Stadt Bornheim bereitet die Aufnahme von 150 Flüchtlingen vor

Bis Donnerstag soll die Turnhalle zur Notunterkunft werden

BORNHEIM. Der Fußboden ist bereits abgedeckt, die Sichtschutzwände stehen, die Betten sollen spätestens Dienstag geliefert werden: In vollem Gange sind die Vorbereitungen der Stadt Bornheim, um die Turnhalle der Johann-Wallraf-Grundschule in eine Notunterkunft des Landes für Flüchtlinge umzufunktionieren.

Wie berichtet, hatte die Stadt am Donnerstag auf Nachfrage von der Bezirksregierung erfahren, dass sie ab dieser Woche bis zu 150 Menschen aufnehmen soll, weil die regulären Aufnahmestellen überfüllt sind.

"Heute haben wir die Anweisung zur Amtshilfe schriftlich bekommen", sagt Beigeordneter Markus Schnapka. Bis spätestens Donnerstagnachmittag soll die Stadt die Unterkunft für 70 Personen bezugsfertig machen und bis zum folgenden Dienstag für weitere 80 Personen.

Für Mittwoch um 19 Uhr will die Stadt eine Bürgerinformation im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium auf die Beine stellen. "Das Tun hat momentan Vorrang vor der Theorie", bittet Schnapka um Geduld, dass noch nicht alle Details zur Einrichtung der Notunterkunft und der damit einhergehenden Einschränkungen etwa für den Schul- und Vereinssport geklärt seien.

Beruhigen kann er Eltern, die sich bezüglich der Toilettennutzung Sorgen machen: Flüchtlingen und Schulkindern stünden jeweils eigene sanitäre Anlagen zur Verfügung, sagt der Beigeordnete.

Auch die Bornheimer Grünen bitten in einer Pressemitteilung um das Verständnis von Eltern und Vereinen. Die Unterbringung in der Turnhalle sei "keine ideale, aber doch die beste Lösung angesichts der wenigen Vorbereitungszeit", so der Ortsvereinsvorsitzende Frank Wösten.

Nur eine Übergangslösung

"Generell hätten wir uns zwar eine bessere Einbindung der Bürger gewünscht, der Zeitdruck zwingt die Stadt allerdings zu einer schnellen Entscheidung." Die Turnhalle könne jedoch nur eine Übergangslösung darstellen: "Eine Unterbringung in einer Turnhalle mit 150 Menschen verhindert jede Privatsphäre. Dass es da zu Konflikten kommen kann, ist nur verständlich", so Wösten.

Die Stadt bemühe sich, "die größtmögliche Privatsphäre" für die Flüchtlinge zu schaffen, sagt Schnapka. Das sei nicht leicht, zumal gleichzeitig auch der Brandschutz gewahrt werden müsse.

Mithilfe von Sichtschutzwänden sollen Bereiche für jeweils vier Personen mit zwei Etagenbetten abgeteilt werden. "Dadurch verlieren wir einige Quadratmeter, aber man muss sich ja zum Beispiel auch mal umziehen können", erläutert der Beigeordnete.

Und es sei damit zu rechnen, dass manche Flüchtlinge je nach Lauf des Verfahrens bis zu zwölf Wochen in der Turnhalle blieben. Derzeit bemühe sich die Stadt zudem, den Kontakt zu niedergelassenen Ärzten zu suchen, zumal sie sich nebst Registrierung auch um Impfung und Erstuntersuchung der Ankömmlinge kümmern soll.

Auf die Nutzung der Turnhalle verzichten muss nun auch die Boxabteilung des Spiel- und Sportvereins (SSV) Bornheim. "Ruckzuck" hätten sie am Sonntag zehn Mann zusammengehabt, um das Equipment wie die mehr als 20 Sandsäcke und etliche Boxhandschuhe aus der Halle zu ihm nach Hause zu schaffen, erzählt Abteilungsleiter Georg Stang.

"Dass wir jetzt alle ein bisschen weichen müssen, ist klar", sagt er. Aber die Stadt habe ihm bereits in Aussicht gestellt, dass sie statt der üblichen zwölf zumindest sechs Trainingsstunden in anderen Hallen absolvieren könnten. "Das kriegen wir alles schon gebacken", ist Stang optimistisch.