Nahverkehr in der Voreifel

Voreifelbahn kommt aus der Krise

Ein Zug der S 23 unterwegs auf freier Strecke bei Swisttal-Odendorf.

Ein Zug der S 23 unterwegs auf freier Strecke bei Swisttal-Odendorf.

Rhein-Sieg-Kreis. Der aktuelle Qualitätsbericht weist Verbesserungen bei der S 23 aus. Fahrgastvertreter meinen, dass die Hitze den Zügen zu schaffen macht.

Es ist noch nicht lange her, dass die Nutzer der Voreifelbahn (S 23) fast täglich starke Nerven brauchten. Ausfälle, teils massive Verspätungen, Defekte an den neu in Dienst gestellten Dieselzügen, Fahrplanchaos: Die Jahre 2014 und 2015 waren für die Reisenden zwischen Bonn, Alfter, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Euskirchen oft eine Zumutung. Gefahren wird die S 23 von der Bahn-Tochter DB Regio NRW, Auftraggeber ist der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR).

Und dieser macht aus den Problemen im Kölner Dieselnetz, wozu die S 23 gehört, keinen Hehl. „Das Vareo-Netz (Kölner Dieselnetz) wurde im Dezember 2013 in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme war von dem Umstand begleitet, dass die bestellten Neufahrzeuge [...] nicht unmittelbar einsatzfähig waren und somit ein zusätzlicher Fuhrpark aus Bestandsfahrzeugen zum Einsatz kommen musste“, heißt es im aktuellen Bericht des NVR über die Betriebsqualität des Schienenpersonennahverkehrs. Die alten Fahrzeuge hätten aber Probleme gehabt, „das anspruchsvolle Vareo-Betriebskonzept zu erfüllen. Die sukzessive Einführung der Neufahrzeuge brachte weitere Anlaufschwierigkeiten mit sich“, so der NVR. Daher habe die Qualität 2014 „insgesamt gelitten“, so der NVR, und weiter: „Für das Jahr 2015 zeigt sich, dass die Anlaufschwierigkeiten nach und nach überwunden werden konnten. Für 2016 ist nun eine weitere Normalisierung der Lage eingetreten.“

These mit Statistiken untermauert

Diese These untermauert der NVR in seinem Bericht mit Statistiken – etwa zu Zugausfällen. Hier weist der NVR für 2016 eine Quote von knapp unter einem Prozent aus. 2014 lag sie bei fast zwei Prozent, 2015 bei knapp vier Prozent. Weiter ist zu lesen, dass die Züge 2014 und 2015 durchschnittlich eine Minute verspätet waren. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnitt bei deutlich unter einer Minute. Weiter steht im Bericht, dass 2016 bei rund 0,5 Prozent der Fahrten die bestellten Sitzplatzkapazitäten nicht erfüllt wurden. 2014 waren es rund 1,5 Prozent, 2015 etwa 1,3 Prozent. Ein weiterer Aspekt ist der Zustand der Fahrzeuge.

Laut Bericht gab es 2016 bei knapp zwei Prozent der Fahrten der S 23 Störungen an den Toiletten – eine Steigerung im Vergleich zu 2015 (knapp ein Prozent) und 2014 (rund 1,5 Prozent). Verbessert hat sich laut NVR die Lage bei den Klimaanlagen: 2016 gab es bei rund 0,5 Prozent der Fahrten Störungen, 2015 bei rund 1,7 Prozent, 2014 bei mehr als vier Prozent. Ein Problem bleiben die Türen, obgleich nicht mehr ein so großes. 2014 gab es bei 14,7 Prozent der Fahrten Ärger mit den Türen, 2015 bei knapp unter fünf, 2016 bei über fünf Prozent. Das Fahrgastinformationssystem der Züge war laut NVR 2016 bei knapp einem Prozent der Fahrten gestört. 2015 bei knapp drei Prozent, 2014 bei über acht Prozent.

Daten des Bahnunternehmens erhoben

Nach Angaben des NVR werden für den Bericht, der sich mit allen Zügen im Zuständigkeitsgebiet befasst, die Daten vom jeweiligen Bahnunternehmen erhoben und übermittelt. „Diese Daten werden stichprobenhaft geprüft sowie mit den Erkenntnissen aus dem Kundendialog abgeglichen“, heißt es dazu im Qualitätsbericht, und weiter: „Im Zweifel kann der NVR auch Personal einsetzen, welches die Korrektheit der Nachweise überprüft.“ Etwaige Falschmeldungen würden empfindlich bestraft.

Sie könne bestätigen, dass die Pünktlichkeit der S 23 mittlerweile deutlich besser sei als in der Anfangszeit nach Umstellung auf die neuen Züge, sagt Gaby Cremer auf GA-Anfrage. In dieser Hinsicht gebe es nichts mehr auszusetzen. Cremer pendelt fast täglich mit der Voreifelbahn von Euskirchen nach Bonn und hatte Ende 2014 die Facebook-Gruppe „Eifelpendler“ gegründet. In dieser diskutieren Reisende über Probleme auf der Voreifelstrecke und der Eifelstrecke (über Euskirchen nach Köln). „Es gibt allerdings in anderen Bereichen nach wie vor Kritikpunkte auch auf dieser Strecke“, so Cremer weiter.

Trotzdem noch viel Kritik

Sie nennt hierzu schlechte Informationen an Bahnsteigen sowie die mangelnde Koordination der Anschlusszüge. Dazu kämen die Klimaanlagen in den Zügen. Wenn es draußen kalt sei, blase es einem oft eiskalte Luft von oben aufs Haupt, sei es draußen heiß, ruhe die Klimaanlage und die Luft werde heiß und stickig, so Cremer. Apropos Hitze: Die Züge seien „Mimöschen“, was das betreffe, sagt sie: „An den bisher wenigen Tagen, in denen es richtig heiß draußen war, fielen deutlich viele Triebwagen aus, sodass man mit nur einem statt zwei Treibwagen unterwegs war.“ Und die wenigen, die es schafften, müssten offensichtlich besonders geschont werden, so Cremer: „Denn dann tuckert man verdächtig langsam auf den Schienen daher.“

Hans-Werner Ignatowitz vom Fahrgastverband Pro Bahn Rheinland bestätigt die Probleme der Züge in der jüngsten Zeit. „Man hat den Eindruck, dass sich diese Störungen an heißen Tagen häufen“, sagt er. Grundsätzlich habe sich die Situation auf der S 23 aber erheblich verbessert. „Ein Grund hierfür ist, dass die Prozesse der Türöffnung und -schließung durch Softwareupdates an allen Fahrzeugen inzwischen schneller funktionieren“, führt er aus. Letztlich könne der vorgesehene Fahrplan mit den vorhandenen Zügen aber nicht gefahren werden: „Hierzu würde die in Rede stehende Elektrifizierung der Voreifelbahn hilfreich sein.“