„Käpt’n Book“ im Vorgebirge

Wenn Balduin rot sieht

Bornheim/Alfter. Das Rheinische Lesefest „Käpt’n Book“ macht im Vorgebirge Station. Fritzi Bender und Brigitte Schär begeistern Schüler in Witterschlick und Sechtem.

Allein die neun Veranstaltungen in Bornheim und vier Lesungen in Alfter lassen erkennen, dass aus dem 2003 in Bonn erstmals stattgefundenen Rheinischen Lesefest „Käpt’n Book“ inzwischen das wohl größte Lesefestival für Kinder und junge Erwachsene in Deutschland geworden ist. Noch bis Sonntag, 15. Oktober, dauert das zweiwöchige Spektakel.

„Wieso steht mein Name denn auf dem Buch drauf?“, fragt Fritzi Bender die etwa 50 Mädchen und Jungen der Witterschlicker Gemeinschaftsgrundschule in der Aula. „Weil du die Geschichte erfunden hast“, schallt es ihr entgegen. Schnell wird deutlich, dass die Bochumer Autorin die Sprache der Kinder spricht. Und sie bringt ihre Kunst nicht nur als Geschichten zu Papier, sondern setzt sie auch auf spielerische Weise als Kabarettistin, Sängerin, Klinikclownin und Puppenspielerin um.

Vom ersten Moment an sind die Erstklässler in ihren Bann gezogen, sodass ihre pantomimisch und akustisch unterlegten Erklärungen sicher noch lange in den Köpfen der jungen Zuschauer bleiben werden. Kaum eine Frage, die von den Kindern beantwortet wird, die sie nicht zu loben weiß. Das macht Mut, und plötzlich sind alle mitten in der Geschichte von Balduin, dem Chamäleon. Drei Bücher rund um ihren Protagonisten hat Bender, Jahrgang 1972, schon veröffentlicht. Mal macht Balduin blau, mal sieht er rot und ein anderes Mal bleibt er grün. In Witterschlick sah er rot und erlebte damit, wie Wut entsteht und wie man damit umgehen kann. Dass Fritzi Bender nicht nur aus ihrem Buch vorlas, sondern Balduin höchstselbst zu den Kindern sprechen konnte, verblüffte das Publikum, das nicht damit rechnete, dass die Autorin auch als Bauchrednerin überzeugen konnte.

„Wenn euch mal nichts einfällt“, so die Schweizer Autorin Brigitte Schär, die in der Sechtemer Wendelinus-Schule ihr neuestes Werk vorstellte, „macht es einfach wie ich und wechselt den Ort.“ Sie verriet, dass sie manchen Text auf dem Zürichsee geschrieben hat. Sieben Stunden dauert die große Seerundfahrt. Ausreichend, um einen ersten Plot zu entwerfen. Auch der 59-Jährigen ist es ein Anliegen, den Kindern mehr als „nur“ eine Lesung zu bieten. „Sie wollen multimedial unterhalten sein und können sich kaum noch eine Lesestunde lang konzentrieren.“

Also zeigte Schär in einer Projektion erst einmal, wo die Schweiz liegt, welche Sprachen man dort spricht und wie groß Zürich ist. Bevor die nahezu 200 Wendelinus-Schüler bei so viel Geografie-Unterricht unruhig wurden, setzte eine untermalende Musik ein und Schär begann ihre Geschichte von „Lisa, Paul und Frau Fisch“ zu den Illustrationen von Jens Rassmus zu erzählen.

Die Geschichte: Mit einer geheimnisvollen Doppelgängerin ihrer Lehrerin, Frau Fisch, erlebt Einzelkind Lisa einige rätselhafte Dinge. Sie kommt an merkwürdige Orte und begegnet sogar ihrem Bruder Paul. Ob es an ihrer übergroßen Liebe liegt, mit der Lisa ihren kleinen Bruder sehnlichst erwartet oder Frau Fischs Doppelgängerin etwas damit zu tun hat, dass Lisas Mutter tatsächlich noch ein Kind bekommt, erzählt Brigitte Schär auf so spannende und entschlossene Weise, dass man sie glatt für wahr halten könnte.

„Nach der vierten Klasse kippen die Kinder ganz schnell aus der Märchenwelt heraus, da wollen sie Action-Geschichten.“ Doch in Sechtem blieben alle Kinder in der magischen Welt der Autorin versammelt – nicht zuletzt durch ihre gesanglichen Qualitäten.

Auch an diesem Mittwoch ist davon auszugehen, dass Autor Frank Maria Reifenberg die Viertklässler der Annaschule in Alfter mit „Käpt’n Book“ begeistern wird. Er stellt seinen neuen Titel „Der aus der Kälte kam“ aus der Serie „House Of Ghost“ vor.