Naturschutz im Vorgebirge

Wanderung durch Bornheimer Obstblütenlandschaft

Am Herrenhaus Buchholz startete der Waldspaziergang mit den Mitorganisatoren Norbert Brauner (r.) und Andrea Milz (l.). FOTO: AXEL VOGEL

Am Herrenhaus Buchholz startete der Waldspaziergang mit den Mitorganisatoren Norbert Brauner (r.) und Andrea Milz (l.). FOTO: AXEL VOGEL

Alfter. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wandert durch die Obstblütenlandschaft Botzdorf-Hennesenberg, die Raum für seltene Tiere und Pflanzen bietet.

Durch die Obstblütenlandschaft Botzdorf-Hennesenberg führte der Prominentenspaziergang der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Der stellvertretende Vorsitzende des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV), Norbert Brauner, berichtete der Gruppe von Abgeordneten, Bürgermeistern und Naturschützern, darunter die SDW-Vorsitzende Andrea Milz, von erfüllten Hoffnungen und weiteren Plänen zur Erhaltung der Vielfalt des etwa 45 Hektar großen Gebiets oberhalb von Roisdorf und Botzdorf.

Vom Herrenhaus Buchholz aus gelangt man zwischen Streuobstwiesen, kleinen Wäldchen und Hecken zu einer Ecke, von der aus das Auge bei schönem Wetter bis zum Kölner Dom schweifen kann. Noch besser fällt das Panorama von Fietzeks Weitsichtturm aus, benannt nach dem Ehrenvorsitzenden des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV), Klaus Fietzek. Von dort oben erblickt man auch die Quarzsandgrube Brenig, die 1999 stillgelegt wurde. Viele Bürger kämpften damals unter dem Motto „Mit Humor gegen den Wahnsinn“ zusammen mit LSV und dem Kuratorium „Rettet das Vorgebirge“ für die Landschaft und verhinderten die Einrichtung einer großen Müllkippe.

Klaus Benninghaus, Geschäftsführer des LSV, fragte, ob man unterhalb des Turms ein Modell aufstellen könne, um die 25 Millionen Jahre Entwicklung des Bodens zu erklären, und der Grube einen Neugierigen-Ansturm zu ersparen. Diese Erholungs-Landschaft, an die sich die Roisdorfer Hufebahn anschließt, besticht durch natürliche Vielfalt. Dort flattern Neuntöter, Feldschwirl, Schwarzkehlchen, Bluthänfling und Steinkauz. Die Zahl der Brutvogelarten hat sich in kurzer Zeit von 36 auf 53 erhöht, so die SDW. Vogelschützer hoffen sogar auf die Rückkehr des Wiedehopfs. Auf dem Boden und in kleinen Gewässern tummeln sich Zauneidechse, Blindschleiche, Erdkröte und Wasserfrosch. Besenginster, Heckenrosen, Schlehe, Stil- und Traubeneiche, Zitterpappel und Weißdorn wachsen. Klatschmohn, Kornblume und Hundskamille blühen, da die Magerrasenflächen ihnen anders als überdüngte Wiesen Entfaltungsraum bieten.

Zugleich handelt es sich um eine alte Obstblütenlandschaft. Bis Ende 2015 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz 130 junge Obstbäume gepflanzt. Kirschsorten tragen so wohltönende Namen wie „Schöne aus Marienhöhe“ oder „Grolls Schwarze“. Nach den Worten Brauners wurden dort bisher eine Million Euro aus Spenden und staatlichen Zuschüssen investiert. Sogar die Kiesgruben-Gesellschaft leistete einen unfreiwilligen Beitrag von 10 000 Euro als Strafe in der Auseinandersetzung um die Biotope, so Brauner.

Nahe einem neu entstehenden Reiterhof warf Brauner die Frage auf, ob solche Nutzung sinnvoll sei. Denn Reitwege gibt es dort nicht. Pferde und Fußgänger können sich leicht in die Quere kommen. Ponys allerdings und Schafe sind als Weidetiere zur Erhaltung der Wiesen gerne gesehen.

Als Ziele nannte LSV-Vorsitzender Michael Pacyna die Erhaltung der Streuobstwiesen und die nachhaltige Pflege der Biotope als „fließende Landschaften“. Die Beweidungsintensität soll verringert und die Erholungslandschaft aufgewertet, Bauruinen und Schwarzbauten abgerissen werden.