Nistplatz im Funkturm verwaist Wanderfalken meiden Brutstätte in Alfter

ALFTER-VOLMERSHOVEN. Eigentlich ist der Fernsehturm, der hinter den Bäumen in Volmershoven-Heidgen hervorragt, für Tiere wie den Wanderfalken ein Traumplatz. Doch seit zwei Jahren ist die Brutstätte verwaist. Dem Naturschutzbund ist das ein Rätsel.

Der Schrei des Wanderfalken ertönt, während Peter Meyer den Sturzflug des Jägers mit einem Fernglas beobachtet. Meyer ist zweiter Vorsitzender der Kreisstelle Bonn des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und Leiter des Naturschutzzentrums Am Kottenforst in Dünstekoven. Seit 1990 engagiert er sich für die Kreisgruppe und die Station, seit seinem zehnten Lebensjahr begeistert ihn der Naturschutz. Vor allem den Wanderfalken gilt sein besonderes Interesse.

Der Greifvogel war jahrelang aufgrund des Einsatzes von Umweltgiften wie DDT als Insektizid vom Aussterben bedroht. In den 1970ern wurde die toxische Substanz in Deutschland verboten. Somit konnte der Falke wieder einen stabilen Bestand erreichen. Um den Fortbestand zu sichern, organisiert Meyer seit vielen Jahren den Bau diverser Nistkästen, die den Vögeln dazu dienen sollen, sich in Ruhe um ihren Nachwuchs zu kümmern.

„Das Wichtigste für die Falken sind die Nistplätze. Beute gibt es genug, weil die Falken ganzjährig anwesend und nicht an wetterabhängige Nahrung gebunden sind”, berichtet Meyer. Am liebsten fressen sie Tauben und andere Garten- und Kleinvögel.

Drei bis vier Jungtiere sind die Regel

Eine Brut besteht in der Regel aus drei bis vier Jungtieren, „je nachdem, wie ergiebig die Beute in der Saison war”, erklärt Meyer. Die Falken brüten von April bis Mai. Der Nachwuchs verweilt dann laut Meyer 33 bis 42 Tage im Nest, wird noch drei Wochen beim Fliegen betreut und verlässt seine Eltern ab Ende Juli.

Im Winter zieht es die Tiere sogar in die Städte, denn „der Falke kann überall leben. Der lässt sich von niemandem stören”, berichtet der zweite Vorsitzende des Nabu. Im Herbst werden die vier Nistkästen im Rhein-Sieg-Kreis, der Nistkasten auf dem Bonner Stadthaus und die vier Nistkästen an den Strommasten der Amprion-Stromtrasse, die sich von Wesseling bis nach Grafschaft zieht, von den Mitgliedern des Nabu Bonn inspiziert und gereinigt, so Meyer. Auch Turmfalken hatten sich schon in den Kästen an den Freileitungsmasten eingenistet.

Der graubraune Fernsehturm, der hinter den Bäumen in Volmershoven-Heidgen hervorragt, lockt viele Wildvögel an, die von dort aus die Gegend überblicken und Nahrung ausfindig machen können. „Der Turm wurde aus Stahlbeton gefertigt und hat eine Höhe von 107 Metern“, sagt Benedikt Albers, Sprecher der Deutschen Funkturm GmbH. Aufgrund dieser Höhe sei der Turm ein wichtiger Funkstandort für die Region. Der Turm wurde 1978 erbaut und versorgt die Umgebung mit Mobilfunk. Aber vor allem für die Tiere ist dies ein Traumplatz.

Erstmals gab es 2009 Nachwuchs auf dem Turm

Der erste Nistkasten für die Wanderfalken wurde 2007 auf dem Turm installiert und brachte 2009 erstmals Nachwuchs hervor. 2012 wurde er in 56 Meter Höhe durch ein neueres Modell ersetzt. „Alles in Eigenregie”, sagt Meyer, „ich brauchte bloß Verbündete, die meine Idee genehmigten. Wir haben den Kasten auch selber gebaut.”

„Die Falken sind dort oben vollkommen ungestört“, erklärt Meyer. Dadurch können sie stressfrei brüten. Theoretisch. „2017 und 2018 gab es leider keine Brut und wir wissen überhaupt nicht, woran das liegt”, erzählt Meyer, sichtlich traurig. Bis 2015 war der Kasten immer besetzt, dann ließ die Belegung nach. Erklären können sich das die freiwilligen Helfer der Nabu-Station nicht: „Im ganzen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn gab es in diesem Jahr keine Brut. Nichtmal am Drachenfels.”

Dennoch sind die Schreie eines Wanderfalken zu hören, der oben auf den Antennen sitzt und den Panoramablick genießt, bevor er sich mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde auf sein ausgewähltes Opfer stürzt. Wer einen Feldstecher wie Peter Meyer besitzt, kann den Falken auf dem Fernmeldeturm beobachten und hoffen, dass er sich dort wieder einnistet.

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