Archäologische Ausgrabungen

Witterschlick und die Römer-Zeit

ALFTER-WITTERSCHLICK. Der Müll ist römisch. Also historisch. Und wird säuberlich beschriftet eingetütet. Es sind vor allem Keramikscherben, Nägel, Dachziegel. Spektakuläre Fundstücke hat die archäologische Sicherung auf dem Erweiterungsgelände der Quarzwerke Witterschlick nicht zutage gefördert.

"Lediglich die Überreste von Hufeisen sind außergewöhnlich. Denn Hufeisen wurden von den Römern wenig genutzt", berichtet Dáire Leahy. Der Archäologe von der Firma Goldschmidt aus Düren leitet seit Ende Mai im Auftrag der Quarzwerke die Grabungen, die vor der Nutzung des Geländes vom Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland vorgeschrieben wurden.

Anhand von Keramikfunden weiß man bereits seit den 60er und 70er Jahren, dass es auch an der Schmalen Allee in Witterschlick römisches Leben gegeben haben muss. Eine Voruntersuchung im Jahr 2009 hat die Örtlichkeit im 15 Hektar großen Erweiterungsgelände der Quarzwerke näher eingegrenzt. Inzwischen ist die archäologische Sicherung von einem Hektar abgeschlossen, zwei weitere Hektar stehen noch an. Doch auf eine römische Villa ist man bei den aktuellen Arbeiten nicht gestoßen. "Das untersuchte Gebiet liegt bloß im Randbereich einer Ansiedlung. Die Befunde deuten teils auf Müllgruben hin", erläutert Leahy. Darüber hinaus entdeckte man viele Pfostenlöcher. "Doch ob dort tatsächlich Gebäude gestanden haben, ist nicht deutlich geworden." Vielleicht sehe man später klarer, wenn alle Fundstücke ausgewertet sind.

Dazu gehören Teile eines Mühlsteins und einer Öllampe, rostige Schlüssel und vor allem Keramik. Rund 2000 Scherben haben die Archäologen eingesammelt, die später zusammen mit den übrigen Stücken dem Rheinisches Landesmuseum Bonn zur Aufbewahrung übergeben werden. Sie stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus und werden für die Dokumentation nummeriert, gewaschen, fotografiert, gezeichnet und beschrieben. Von den Dachziegeln hat man nur einige Exemplare gesichert, denn davon gibt es im Rheinland jede Menge.

Die Suche ist für die 14 eingesetzten Mitarbeiter der Firma Goldschmidt überwiegend Handarbeit im Erdreich, von dem zuvor 30 bis 40 Zentimeter Mutterboden abgetragen wurden. Dann lassen sich Verfärbungen als Hinweise auf menschliches Wirken erkennen und die Fachleute kratzen mit einer Kelle nach Befundstücken. Putzen nennen die Archäologen diese Tätigkeit. Manchmal greifen sie auch zum Spaten, um eine Stelle tiefer und großflächiger zu untersuchen. So wurden auch Fahrspuren einer römischen Karre entdeckt und ein Graben, von dem man allerdings nicht weiß, ob er einer Grundstücksabgrenzung oder der Entwässerung diente.

Für Nicola Lindemann-Berk, die gemeinsam mit Martin Ziegler die Geschäftsführung der Quarzwerke Witterschlick verantwortet, ist die Begleitung der archäologischen Sicherung eine spannende Premiere. Regelmäßig schaut die Diplom-Ingenieurin nach dem Fortschritt der Arbeiten. Sie sind eine Voraussetzung für die Nutzung des Erweiterungsgeländes. Es wird die Betriebsfläche der Quarzwerke von derzeit 44 Hektar um 15 Hektar vergrößern. Seit dem Frühjahr dieses Jahres liegt dafür der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Arnsberg vor. Zuvor hatte der Regionalrat der Bezirksregierung Köln im Jahr 2012 Witterschlick als Konzentrationszone für den Quarzabbau festgelegt.

Zunächst sind auf dem Erweiterungsareal neue Lagerflächen für Kies geplant, weil auf den alten Lagerflächen die Wechselkröte ihr Zuhause bekommen soll. Im übrigen Erweiterungsbereich soll innerhalb der nächsten drei Jahre auf einer drei Hektar großen Teilfläche erst der Grubenkies abgebaut werden, der über den Quarzkiesschichten liegt. Die Gewinnung von hochreinen Quarzsanden und Quarzkiesen im Nassverfahren erfolgt in Witterschlick seit 1969. Die Rohstoffe werden zu Spezialprodukten aufbereitet und finden vor allem in der Wasserversorgung Verwendung.