Nahverkehr in der Region

Wann fährt die S23 mit Strom?

Noch fahren die Züge der Voreifelbahn mit Diesel. Dass sich das ändern soll, ist allgemeiner Konsens in der Region.

Noch fahren die Züge der Voreifelbahn mit Diesel. Dass sich das ändern soll, ist allgemeiner Konsens in der Region.

Rhein-Sieg-Kreis/Bonn. Die Voreifelstrecke bleibt in der Diskussion: Auslöser der jetzigen Auseinandersetzung rund um die Elektrifizierung ist die jüngste Sitzung der Verkehrskommission des Regionalrats des Regierungsbezirks Köln.

Das Ziel ist klar: Irgendwann sollen die Züge der S23 (Voreifelbahn) mit Strom fahren. Doch wie lange es dauert, bis keine Dieselfahrzeuge mehr zwischen Bonn, Alfter, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Euskirchen fahren, ist noch nicht abzusehen. In diesem Zusammenhang hat die jüngste Sitzung der Verkehrskommission des Regionalrats des Regierungsbezirks Köln (siehe Kasten) für Ärger gesorgt. In einer Pressemitteilung findet Grünen-Politiker und Kommissionsmitglied Rolf Beu aus Bonn deutliche Worte: „Ein schwarzer Tag für Bonn, ein schwarzer Tag für die Fahrgäste, ein schwarzer Tag für die Umwelt und ein schwarzer Tag für den regionalen Zusammenhalt“, heißt in dem Schreiben Beus.

Wie er berichtet, habe eine Mehrheit in der Kommission einen von CDU, SPD, Grünen und FDP vereinbarten Resolutionstext, der eine schnellstmögliche Elektrifizierung der S23 forderte, auf einen mündlichen Änderungsantrag des Kölner CDU-Bundestagsabgeordneten Karsten Möring hin ins Gegenteil verkehrt. Stattdessen sei beschlossen worden, den ermittelten positiven Kosten-Nutzen-Faktor für die Elektrifizierung zu nutzen, um alle vom Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) geplanten Maßnahmen rund um Köln positiv zu rechnen.

Die Elektrifizierung der Strecke soll laut Beu dem Projekt „Bahnknoten Köln“ ein- beziehungsweise untergeordnet werden. Bekanntlich geht aus einer Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros Spiekermann hervor, dass der sogenannte Kosten-Nutzen-Indikator für die Elektrifizierung der Voreifelstrecke bei Faktor 6,4 liegt. Das bedeutet in der Theorie, dass für einen Euro Aufwand 6,40 Euro erwirtschaftet würden. Laut Ingenieurbüro kostet die Elektrifizierung der Gesamtstrecke – von Bonn über Euskirchen nach Bad Münstereifel – mehr als 50 Millionen Euro. Durch den Einsatz der besseren E-Fahrzeuge rechnen die Fachleute mit rund 5000 Nutzungen der S23 mehr pro Tag.

Teil eines Pakets aus 15 Maßnahmen

Die Elektrifizierung der Strecke ist in der Tat Teil eines Pakets aus 15 Maßnahmen zur Verbesserung der Eisenbahnsituation rund um den überlasteten Eisenbahnknoten Köln. Laut Beu zeugt der Beschluss „von gehöriger politischer Naivität gegenüber den anderen Landesteilen und von überwunden erhofftem Kirchturmdenken“. Die Pendler müssten vermutlich noch bis 2033 auf eine Reduzierung der Fahrtzeit und eine Verbesserung der Anschlüsse in Bonn und Euskirchen warten, teilt er weiter mit. Unterstützung erhält er vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dessen Kreisvorsitzender Rainer Bohnet spricht in einer Pressemitteilung von „einer desaströsen Fehlentscheidung“.

Auf Anfrage erläutert CDU-Politiker Karsten Möring seinen Änderungsantrag. Konkret sei folgende Stellungnahme beschlossen worden: „Der Regionalrat spricht sich dafür aus, dass die S-Bahn-Linie 23 als Teilmaßnahme des Knotens Köln gemäß den vorliegenden Ergebnissen der Machbarkeitsstudie wie auch alle anderen Elektrifizierungsmaßnahmen im Knoten Köln in NRW prioritär vorangetrieben wird.“ Die Verkehrskommission des Regionalrats habe mit Zustimmung aller Fraktionen außer den Grünen klar gemacht, dass die Elektrifizierungsmaßnahmen im Knoten Köln wegen der verkehrlichen Bedeutung des Kölner Knotens in NRW Priorität haben müssten. „Dazu gehört selbstverständlich auch die Linie 23, allerdings bis Münstereifel“, so Möring weiter.

Alle Dieselstrecken im Raum Köln im Fokus

Nach Ansicht des CDU-Landtagsabgeordneten aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Oliver Krauß, ist dieser Beschluss „kein Grund, schwarzzusehen“. Er sei so zu verstehen, dass die Elektrifizierung der anderen Dieselstrecken im Raum Köln auch im Fokus bleiben müsse und nicht durch die Umrüstung einer einzigen Bahnstrecke von der politischen Agenda verschwinde – „auch wenn es für die Elektrifizierung der S23 ganz besonders gewichtige Gründe gibt“, so Krauß. Zugleich meint er, es sei „sehr gewagt zu glauben, dass eine Bedienung der Voreifelbahn mit Elektrofahrzeugen vor dem aktuellen Vertragsende vergaberechtlich problemlos möglich ist“. Die Bahntochter DB-Regio NRW habe den Auftrag erhalten, auch die S23 bis 2033 mit Dieselfahrzeugen zu bedienen. Alles andere wäre Verhandlungssache und würde voraussetzen, dass es eine anderweitige Verwendung für die eigens angeschafften Fahrzeuge gebe, fügt er hinzu.

NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober möchte sich auf einen Zeithorizont für eine Elektrifizierung nicht festgelegen. Schließlich seien im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens langwierige Klageverfahren möglich – etwa zu Fragen des Umweltschutzes. Zugleich weist er die Ansicht Beus zurück, dass die Voreifelstrecke nun zurückstehe. „Von allen Seiten wird das Projekt mit aller Kraft vorangetrieben“, so Reinkober. Wenn es um Fördergelder für die Elektrifizierung gehe, säßen die Kontrahenten auch nicht in der Region, sondern beispielsweise in München oder Hamburg. Auch dort sollen laut Reinkober Eisenbahnknotenpunkte ausgebaut werden.

Neues Berechnungsmodell

Wie er weiter erläutert, werde die aktuell vorliegende Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung des Büros Spiekermann gerade auf ein neues Berechnungsmodell des Bundes zur Wirtschaftlichkeit des Vorhabens geändert. In diesem Zusammenhang werde auch die Machbarkeit einer S-Bahn zwischen Bonn und Köln eingearbeitet. Die beiden Projekte seien unter anderem aus Gründen der Anschlüsse eng miteinander verzahnt. Sobald die Machbarkeitsstudie aktualisiert sei, werde die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz als Trägerin der Maßnahme tiefer in die Planung einsteigen – vorfinanziert vom NVR, so Reinkober, da es noch keine Fördergelder vom Bund gibt. Durch diese tiefere Planung sollen unter anderem Aspekte herausgearbeitet werden, die zu Problemen, etwa möglichen Klageverfahren, im Planfeststellungsverfahren führen könnten.