Wasserqualität in Bornheim

„Kläranlagen müssen aufgerüstet werden“

Im Wasserwerk Eichenkamp: Hans-Christian Markert (links), Umwelt-, Verbraucher- und Atompolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, informiert sich. FOTO: GRÜNE

Im Wasserwerk Eichenkamp: Hans-Christian Markert (links), Umwelt-, Verbraucher- und Atompolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, informiert sich. FOTO: GRÜNE

Bornheim. Hans-Christian Markert, Landtagsabgeordneter der Grünen, fordert bei seinem Besuch in Bornheim weniger Mikroplastik in Gewässern. Der Erftverband hat bereits einen ersten Versuch zur Verbesserung der Wasserqualität gestartet.

Flüsse und Meere müssen sauberer werden. Verschmutzungen durch Nitrate und Mikroplastik sollen bald der Vergangenheit angehören. Das machte Hans-Christian Markert, Umwelt-, Verbraucher- und Atompolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, bei seinem Vortrag zum Thema „Wasser“ im dazu passend gewählten Breniger Wasserturm deutlich. Zuvor besuchte er auf Einladung des Ortsverbands der Bornheimer Grünen Wasserwerk Eichenkamp.

Seit Januar tourt der 47-Jährige durch Nordrhein-Westfalen, um Parteifreunde und Bürger vor dem Hintergrund des anstehenden neuen NRW-Wassergesetzes auf die vielfältigen Verunreinigungen aufmerksam zu machen.

„Wasser ist unser wichtigstes und das am besten kontrollierte Lebensmittel. Zugleich ist es jedoch durch menschliche Verschwendung, durch die industrielle Landwirtschaft mit ihren giftigen Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten-Rückstände, die sich als Mikroplastik im Wasser befinden, gefährdet. Wasserkrisen sind das größte gesellschaftliche und ökonomische Risiko der kommenden zehn Jahre“, betonte Markert und appellierte an seine Parteifreunde, dem Thema Wasser und Gewässerschutz künftig denselben Stellenwert einzuräumen wie dem Bereich Energie.

Der Landtagsabgeordnete machte die Dringlichkeit einer verbesserten Wasserqualität immer wieder deutlich. Denn nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die im Oktober 2000 verabschiedet wurde, sollen Grund- und Oberflächengewässer in Hinsicht auf Chemie und Morphologie – Struktur des Wassers – spätestens bis 2027 in einen „guten ökologischen Zustand“ gebracht werden. Terminiert war ursprünglich das Jahr 2015.

Heftig kritisierte Markert die Bundesregierung, dass „ein Land wie Deutschland es nicht geschafft hat, die Kriterien der EU bis Ende 2015 zu erfüllen“. Besonders die Nitratbelastung sei weiterhin ein großes Problem. Markert sprach in dem Zusammenhang ganz im Sinne der EU-Kommission, die Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastung von Gewässern erst Ende April vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt hat.

90 Prozent der Gewässer in NRW entsprächen nicht den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie und seien in „keinem guten ökologischen Zustand“. Die große Nutzung der Oberflächengewässer wie Rhein, Weser, Wupper und Ruhr als Reservoir der Trinkwassergewinnung (60 Prozent) weise auf die Bedeutung des Elements hin. Für den Fachmann aus dem Rhein-Kreis Neuss ist es deshalb dringend geboten, zügig gegen Verunreinigungen aller Art vorzugehen. Einen besonderen Fokus legte er auf die durch die industrielle Landwirtschaft hervorgerufenen Umweltschäden.

Einsatz von Aktivkohle kann Mikroplastik binden

So sei dem Problem Gülle mit einer Stickstoff/Gülle-Abgabe vehement entgegenzutreten. Die Folgen einer intensiven Landwirtschaft dokumentierten, so Markert, allein in NRW 140 000 Tonnen Stickstoff (Gülle/Festmist) und 205 000 Tonnen mineralische Düngemittel, die jährlich anfallen. Markert bezog sich auf die Zahlen des Landesumweltministeriums aus dem Jahr 2014.

Eine „ambitionierte Düngeverordnung sowie eine strengere Flächenbindung“ könnten Abhilfe schaffen. Sorgen bereiten dem Grünen-Politiker aber auch die Millionen kleinster Kunststoffpartikel, die sich überall in Gewässern nachweisen lassen. Dazu gehören neben Medikamenten-Rückständen auch Kleinstteilchen von Shampoos und Zahnpasten. Produzenten und Konsumenten müssten „endlich ein anderes Konsumverhalten entwickeln“.

Mikroplastik gelange in der Regel durch Haushaltsabwässer in die Kläranlagen und von dort wieder zu einem hohen Prozentsatz in fließende Gewässer wie in Sechtem in den Mühlenbach, in Hersel in den Rhein und in Bornheim in den Bornheimer Bach.

Da die Kläranlagen solche Mikroteilchen bisher nicht herausfiltern können, müssten sie mit einer vierten Klärstufe aufgerüstet werden. So könnte unter anderem der Einsatz von Aktivkohle Mikroplastik binden. Ob die Mikroteilchen im Wesentlichen aus den Haushaltsabwässern kommt, ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen.

„Wir werden die diesbezüglichen Diskussionen gut beobachten, denn wir brauchen belastbare Ergebnisse“, sagte Luise Bollig, Pressesprecherin des Erftverbandes, der Kläranlagen in Bornheim, Sechtem und Hersel betreibt, auf Anfrage des General-Anzeigers. Einen ersten Versuch zur Verbesserung seiner Anlage in Bergheim-Glessen hat der Erftverband bereits gestartet. Dort wurde eine „Membranbelebungsanlage“ eingebaut, deren Filter sämtliche Feststoffe, Viren und Krankheitserreger aussondern.