Radfahren in Bornheim

Bürgerradweg ist der Stadt zu teuer

An der L 300 in Höhe der Richard-Piel-Straße in Hersel endet zurzeit der Radweg.

An der L 300 in Höhe der Richard-Piel-Straße in Hersel endet zurzeit der Radweg.

BORNHEIM. Die Bornheimer Verwaltung will das Projekt für die L 300 in Hersel, Uedorf und Widdig nicht weiterverfolgen. Endgültig gestorben scheint das Vorhaben jedoch trotzdem nicht.

Kommt nun endgültig das Aus für den angestrebten Bürgerradweg zwischen Hersel, Uedorf und Widdig? Wenn es nach der Bornheimer Verwaltung geht, sollte das Projekt für die Strecke entlang der Landesstraße 300 aufgrund der hohen Kosten von 472 000 Euro, die dadurch auf Bornheim zukämen, nicht weiterverfolgt werden. So geht es aus dem Beschlussentwurf für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Dienstag, 4. Oktober, hervor.

Zwar schlägt die Verwaltung vor, stattdessen eine Aufnahme der 2,3 Kilometer langen Strecke zwischen Richard-Piel-Straße und der Haltestelle der Linie 16 in Widdig in das reguläre Programm für Radwege des Landesbetriebs Straßenbau NRW zu erwirken. Das würde aber bedeuten, dass der Radweg, der insgesamt rund 800 000 Euro kosten soll, erst Jahre später gebaut würde.

Dabei ziehen sich allein die Überlegungen zum Bürgerradweg bereits seit fünf Jahren hin. Im Frühjahr 2011 hatten die Ortsvorsteher von Uedorf und Widdig, Bernd Marx und Konrad Velten, eine Bewerbung für das entsprechende Modellprojekt angeregt.

Dieses soll laut dem NRW-Verkehrsministerium ermöglichen, Radwege an Landesstraßen unbürokratisch und zügig auch dann zu realisieren, wenn im normalen Bauprogramm kurzfristig keine Mittel zur Verfügung stehen. Die Bürgerradwege werden gemeinsam vom Landesbetrieb Straßenbau NRW, den beteiligten Kommunen sowie mithilfe engagierter Bürger realisiert. Gegenüber der üblichen Bauweise können sie mit reduziertem Standard und kostengünstig gebaut werden.

Genau an den Kosten hapert es jedoch. Die Stadt Bornheim war lange Zeit davon ausgegangen, dass sie lediglich die Planungskosten von rund 60 000 Euro übernimmt, und der kombinierte Geh- und Radweg selbst vom Land beziehungsweise vom Landesbetrieb Straßenbau NRW finanziert wird. Vergangenes Jahr war dann bekannt geworden, dass die Kosten für die Stadt deutlich höher ausfallen, da sich nach Angaben des Landesbetriebs die Rahmenbedingungen für das Projekt Bürgerradwege zwischenzeitlich geändert hatten.

Demnach läge der Zuschuss des Landes bei rund 388 000 Euro. Laut Vorlage der Verwaltung verbliebe für die Stadt ein Eigenanteil von 412 000 Euro. Zusammen mit den Planungskosten von 60 000 Euro müsste Bornheim somit voraussichtlich 472 000 Euro tragen.

Landesbetrieb verweist auf Sicherheitsanforderungen

Angesichts dieser hohen Kosten hatte der Stadtentwicklungsausschuss die Verwaltung vergangenen Sommer beauftragt, eine kostengünstigere Variante für den Bau eines Radweges entlang der L 300 zu prüfen. Ortsvorsteher und CDU-Ratsmitglied Bernd Marx legte im Oktober 2015 eine alternative Kostenschätzung eines Ingenieurbüros vor, das den Radweg für 350 000 Euro bauen würde.

Wie aus den Sitzungsunterlagen hervorgeht, planten die Ingenieure dabei mit einem Zweirichtungsradweg in einer Breite von zwei Metern und berücksichtigten keine Kosten für die Versickerung von Niederschlagswasser. Nach Auffassung des Landesbetriebs sollte von der Standardbreite von drei Metern aber nicht abgewichen werden, da es sich um einen gemeinsamen Geh- und Radweg handle, auf dem sich zwei Radfahrer und Fußgänger begegnen könnten. Zudem dürfe auf eine funktionierende Entwässerung nicht verzichtet werden, insbesondere da der Radweg im Wasserschutzgebiet Urfeld verlaufe.

Bernd Aulmann, Sprecher der Regionalniederlassung Ville-Eifel des Landesbetriebs Straßenbau NRW, verweist darauf, dass insbesondere alle Sicherheitsanforderungen eingehalten werden müssten und auch gewisse Standards, wenn der Landesbetrieb später die Straßenbaulast für den Weg übernehme. Eine alternative Aufnahme der Strecke ins reguläre Bauprogramm sei grundsätzlich möglich. „Dann würde der Radweg aber in weite Ferne rücken“, sagt Aulmann, da die Realisierung unter anderem von der Priorität sämtlicher Projekte auf der Liste abhänge.

Die Verwaltung geht dafür von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren aus. In diesem Fall würde der Landesbetrieb die Kosten laut Stadt für die Strecke außerorts (knapp zwei Kilometer) komplett übernehmen. Für den innerörtlichen Abschnitt (400 Meter) würden sich Landesbetrieb und Stadt die Kosten teilen.

„Von meiner Seite aus ist das Projekt Bürgerradweg noch nicht gestorben“, betont derweil Marx. „Ich wundere mich, dass sich der Landesbetrieb nicht mit der abgespeckten Version anfreunden kann“, verweist er darauf, dass die Bürgerradwege doch so konzipiert seien, dass sie mit reduzierten Standards gebaut würden.

Enttäuscht zeigte er sich, dass ein von ihm angeregtes Gespräch mit allen Beteiligten nie stattgefunden habe. Die CDU werde bei ihren Haushaltsberatungen erörtern, welche Priorität der Bürgerradweg für sie habe. Für den geplanten Radschnellweg zwischen Bornheim, Alfter und Bonn solle immerhin auch sehr viel Geld ausgegeben werden. Und eine Radverbindung entlang der L 300 wäre ein wichtiger Lückenschluss für eine durchgehende Radverbindung zwischen Köln und Bonn, meint Marx.