Elektrifizierung der S 23 notwendig

Züge sollen mit Strom fahren

Reisende steigen in einen Zug der S 23 am Bahnhof Rheinbach.

Reisende steigen in einen Zug der S 23 am Bahnhof Rheinbach.

08.12.2015 Rhein-Sieg-Kreis/Bonn. An der Elektrifizierung der Voreifelstrecke führt kein Weg vorbei. Das machten Verkehrspolitiker aus der Region sowie Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland, bei einem Gespräch im Bonner Hauptbahnhof am Dienstag erneut deutlich

Laut Sedlaczek sei die Elektrifizierung der Strecke zwischen Bonn und Euskirchen der einzige Weg, die Fahrtzeiten der S 23 wieder zu verkürzen. Der Bonner Grünen-Politiker Rolf Beu ergänzte, das sei die einzige Möglichkeit, spurtstärkere Züge auf der Verbindung einzusetzen.

Wie berichtet, hatte der NVR infolge verschiedener politischer Initiativen im Sommer eine Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung der Voreifelstrecke sowie der Eifelstrecke (von Köln über Euskirchen nach Trier) in Auftrag gegeben.

Zugleich ist die Studie auch eine Reaktion auf die anhaltende Kritik von Passagieren über die Verspätungen und Ausfälle auf der Voreifel- sowie auf der Eifelstrecke. Seit Längerem hat die Deutsche Bahn (DB) als Betreiber der Strecken im sogenannten Kölner Dieselnetz mit verschiedenen Problemen zu kämpfen - vor allem mit den Zügen vom Typ Coradia Lint. "Alle Projektpartner haben sehr stark an den Problemen gearbeitet", sagte Sedlaczek. Auf der Voreifelstrecke habe sich die Situation stark verbessert, die Eifelstrecke sei hingegen noch problematisch.

Wie die Verbindungen auf der Eifelstrecke wird auch die auf der Voreifelstrecke fahrende S 23 von der DB Regio NRW betrieben. Für die S 23 hatte Dirk Helfert, Leiter Verkehrsbetrieb Rheinland der DB Regio NRW, am Dienstag frisches Zahlenmaterial mitgebracht. So liegen seinen Angaben zufolge in den bisher abgelaufenen Wochen des Jahres 2015 97,2 Prozent der Züge auf der Voreifelstrecke innerhalb der 5-Minuten-Pünktlichkeitsgrenze.

Die Durchschnittsverspätung liege bei knapp einer Minute, die Zugausfallquote wiederum bei 2,8 Prozent, wovon allerdings ein nicht unerheblicher Teil durch Streiks in diesem Jahr bedingt sei, so Helfert weiter. Zugleich berichtete er von weiteren technischen Nachbesserungen an den Zügen. So konnten durch eine neue Software für die Fahrzeuge die oft kritisierten langen Haltezeiten weiter verkürzt werden.

Überdies seien gerade zwölf neue Getriebe in verschiedene Züge eingebaut worden. Sollten sie sich bewähren, würden alle Fahrzeuge damit ausgestattet. Schließlich stellte Helfert die Änderungen im S 23-Fahrplan vor, die ab dem Fahrplanwechsel am Sonntag gelten: So werden die Züge, die nur zwischen Bonn und Rheinbach verkehren, von montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit probeweise auf Bedarf am Haltepunkt Meckenheim-Kottenforst halten.

Im Abschnitt zwischen Bonn und Alfter-Witterschlick wird in der Hauptverkehrszeit zudem wieder ein sauberer 15-Minuten-Takt gefahren, zwischen Witterschlick und Rheinbach ein 14/16-Minuten-Takt. Insgesamt soll sich die Fahrtzeit zwischen Bonn und Euskirchen nach Angaben der Bahn um eine Minute verkürzen. Zudem gibt es samstags eine zusätzliche Verbindung von Bonn nach Euskirchen (Abfahrt 20.43 Uhr). Allerdings entfällt künftig die Verbindung samstags um 8.38 Uhr ab Bonn.

Oliver Krauß, CDU-Politiker aus Alfter, lobte die Bemühungen der Bahn zur Verbesserung der Zustände auf der Voreifelstrecke. Man sei auf dem Weg in Richtung der alten Qualität der Linie, sagte er mit Blick darauf, dass die Verbindung vor einigen Jahren die pünktlichste in NRW war. Allerdings seien die bisherigen Verbesserungen nur der erste Schritt, betonte Krauß. Wie Beu ist er Mitglied der NVR-Zweckverbandsversammlung - ebenso wie Dietmar Tendler, SPD-Politiker aus Eitorf. Dieser fügte hinzu, dass die Bahn weiter an ihrer Informationspolitik bei Verspätungen und Ausfällen arbeiten müsse.

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) ist der Dachverband des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) und des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS). Er wurde Mitte Dezember 2007 gegründet und nahm mit Beginn des Jahres 2008 seine Arbeit auf.

Der NVR ist zum einen für die Bereitstellung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Rheinland verantwortlich, also für Regionalbahnen, Regionalexpresse und die S-Bahnen. Zum anderen obliegt dem NVR die Investitionsförderung von Maßnahmen im gesamten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und im SPNV. Der NVR prüft die beantragten Maßnahmen und gibt im positiven Fall Geld (90 Prozent der förderfähigen Kosten der beantragten Maßnahme) vom Land beziehungsweise dem Bund weiter.

Der NVR hat seinen Sitz in Köln. Weitere Zweckverbände in NRW sind der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). (Christoph Meurer)