Ausgefallenes Hobby in Bornheim

Beim "Kloatscheeten" ist Schnelligkeit gefragt

Warm eingepackt mit dem sogenannten „Kloat“ in der Hand kann es losgehen.

Warm eingepackt mit dem sogenannten „Kloat“ in der Hand kann es losgehen.

Bornheim-Merten. Seit 30 Jahren betreibt eine Gruppe von Mertenern zwischen Januar und März den norddeutschen Sport "Kloatscheeten" und trotzt dabei Wind und Wetter.

Zur Ausrüstung gehören warme Kleidung, festes Schuhwerk und mindestens zwei der etwa 400 Gramm schweren und vier Zentimeter dicken, abgerundeten Holzscheiben, auf Plattdeutsch „Kloat“. Hinzu kommt ein Kescher, um das Spielgerät bei Bedarf wieder aus dem Graben oder der Böschung fischen zu können. Ganz und gar unentbehrlich ist obendrein ein Bollerwagen, bestückt mit belegten Brötchen, Kaffee, Schnaps, Rum und Likören.

Um die „Frostschutzmittel“ ohne große Umstände genießen zu können, binden sich die Mitglieder der „Heeder Kloatscheeter“ ihr Gläschen an einer Schnur um den Hals, bevor sie sich auf ihre etwa sechs Kilometer lange Rundtour über die Mertener Heide und die Rösberger Felder begeben.

Seit 30 Jahren frönen die „Kloatscheeter“ dem Ritual, das Friedhelm „Fiete“ Albers einst aus seiner Heimat Nordhorn in der Grafschaft Bentheim ins Rheinland brachte. Dort ist „Kloatscheeten“, ebenso wie im angrenzenden Emsland, ein beliebter Volkssport.

Zwei Mannschaften versuchen dabei wechselweise ein vorher festgelegtes Ziel, das beispielsweise ein Baum, Verkehrsschild, Mast oder ähnliches sein kann, so schnell wie möglich mit dem „Kloat“ zu treffen. Die einzelnen Ziele liegen jeweils in Sichtweite entfernt. Der „Kloat“ wird gerollt oder geworfen.

Vier Zentimeter dicke, abgerundete Holzscheiben

Das Team, das als erstes das Ziel erreicht, erhält einen Spielpunkt, genannt „Schött“, und eine „Wirtschaft“ entsteht. Sprich: Der Inhalt des Bollerwagens kommt zum Einsatz. Ausgangs- und Endpunkt der Mertener „Kloatscheeter“ ist das Haus von Willi und Anita Göttling.

Dort trudelten die ersten der insgesamt 14 Teilnehmer der 30-Jahres-Tour am Samstag pünktlich um 13 Uhr ein. „Trotz unserer sportlichen Bemühungen steht das Gesellige eindeutig im Vordergrund“, sagt Willi Göttling, der Nachbarn, Freunde und Bekannte herzlich begrüßte. „In vier bis fünf Stunden treffen wir uns wieder hier, und dann gibt es Grünkohl mit Mettwürstchen und Speck statt mit Pinkel. Das gehört auch zur Tradition.“

Angesteckt vom „Kloatscheeten“-Virus wurden die Göttlings, als sie Friedhelm Albers 1988 in seiner Heimat besuchten und dort in den Volkssport eingeführt wurden. „Meine vier Brüder und ich sind mit 'Kloatscheeten' groß geworden“, berichtet Albers, der als Polizeibeamter 1980 nach Bonn kam, später nach Bornheim zog und Willi Göttling im Polizei-Sportverein kennenlernte. „Nach dem Besuch in der Grafschaft beschlossen wir, den Sport auch bei uns zu Hause auszuüben“, blickt Göttling zurück.

Vier Gründungsmitglieder machten den Anfang

Schnell trafen die vier Gründungsmitglieder des Clubs, zu denen neben den Göttlings und Albers auch Peter Stöckel gehörte, alle Vorbereitungen für die Saison, die traditionell zwischen Januar und März stattfindet. Original „Kloats“ aus der Grafschaft wurden besorgt, die Wegstrecke festgelegt und ein Bollerwagen in Auftrag gegeben, der von Albers‘ Cousin mit vielen praktischen Details inklusive Ersatzrad ausgestattet wurde. Am 7. Januar 1989 starteten die „Heeder Kloatscheeter“ ihre erste Tour, die seitdem unverändert ist. „Die Teilnehmerzahl lag in den letzten Jahren zwischen acht und 18“, berichtet Willi Göttling stolz.

Noch nie ist die Tour ausgefallen, obwohl es vor einigen Jahren tatsächlich einmal knapp wurde: Am Tag vor dem Treffen waren die „Kloats“ im Hause Göttling unauffindbar. „Aus der Not heraus habe ich dann selbst welche aus Holz geschnitzt. Die Ersatzscheiben haben allerdings nicht so gut funktioniert. Zwei Tage nach dem Treffen haben wir die 'Kloats' natürlich wiedergefunden. Seitdem fragt der ein oder andere Teilnehmer erstmal nach, ob das Material vorhanden ist.“

Auch Wind und Wetter konnten die „Heeder Kloatscheeter“ bisher noch nicht aufhalten. „Nur wenn es mal zu arg geregnet hat, haben wir ausnahmsweise eine Abkürzung genommen“, räumt Göttling ein. Am Samstag konnten die 14 Teilnehmer zumindest die ersten Ziele im Trockenen anvisieren und hatten sich nach Stunden an der frischen Luft den Grünkohl am Abend redlich verdient.