"Auf Lombok müssen wir helfen"

22-jährige Bornheimerin erlebt Erdbeben in Indonesien

Bali/Bornheim. Die 22-jährige Lea Richter aus Bornheim erlebte das schwere Erdbeben in Indonesien mit. Nun unterstützt sie die Opfer vor Ort.

Für die Menschen in Bornheim und der gesamten Region ist das Erdbeben auf der indonesischen Ferieninsel Lombok sehr weit weg. Für Lea Richter aus Bornheim war es allerdings sehr nah. Auf der kleinen Nachbarinsel Gili Trawangan hat die 22-Jährige die Katastrophe am eigenen Leib erfahren. Seitdem tut sie, was sie kann, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Wie berichtet, hat am 5. August ein Beben der Stärke 6,9 das Gebiet um die Insel Lombok erschüttert. Behördenvertreter sprechen von rund 380 Toten und Zehntausenden Verletzten, Huntertausende Menschen sollen obdachlos sein. Bereits Ende Juli hatte die Erde mit einer Stärke von 6,4 gebebt, nach dem 5. August hatte es viele Nachbeben gegeben. Auch dadurch wurden viele Häuser zerstört. Auf Gili Trawangan waren die Erschütterungen ebenfalls zu spüren.

Das Gespräch mit Richter erfolgt mittels Sprachmitteilungen über den Nachrichtendienst Whatsapp. Aktuell befindet sich die junge Frau, die 2014 ihr Abitur am Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium machte, auf der indonesischen Insel Bali. „Einen Tag vor dem Erdbeben am 5. August bin ich auf Gili Trawangan angekommen, um Freunde zu besuchen“, erklärt sie. Die 22-Jährige kennt die Insel von früher. Nach dem Abitur lebte sie zweieinhalb Jahre auf der Insel, um dort als ausgebildete Tauchlehrerin zu arbeiten.

Zerstörte Häuser

Mittlerweile studiert sie Tourismusmanagement in den Niederlanden. An dem Abend, als die Erde bebte, saß Richter mit ein paar Freunden im zweiten Stock eines Gebäudes beim Essen. Eine Freundin feierte ihren Geburtstag. „In dem Moment, als das Essen kam, fing es an“, berichtet sie. Alles habe sich bewegt. „Die ganze Etage hat gewackelt“, so Richter. Sofort sei der Strom ausgefallen. Ihre Freunde und sie tasteten sich aus dem Gebäude. Sie sei so heftig durchgeschüttelt worden, dass sie hingefallen sei, berichtet die Bornheimerin weiter: „Ich bin aber mit ein paar blauen Flecken und einem Schock davongekommen.“

Die Gruppe um Richter begab sich zum Strand – zu der Tauchschule, in der sie früher gearbeitet hatte. Viele Menschen seien aus Angst vor einem Tsunami auf einen kleinen Hügel gegangen, so Richter. Ihre Gruppe sei am Strand geblieben. Aus Angst vor herunterfallenden Dingen hätten sie die erste Nacht und dann weitere Nächte unter freiem Himmel geschlafen.

Auch auf Gili Trawangan seien Häuser zerstört worden, erläutert Richter. Das sei aber nichts im Vergleich zur Nachbarinsel Lombok. „Dort sind viele Dörfer zerstört“, sagt sie. Auch sei es schwierig, Hilfsmittel zu den Menschen zu bringen, da auch viele Straßen kaputt oder zugeschüttet seien. „Auf Lombok müssen wir helfen“, sagt Richter. Mit „wir“ meint sie Menschen aus Europa und den USA, die eine Zeit lang auf Gili Trawangan leben und arbeiten.

Richter auf Bali

„Wir kennen uns seit Jahren und waren schon vor dem Beben eine unglaublich gute Gemeinschaft“, so Richter. In den ersten Tagen nach dem schweren Beben haben Richter und ihre Freunde in der Tauchschule ein Lager mit ärztlichen Versorgungsmöglichkeiten aufgebaut. Es wurde für Erdbebenopfer gekocht, Ärzte, die auf der Insel ihren Urlaub verbrachten, boten Hilfe an.

Mittlerweile ist Richter mit einigen Freunden auf Bali. Dort versuchen sie Essen, Wasser, Kleidung und Medizinprodukte zu organisieren, die dann mit Booten nach Lombok gebracht werden. Weitere Freunde und Bekannte würden die Sachen zu den Notleidenden bringen, erläutert sie. „Das ist zum Großteil privat organisiert. Boote, die sonst Touristen fahren, werden nun genutzt, um Hilfsgüter dahin zu bringen.“

Laut Richter braucht das Katastrophengebiet noch viel mehr Hilfe. Sie selbst hat über den Bezahldienst Paypal unter der Adresse lea.s.richter@gmail.com ein Spendenkonto eingerichtet. Bekannte von ihr haben die Spendenseite gofundme.com ins Leben gerufen. „Mit den Spenden können wir Lebensmittel für die Menschen auf Lombok besorgen“, erklärt Richter. Ebenso sei es wichtig, dass auf Lombok der Tourismus wieder in Gang komme. Dieser sei für die Menschen auf der Insel die Haupteinnahmequelle, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Eigentlich wollte Richter Ende August zurück nach Europa kommen. „Wie es für mich weitergeht, ist noch unklar“, sagt sie. „Im Moment werde ich gebraucht. Und solange ich gebraucht werde, bleibe ich hier.“