Rund um den Grubensee

Wanderwege als Alleskönner

Rundgang: Geschäftsführer Martin Ziegler (rechts) führt die Gäste über den neuen Wanderweg.

Rundgang: Geschäftsführer Martin Ziegler (rechts) führt die Gäste über den neuen Wanderweg.

ALFTER-WITTERSCHLICK. Das unterschiedliche Verständnis für die Erfordernisse der Natur führt häufig zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern und den Interessen der Wirtschaft. Nicht so in der Schmalen Allee, der Witterschlicker Verbindungsstraße zwischen B 56 und der Alfterer Hauptstraße.

Hier wurde am Sonntagmittag ein Wanderweg eröffnet, der nicht nur Spaziergänger und Radfahrer vor den Kiesgruben-Lastwagen auf der Schmalen Alle schützen soll, sondern zudem durch die Naturlandschaft rund um den Baggersee des Witterschlicker Tagebaus führt.

Inspiration aus dem Radio

Die Geschäftsführerin der Quarzwerke, Nicola Lindemann-Berk, konnte unter den zahlreichen Gästen zur Eröffnung des Wanderweges den Alfterer Bürgermeister Rolf Schumacher und Sebastian Schuster, den Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, ebenso begrüßen wie Wilhelm Windhuis, den Fraktionssprecher der Grünen, und die Vorsitzenden der Landschaftsschutzvereine Kottenforst und Vorgebirge, Monika Goldammer und Michael Pacyna.

In seiner Rede betonte Landrat Schuster die "hervorragenden touristischen Projekte", die im Kreis immer weiterentwickelt werden und zu denen auch die Naturparks Kottenforst-Ville, Siebengebirge und Bergisches Land gehören. Inspiriert durch einen Bericht im Radio, übertrug er den Slogan "Leben, wo andere Urlaub machen" auf die Landschaft um den Quarzkiestagebau in Witterschlick und versprach die weiteren Entwicklungsmaßnahmen tatkräftig zu unterstützen.

Durch die Finanzierung der anliegenden Quarzwerke und der Tongruben Sibelco und H.J. Braun wurde bereits die Fahrbahn der Schmalen Alle auf 1,2 Kilometer Länge saniert und nun um einen bereits 300 Meter langen parallelen Wanderweg ergänzt. Zwischen der Schmalen Allee und dem Wanderwegenetz des Gebietes zwischen Waldville und Kottenforst wurde eine neue Wegeverbindung hergestellt. In diesem Bereich sind die Auskiesungsarbeiten beendet und die Rekultivierung hat begonnen. Es entstand bereits ein Aussichtspunkt am nördlichen Ufer des Sees, an dem eine Schautafel die weiteren landschaftlichen Entwicklungsziele erläutert. "Wir brauchen den Kies, und wir brauchen die Bodenschätze", meinte Monika Goldammer vom Landschaftsschutzverein Kottenforst, "aber wir wollen es auch in der Region begrenzen."

Man habe mittlerweile eine gute Kommunikation mit den Quarzwerken in Witterschlick entwickelt, die zu einer "ökologischen Betriebsbegleitung" in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Arnsberg geführt hat. Hiermit konnte man sich über die Vorgehensweise austauschen und verständigen, die nun zur Umsetzung der Schutzmaßnahmen für Flora und Fauna geführt haben. Bedauerlich sei lediglich der Umstand, dass die Flerzheimer Kiesgrubenbetreiber doch noch versuchten, vor dem Verwaltungsgericht in Köln gegen die Begrenzung des Regionalplans eine weitere Abgrabungsgenehmigung zu erhalten.

Ausgesprochen begeistert äußerte sich der 87-jährige emeritierte und in Impekoven ansässige Zoologie-Professor Hans Schneider über die Eigeninitiativen der Quarzwerke, die auch den Springfröschen und Wechselkröten artgerechte Lebensräume geschaffen haben.