Der Vorgebirgsrebell

Wilhelm Mauchers Friedensbotschaft bleibt aktuell

Alfter/Roisdorf. Er hat sich entscheiden für Recht und Gerechtigkeit und gegen Gewalt und Armut eingesetzt: Vor 40 Jahren legte der Vorgebirgsrebell Wilhelm Maucher den Friedensweg in Alfter an.

Die Botschaften auf den zehn Steinen sind noch immer aktuell: „Von Atom- und Neutronen-Bomben befreiet uns“, ist auf ihnen zu lesen. Oder auch: „Von Auf- und Wettrüsten erlöset uns“, „Von Arbeitslosigkeit und Aussperrung errettet uns“, „Von Unrechtsgesetzen und Unrechtsjustiz erlöset uns“ sowie „Vor Milliarden-Steuerverschwendung bewahret uns“.

Unweigerlich muss der Leser an die aktuelle Weltpolitik denken; an Demogagen und Populisten in Amerika oder dem Nahen Osten, an den milliardenfachen Steuerbetrug mit Aktien-Scheingeschäften (Cum-Ex) in Deutschland oder an die Ankündigung der USA, das INF-Abrüstungsabkommen über nukleare Mittelstreckenraketen mit Russland aufzukündigen. Doch die Steine, die an einem Fußweg oberhalb von Alfter-Ort liegen, sind bereits 40 Jahre alt.

„Mögen diese zehn Gebote zum Mahnmal für alle diejenigen werden, die zu gleichgültig oder zu feige sind, den Kampf für Recht und Gerechtigkeit zu führen.“ In seinen Lebenserinnerungen hat Wilhelm Maucher, der Vorgebirgsrebell, die Idee für die Anlage seines Friedenswegs dargelegt. Vor 40 Jahren, im Jahr 1978, hatte der damals 75-jährige Maucher die Steine auf seinem Grundstück unterhalb des Heimatsblicks an der Grenze zwischen Alfter und Roisdorf verlegen lassen. 1945 hatte er dort bereits eine vom Poppelsdorfer Bildhauer Jakobus Linden geschaffene Christusstatue mit weit geöffneten Armen aufstellen lassen – „zum Dank für die Errettung aus Kriegsnöten“, wie Günter Benz erläutert.

Benz ist Sprecher der Arbeitsgruppe „Friedensweg“ innerhalb des Fördervereins Haus der Alfterer Geschichte. Zusammen mit dem Motorradclub „Kuhle Wampe“, dem Pfadfinderstamm Martin Bucer aus Bonn sowie anderen Freiwilligen kümmert sich der Arbeitskreis um die Pflege und den Erhalt der Anlage. Zudem arbeitet der Förderverein das Leben und Wirken Mauchers auf, unter anderem mit einem 2011 erschienenen Buch. „Grundlage war die Schrift, die Maucher zu seinem 75. Geburtstag herausgegeben hatte“, sagt Benz. Man habe dann weiter geforscht und die Aussagen Mauchers anderen Quellen und Berichten gegenübergestellt.

Zurück zu den Steinen, die am Aufgang zur Christusstatue neben akkurat geschnittenen Hecken liegen. Einige der Botschaften auf den Steinen muteten heutzutage ein wenig komisch an, meint Benz. Er verweist auf Stein Nummer acht. Auf diesem steht: „Anstatt Strafen nur noch Umerziehung, Besserung und Wiedergutmachung bescheret uns“. Das verstehe man nur, wenn man die Hintergründe um Mauchers Erfahrungen im Dritten Reich kenne. Als damals schon radikaler Pazifist habe Maucher viel Glück in der Nazizeit gehabt, so Benz. Immer wieder habe jemand schützend die Hand über ihn gehalten.

Heute wird das Andenken an Maucher in Ehren gehalten. Vor 40 Jahren war er als umtriebiger und streitlustiger Friedensaktivist umstritten. So weiß Benz zu berichten, dass die Steine – die zunächst aufrecht standen – bereits kurz nach ihrer Aufstellung 1978 von Unbekannten umgestürzt wurden. Maucher sei dann mit Helfern gekommen, um sie wieder aufzustellen. „Maucher war sehr polarisierend. Er hatte es in Alfter nicht leicht“, so Benz. Für ihn ist das Gedenken an Maucher und die Pflege des Friedenswegs eine Herzensangelegenheit.

Die Menschheit habe einen großen Friedenswillen, er komme aus der Friedensbewegung der 70er und 80er Jahre, erläutert Benz. Damals sei die Angst vor einem Krieg allgegenwärtig gewesen. Er selbst habe den 1993 gestorbenen Maucher nicht mehr persönlich kennengelernt, sagt Benz. Die Arbeit zur Erinnerung an Maucher ist noch nicht beendet. Aktuell seien die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Friedensweg“ auf der Suche nach zwei besonderen, jedoch verschollenen Erinnerungsstücken. Laut Benz hat Maucher zum 90. Geburtstag Abrüstungsschrott einer SS 20-Rakete geschenkt bekommen. Nicht nur dessen Verbleib will Benz klären: „Ein handsigniertes Bild von Gorbatschow suchen wir auch noch.“