Ein Herz für Bullis

Alte VW-Busse sind die Leidenschaft von Karl Wölfinger

Seit 1979 betreibt der 76-jährige Karl Wölfinger seine Autowerkstatt an der Königstraße. FOTO: HERMES

Seit 1979 betreibt der 76-jährige Karl Wölfinger seine Autowerkstatt an der Königstraße.

BORNHEIM. "Ich kenne Leute, die sagen, das war schon immer mein Traum. Die kaufen sich dann so was. Oder auch junge Leute. Aber bei denen ist das ja Kult", erzählt Karl Wölfinger, während er unter einem 30 Jahre alten VW-Bus, Modell T3, steht und die Ölwanne abschraubt. Inzwischen arbeitet er schon seit einem halben Jahrhundert als das, was man früher Autoschlosser nannte.

Dabei wollte sich der 1939 in Bonn geborene Karl Wölfinger bei der Post zum Ingenieur ausbilden lassen. Doch nach zweijähriger Lehrzeit starb sein Vater, und der damals 17-Jährige musste seinen Teil zum Lebensunterhalt der Mutter und seiner 13 Jahre jüngeren Schwester beitragen. Und so konnte er sich 1968 seine Urkunde zum Kfz-Meister einrahmen lassen, die er wenige Jahre später in seiner eigenen 80 Quadratmeter kleinen Werkstatt am Anfang der Bornheimer Königstraße aufhängte.

Zuvor hatte er schon zehn Jahre im Wechsel zwischen Landwirtschaft und Autoreparatur auf dem Hof seines Schwiegervaters Franz Frings in Bornheim gearbeitet, bis er in der ehemaligen Schreinerei gegenüber dem Beethoven-Stift seine Autowerkstatt einrichtete.

Während für die Liebhaber des inzwischen zum Kultauto gewordenen VW-Bullis der Blick durch den Zaun auf das 1000 Quadratmeter große Gelände das Herz höher schlagen lässt, wird manch Unwissender die Ansammlung der dort dicht an dicht stehenden, meist auf Restaurierung wartenden VW-Busse als "Schrottplatz" bezeichnen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Auch wenn sich die Berufsbezeichnung von Karl Wölfinger innerhalb der letzten 50 Jahre von Autoschlosser zu Mechatroniker wandelte, blieb er der puren Mechanik des Autos treu. Zu ihm pilgern heute vorzugsweise die Besitzer der immer rarer werdenden VW-Busse, die im Heck noch mit dem Boxermotor des Käfers angetrieben werden.

Heinrich Nordhoff, Generaldirektor der Volkswagenwerke in Wolfsburg, ließ den VW-Bulli in nur zwei Jahren auf der Basis des VW-Käfers entwickeln. 1950 lief dann der erste 25 PS starke Transporter vom Band. Er sollte zum Welterfolg werden. Der Bedarf in der Nachkriegszeit war groß. Für das Kleingewerbe, die Kohlenhändler, Bäcker, Metzger und Schreiner gab es bis dahin nur den dreirädrigen Goliath. Mit dem wendigen VW-Bus kam plötzlich ein preiswertes und vielseitig verwendbares Fahrzeug mit Ladefläche oder Transportraum auf den Markt. Bereits Ende der 50er Jahre entwickelte sich der zunächst ausschließlich für den amerikanischen Markt gebaute Campingbus zum Verkaufsschlager. Zwei Millionen Exemplare davon waren 1968 schon gebaut, als das mit Love- und Peace-Symbolen bemalte Auto auf dem Woodstock-Festival zu einem Symbol der Flower-Power-Bewegung wurde.

Mit seinen Ecken und Kanten, ohne ABS, EPS und Airbags, mit den unverwechselbaren Geräuschen seiner Schiebetür und den zurückschnellenden Pedalen hat der VW-Bus den Kultstatus seit dieser Zeit bis heute nicht verloren. "Wenn sie heute einem Mechatroniker so ein Auto in die Hand geben, wissen die kaum noch, wie die Haube aufgeht", meint Karl Wölfinger, der auch bei Autohäusern als Geheimtipp gehandelt wird, wenn es darum geht, den Zündzeitpunkt eines Oldies einzustellen. "Ohne Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung ist da nichts zu machen", sagt der 76-Jährige, der noch lange nicht ans Aufhören denkt.