Wohnen für Studenten

Auf dem Herseler Collo-Areal entsteht ein Studentenhotel

Bornheim-Hersel. Die Immobilienfirma Bonafide will unter dem Namen „Campus Bornheim“ 264 Zimmer an der Linie 16 bauen. Der Kaufvertrag kommt aber erst zustande, wenn die Stadtverwaltung alle Genehmigungen erteilt hat.

Es soll ein richtiges Dorf für Studenten zum Wohnen und zum Arbeiten werden. Unter dem Namen „Campus Bornheim“ plant die Immobilienfirma Bonafide (lateinisch guten Glaubens) aus Monschau ein Studentenhotel mit 264 Zimmern am Bahnhof Hersel, wo die Stadtbahnlinie 16 zwischen Köln und Bonn verkehrt. Die Fläche, auf dem der Campus gebaut werden soll, ist nicht irgendeine. Es handelt sich bei dem Filetstück um das Areal der alteingesessenen Herseler Traditionsfirma Collo an der Simon-Arzt-Straße.

Lutz Irgel (83), Geschäftsführer des Unternehmens, das sich auf Putzmittel spezialisiert hat (siehe Infokasten), bestätigt im Gespräch mit dem General-Anzeiger die Pläne und dass dafür die Gebäude abgerissen werden sollen. Die Bornheimer Stadtverwaltung sowie Bonafide-Geschäftsführer Stefan Schepers dagegen wollten sich auf Anfrage des General-Anzeigers nicht zu dem Thema äußern.

Seit etwa drei Jahren denkt Irgel darüber nach, das Unternehmen zu verkleinern und sich an einem anderem Standort niederzulassen. Wo ist noch ungewiss. „Wir müssen nicht im Bornheimer Raum bleiben. Die Gewerbesteuer ist hier extrem hoch. Das ist nicht unbedingt ein Lockmittel“, sagt der Firmeninhaber und lehnt sich in seinem braunen Chesterfieldsessel zurück. Aktuell arbeiten bei Collo 20 Mitarbeiter, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 100.

Auch ein Waschsalon und ein Fahrradverleih sind vorgesehen

Motivation für das avisierte Studenten-Hotel ist laut der Internetseite des Investors der Wohnraummangel für Studierende in den beliebten Universitätsstädten Köln und Bonn sowie in ganz NRW. Vor allem Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen sind rar. Unter dem Link www.bonafide-immobilien.de/studentenhotel-campus-bornheim/ wird das Projekt detailliert beschrieben und beworben. Es liegen bereits Skizzen des Architekten Mark Feron vor, der ein dreigeschossiges Gebäude auf etwa 11 000 Quadratmetern mit einem „Innenherz“, wie er es in dem knapp vierminütigen Werbevideo nennt, errichten will.

Des Weiteren sind eine Sportanlage im Inneren des Campus geplant, eine Grünanlage, ein Waschsalon, ein Laden, der 24 Stunden pro Tag geöffnet hat, ein Fahrradverleih und ein Common Workspace, sprich ein Arbeitsplatz fürs gemeinsame Lernen. Im Video ist die Rede von „einem völlig neuen Lebensgefühl“. Vor allem die Nähe zum Bahnhof Hersel sei ein großer Vorteil.

Die Zimmer sollen den Studenten möbliert angeboten werden – mit einer kleinen Küche und Einbauschränken. Zum Investitionsvolumen wollte Schepers ebenfalls keine Angaben machen. Zwar nennt auch Irgel keine Verkaufssumme des Firmenareals, dafür räumt er aber ein, dass er die konkrete Zahl „bis auf den Cent genau“ kenne, die im Vertrag stehe.

Die Zimmer sollen möbliert angeboten werden

Wann der Campus realisiert wird, ist noch unklar, weil alles, wie Irgel sagt, von der Entscheidung der Stadt Bornheim abhänge. „Der Vertrag zwischen mir und Bonafide komme erst dann zustande, wenn die Verwaltung alle Genehmigungen erteilt hat und keine Einwände hat, dass ein solches Vorhaben in dem Gebiet realisiert wird“, erklärt Irgel und ergänzt, dass bei einem Nein der Stadt der Vertrag Ende 2019 für nichtig erklärt wird und die Collo an ihrem jetzigen Standort bleibt.

Gibt die Verwaltung grünes Licht, müssen auch die Wohncontainer auf dem Collo-Gelände, in denen zurzeit Flüchtlinge untergebracht sind, abgebaut werden. Laut Irgel gab es noch mal eine Verlängerung bis zum 31. Juli 2019. Seit etwa sechs Monaten stehen der Collo-Geschäftsführer und Schepers in Kontakt, der zufällig über einen Makler entstanden sei.

Die Pläne zu dem Studenten-Hotel gefallen Irgel, der gebürtig aus Berlin-Moabit kommt und seit mehr als fünf Jahrzehnten täglich von Sankt Augustin nach Hersel ins Büro fährt. Über einen möglichen Nachfolger hat sich der Betriebswirt auch schon Gedanken gemacht. „Meine Frau ist sehr daran interessiert, dass ich bald aufhöre. Mein Seelenheil ist nicht davon abhängig, wie es mit der Collo weiter geht“, gesteht Irgel. Seitens der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg gebe es bereits Anfragen von Dritten, die ins Unternehmen einsteigen wollen. Irgel lässt allerdings offen, ob er den Umzug noch selbst oder ein Kompagnon diesen delegiert.

Eines ist allerdings sicher: Nämlich, dass Collo auf der Suche nach einem Partner ist, der ein besonderes Papier namens „Lithpap“ vertreiben soll – angedacht als Tapete für Klassenräume. Das Besondere an dem Produkt: Handschriftliche Notizen lassen sich mit einem nassen Schwamm einfach wegwischen.