Diskussion um Erweiterung

Tontagebau Witterschlick muss nahe an die Häuser

Alfter-Witterschlick. Das Unternehmen Sibelco will sich bei der Erweiterung des Tontagebaus in Witterschlick bis zu 105 Meter den Häusern nähern. Der geforderte Abstand liegt bei 300 Metern. In der Alfterer Politik stoßen die Erweiterungspläne bislang auf Ablehnung.

Die Anwohner des Witterschlicker Tontagebaus müssen sich wohl an die Geräusche von Baggern und Lkws gewöhnen. Aus Sicht des Abbauunternehmens Sibelco kann der geforderte Abstand zwischen Tongrubenerweiterung und Wohnbebauung von 300 Metern nicht eingehalten werden. Laut den derzeitigen Planungen soll die Erweiterung zwischen 105 und 150 Metern von den Wohnhäusern entfernt entstehen.

Der Abstand bemisst sich zwischen der Bebauung und dem Betriebsgelände nördlich des Lüsbacher Wegs, also nicht dem konkreten Abbau. Sibelco begründet die Distanz mit dem Tonvorkommen. „Wir versuchen die Lagerstätte so abzubauen, wie sie liegt“, erklärt Withold Groborz, Leiter Produktion und Technik bei Sibelco. Eine Verlagerung der neuen Grube nach Westen sei nach Angaben des Unternehmens nicht wirtschaftlich.

Unternehmen will erweitern

Wie berichtet, will das Unternehmen mit Sitz in Ransbach-Baumbach (Westerwald) sein 43 Hektar großes Areal um 17,5 Hektar nach Norden erweitern. Aktuell fördert Sibelco in der bestehenden Tongrube südlich des Lüsbacher Wegs. Das Vorkommen sei dort jedoch weitgehend erschöpft. „Wir finden nur noch ganz geringe Mengen in der aktuellen Grube“, erklärt Sibelco-Geschäftsführer Michael Klaas. Abbauprodukt Nummer eines ist der Witterschlicker Blauton. „Das ist ein Ton mit Eigenschaften, die wir sonst nirgendwo in unseren Gruben finden“, so Klaas. Der Spezialton wird aufgrund seiner Bindefähigkeit, Plastizität und Feuerfestigkeit geschätzt.

In der Alfterer Politik sind die Erweiterungspläne bislang auf eine Mauer der Ablehnung gestoßen, zuletzt in der Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung im Februar 2018. Damals war es um die Stellungnahme der Gemeinde im Genehmigungsverfahren gegangen. Bekanntlich ist die für Bergbaufragen verantwortliche Bezirksregierung Arnsberg die zuständige Behörde.

Gemeinde ist gegen eine Vergrößerung

In der von der Politik einstimmig verabschiedeten Stellungnahme spricht sich die Gemeinde gegen die Vergrößerung aus. Sofern sich diese nicht verhindern lässt, hat die Gemeinde einen umfangreichen Forderungskatalog formuliert. Dieser basiert auf dem Beschluss, den die Kommunalpolitik bereits Ende Juni 2010 getroffen hatte, und 14 Forderungen beinhaltet – darunter vor allem der 300-Meter-Abstand, die Anlage eines Grünstreifens, die Aufrechterhaltung der Wegefunktion des Lüsbacher Wegs, umfassende Rekultivierungsmaßnahmen und ein aktives Oberflächenwassermanagement. Kritik kommt auch von der Bürgerinitiative gegen erweiterten Tonabbau in Witterschlick. Seit 2008 wehrt sich die Initiative gegen die Erweiterung. Im Jahr 2010 hatte sie 700 Unterschriften gegen die Erweiterung gesammelt.

Auch die Mitglieder der Initiative pochen auf den Abstand von 300 Metern. Sie verweisen auf einen Erlass des NRW-Umweltministeriums, der eben einen Abstand von 300 Metern zwischen Wohngebieten und Anlagen zur Gewinnung oder Aufbereitung von Sand, Bims, Kies, Ton oder Lehm vorsieht. Nach Angaben von Andreas Nörthen, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, bezieht sich der Erlass vornehmlich auf Neuanlagen. Beim Tontagebau Schenkenbusch handle es sich um die Erweiterung einer bestehenden Anlage. Die Frage des Abstands zur Wohnbebauung und der Emissionen werde innerhalb des Antragsverfahrens abgearbeitet, so Nörthen.

Tonabbau seit Ende des 19. Jahrhunderts

In Witterschlick und Volmershoven wird seit Ende des 19. Jahrhunderts Ton abgebaut. Von ehemals zahlreichen Unternehmen sind nur zwei übrig geblieben: Sibelco und die Firma Braun. Während zunächst unter Tage geschürft wurde, werden die verschiedenen Tonsorten mittlerweile oberirdisch abgetragen. Wo früher rund 150 Arbeiter mit dem Abbau des Rohstoffs beschäftigt waren, reichen heute acht bis zehn Angestellte aus. Am Eingang des Areals erinnert ein altes Holzgebäude noch an den ehemaligen Schacht Eiche. In etwa 30 bis 35 Metern Tiefe findet sich in Witterschlick der Blauton. In der Grube trägt ein Bagger die verschiedenen Tonsorten zunächst anhand der Färbung grob ab, das Material wird auf Lkw verladen und zu einzelnen Lagerboxen auf dem Areal gefahren.

Zu meterhohen Hügeln aufgetürmt lagern in den offenen Hallen verschiedene Tonsorten. Anhand von chemischen Analysen wird die Zusammensetzung überprüft. Eine Mischanlage stellt die erforderlichen Rezepturen zusammen – mit den im Vorgebirge gewonnen Rohstoffen, aber auch mit Ton aus anderen Gruben. Pro Jahr fördert Sibelco an dem Standort rund 120 000 Tonnen Ton, rund ein Sechstel davon ist der begehrte Blauton. Bundesweit zählt Witterschlick damit nach Angaben von Sibelco zu den fünf wichtigsten Standorten des Unternehmens. Insgesamt unterhält Sibelco 40 Abbaugebiete in Deutschland und Tschechien.

"Ein wanderndes Loch"

Die Erweiterung des Tagesbaus in Witterschlick verfolgt die Firma seit Jahren. Im vergangenen Jahr hatte der Rahmenbetriebsplan zur Norderweiterung öffentlich ausgelegen. 222 Stellungnahmen waren daraufhin bei der Bezirksregierung Arnsberg eingegangen. Diese hatte daraufhin von Sibelco weitere Unterlagen gefordert. Diese Unterlagen sollen laut Sibelco bis Ende März fertiggestellt werden. Dabei geht es unter anderem um Fragen zum Artenschutz und zur Hydrogeologie. Offen ist, ob Sibelco den vorhandenen Erweiterungsantrag überarbeitet oder einen komplett neuen erstellt.

Die Erweiterung soll laut Sibelco zunächst in einem Bereich von drei bis vier Hektar ausgehoben werden. Anschließend sollen pro Jahr ein halber bis ein Hektar hinzukommen sowie der abgeschürfte Bereich aufgefüllt und renaturiert werden. Das Unternehmen geht aktuell davon aus, dass bis 2060/65 alles wieder verfüllt und rekultiviert ist. „Wir sprechen von einem wandernden Loch“, erklärt Groborz. Die Arbeiten sollen im Westen am Lüsbacher Weg beginnen und gegen den Uhrzeigersinn verlaufen. Das Unternehmen will Aussichtsplattformen errichten, um den Anwohnern Einblicke in die Tongrube zu ermöglichen. Lärmschutzwände und bepflanzte Wälle sollen die Geräuschbelastung für die Anwohner reduzieren.