie auch mit Schale essen. Und die gekochten Hörnchen lassen sich gut schälen“, gibt Maria Kley Kochtipps.

Ob der Familienbetrieb auch im nächsten Jahr die neue Sorte anbieten wird, steht noch nicht fest. Das hängt vor allem von der Nachfrage bei den Kunden ab. Kley ist experimentierfreudig. Schon 2015 baute er mit der Lila Kartoffel eine Sorte an, die allerdings nicht den Geschmack der Verbraucher traf. „Wer möchte denn schon rosa Kartoffelbrei essen? Das Auge isst doch mit“, meint Maria Kley.