Initiative Inklusiver Arbeitsmarkt

Ziel ist ein großes Netzwerk

ALFTER. Wege aus der Arbeitslosigkeit sind schon schwierig genug. Kommt eine Behinderung dazu, wird es kompliziert. Die "Initiative Inklusiver Arbeitsmarkt Alfter" will es daher für Arbeitnehmer und Arbeitgeber leichter machen, in der Gemeinde Alfter in einem Beschäftigungsverhältnis zueinanderzufinden.

Das Konzept für den Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerks haben die Freien Wähler und ihr Mitglied Marie Hartung erarbeitet, die sehr genau weiß: "Es gibt zwar viele Unterstützungsmöglichkeiten, aber es kostet viel Zeit, in einem schier unübersichtlichen institutionellen Angebot den richtigen Ansprechpartner für das individuelle Anliegen zu finden."

Hartung arbeitet zurzeit noch als Fachberaterin beim Integrationsfachdienst Bonn/Rhein-Sieg des Landschaftsverbandes Rheinland in Bonn. Dieser kümmert sich um die Vermittlung und Sicherung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Schwerbehinderung und unterstützt junge Menschen mit Behinderung beim Übergang von der Schule in den Beruf. Beim Fachdienst betreut die 64-Jährige auch die Gemeinde Alfter, in der sie selbst wohnt. Darüber hinaus engagiert sie sich als stellvertretende sachkundige Bürgerin für die Freien Wähler im Ausschuss für Bildung, Generationen, Sport, Soziales, Inklusion und Kultur.

Ende des Jahres geht Hartung in den Ruhestand - was jedoch alles andere als sang- und klanglos geschehen soll. Vielmehr will sie mit dem Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerkes für ihren Wohnort ihr Fachwissen und die Kenntnisse über die Verhältnisse und Menschen in ihrem Wohnort nutzen, um Anstöße für den örtlichen Arbeitsmarkt zu geben.

Schon jetzt baut Hartung daher gemeinsam mit einem Team von den Freien Wählern die "Initiative Inklusiver Arbeitsmarkt Alfter" auf, für die Bürgermeister Rolf Schumacher nach eigenen Angaben gern die Schirmherrschaft übernommen hat. Die Initiative arbeitet bewusst unabhängig und überparteilich, wie Bolko von Schweinitz, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Alfterer Gemeinderat, erläutert.

"Uns ist es wichtig, dass die Arbeit unabhängig von jeglicher politischer Bindung erfolgt", sagt er. "Inklusion eignet sich nicht für Parteipolitik, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe." Hartung beschreibt ihre ehrenamtliche Aufgabe so: "Ich übernehme die Funktion eines Lotsen für Alfter durch den Dschungel institutioneller Zuständigkeiten." Sie will Antworten auf Fragen geben, die sich immer wieder stellen: Wie findet ein Betrieb den passenden Bewerber für eine Stelle? Wo können Fördermittel für die Einstellung, für Lohnkosten, die Ausstattung des Arbeitsplatzes oder Jobcoaching beantragt werden? Welche Behörden und Einrichtungen sind dafür zuständig? Das Angebot wendet sich an Arbeitgeber, Arbeitsuchende mit Schwerbehinderung und Familien mit jugendlichen Kindern mit Schwerbehinderung.

"Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung ist doppelt so hoch wie bei nichtbehinderten Menschen", erläutert Hartung. Ihr Ziel ist es deshalb, ein selbstverständliches Nebeneinander von unterschiedlichen Menschen auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anzustoßen und in der Gemeinde Alfter zu etablieren.

Bei einem ersten Informationsabend, der morgen Abend ansteht (siehe Kasten), hofft die Initiative auch darauf, weitere Mitwirkende für die Bildung einer Arbeitsgruppe zu gewinnen. Sie könnte sich für die Suche nach Praktikumsplätzen, für die Vernetzung mit Förderschulen, die Übernahme von Patenschaften und Kontakte zu Betrieben einsetzen, damit sich das Netzwerk für inklusive Arbeitsplätze in Alfter auf Dauer festigt.