Investitionsprogramm

Bornheim investiert in Barrierefreiheit

Auf ein barrierefreies Bornheim in der Zukunft hoffen (v. l.) Gabriela Knütter vom Seniorenbeirat, Volker Lederer und Madeleine Will. FOTO: AXEL VOGEL

Auf ein barrierefreies Bornheim in der Zukunft hoffen (v. l.) Gabriela Knütter vom Seniorenbeirat, Volker Lederer und Madeleine Will. FOTO: AXEL VOGEL

Bornheim. Barrieren und Hindernisse sind im Alltag für viele Menschen in unterschiedlicher Weise erleb- und fühlbar. Die Bornheimer Verwaltung möchte ab 2019 jährlich 100.000 Euro bereitstellen, um die Stadt altengerecht respektive barrierefrei zu gestalten.

Hohe Bordsteine, schmale Gehwege, mangelnde Straßenbeleuchtung und das Fehlen öffentlicher Toiletten: Die Liste der Gefahrenpunkte und Verbesserungsvorschläge, die der Bornheimer Seniorenbeirat der Stadtverwaltung im Frühjahr 2017 vorlegte, ist lang. Doch die detaillierte Benennung der Problempunkte in allen 14 Bornheimer Ortschaften, die durch Ortsbegehungen ermittelt wurden, scheint sich gelohnt zu haben: Die Verwaltung will die Empfehlung des Beirats, ein eigenes Investitionsprogramm zur sukzessiv barrierefreien Ausgestaltung des öffentlichen Verkehrsraums in den kommenden zehn Jahren aufzustellen, aufgreifen. Um dabei einen „signifikanten Fortschritt“ zu erzielen, sollen ab dem Jahr 2019 Mittel in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr bereitgestellt werden. Einen entsprechenden Vorschlag zum Haushaltsentwurf will Bürgermeister Wolfgang Henseler in den Gremien vorlegen.

„Der Bürgermeister begrüßt den Vorstoß, dem Thema Barrierefreiheit mit positiven Effekten für alle Generationen durch ein entsprechendes Sonderprogramm Rechnung zu tragen“, heißt es in einer Stellungnahme zu einer entsprechenden Vorlage im Ausschuss für Schule, Soziales und demografischen Wandel, der zur Kenntnisnahme vorlag.

Bisher wird die barrierefreie Umgestaltung vor allem dort vorgenommen, wo ein Neubau von Straßen oder grundlegender Straßenausbau stattfindet, wie etwa an der Bornheimer Königsstraße oder der Friedrichstraße in Roisdorf. „Die Stadt erkennt die Notwendigkeit, sich verstärkt das Ziel zu setzen, auch im Bestand kleinere Maßnahmen im Sinne der Barrierefreiheit zu erreichen“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Dabei sei es sinnvoll, ähnlich wie beim Radverkehrskonzept einen eigenen Aktionsplan zu erarbeiten und dafür Haushaltsmittel und Personal bereitzustellen. Geprüft werden soll auch die Inanspruchnahme von Förderprogrammen im Bereich der Nahmobilität.

Verbesserung für Senioren und Menschen mit Behinderung

Gabriele Kretschmer (CDU) begrüßte das Vorhaben und beantragte, es zur weiteren Beratung in den Stadtentwicklungsausschuss zu verweisen. Auch Rainer Züge (SPD) wertete den Schritt positiv: „Dass Mittel zur Umsetzung von Maßnahmen bereitgestellt werden, ist ein wichtiges Signal an die Senioren.“

Bornheims Inklusionsbeauftragte Gisela Rothkegel sieht in dem Vorhaben nicht nur eine Verbesserung für Senioren, sondern auch für Menschen mit Behinderung: „Inklusion ist nicht nur eine schulische Aufgabe.“ Dass die Stadt mit Maßnahmen zur Barrierefreiheit auf dem richtigen Weg ist, zeigte auch der Demografiebericht, dessen Erstellung 2014 auf Antrag der Grünen beschlossen und von der Bertelsmannstiftung erarbeitet worden war.

Die Ergebnisse, die nun im Ausschuss vorgestellt wurden, decken sich mit den jüngst vorgelegten Untersuchungen zur Kindergarten- und Schulentwicklungsplanung und kommen zu dem Fazit, dass in allen Bevölkerungsschichten ein Wachstum zu erwarten ist. Ein starker Anstieg wird sowohl bei den jüngeren Senioren (65 bis 79 Jahre), als auch bei den über 80-Jährigen prognostiziert.

Auf der Agenda stehen daher die Verbesserung des Infrastrukturangebots für Ältere, die Barrierefreiheit, die Sicherung der hausärztlichen Versorgung und der Ausbau des Pflegeangebots sowie die Schaffung von bezahlbarem, seniorengerechten Wohnraum. Angestoßen werden soll die Entwicklung eines konkreten Handlungskonzeptes. Zu einer Veranstaltung, an der Vertreter der Fraktionen, der Beiräte, sowie die Ortsvorsteher teilnehmen sollen, will die Verwaltung einladen. „Nach der Ermittlung der Daten ist es nun an der Zeit, einzelne Projekte zu definieren und zu handeln“, sagte Bornheims Beigeordnete Alice von Bülow. Einen Anfang machte bereits im November 2017 die Veranstaltung „Senioren im Blick“, bei der zahlreiche Vertreter der in Bornheim tätigen Sozialverbände, Pflegeeinrichtungen und ehrenamtlichen Institutionen an einen Tisch geholt wurden.