Naturschutz in Witterschlick

So sieht es am Hardtbach aus

Gewässeruntersuchung am Hardtbach mit BUND-Mitarbeiterin Ute Köhler (r.). Die Kinder prüfen die Qualität des Wassers.

Gewässeruntersuchung am Hardtbach mit BUND-Mitarbeiterin Ute Köhler (r.). Die Kinder prüfen die Qualität des Wassers.

Alfter-Witterschlick. Manchmal muss man etwas genauer hinsehen, um eine neue Welt zu entdecken. Bei einer Exkursion zum Hardtbach in Witterschlick, organisiert von der BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg, haben viele Kinder und Erwachsene genau das getan.

Ausgestattet mit Keschern, Netzen, Sieben, Eimern und Gummistiefeln untersuchten sie die Vielfalt der Lebewesen im Hardtbach. Unterstützt wurden sie dabei von Ute Köhler von der BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg und von Thomas Ehlert, Gewässerexperte vom Bundesamt für Naturschutz. Bei der Exkursion ging es vor allem um die kleinen Tiere, die auf den ersten Blick gar nicht zu sehen sind. Kaum am Bach angekommen waren die Kinder schon im Wasser und zeigten eine Begeisterung, die sich auch schnell auf ihre Eltern übertrug.

„Die Tiere sitzen überall am Bachboden“, sagte Ehlert und erklärte den Kindern, wie sie aufzuspüren und zu fangen sind. Es dauerte nicht lange, ehe die Kinder ihre ersten Erfolgserlebnisse hatten. Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven und Strudelwürmer tümmelten sich bald in den Gefäßen. Einige Kinder hatten einen großen, jedoch leblosen Flusskrebs entdeckt, den sie genau untersuchten. Später ging ihnen sogar noch ein lebendiges Exemplar dieser überraschend großen Krebse ins Netz.

Überraschungen in der Tierwelt

Viele der Teilnehmer wussten gar nicht, dass es solch große Tiere im Hardtbach gibt. Aufgrund ihrer roten oder auch türkis gefärbten Scheren bezeichne man diese Tiere auch als Signalkrebse, erklärte Ehlert. „Das ist das größte Tier, das man hier im Bach finden kann“, sagte er. Tatsächlich seien diese Krebse sogar sehr verbreitet. Bei all ihrer Faszination haben sie aber auch einen negativen Aspekt. Sie wurden vor rund 120 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt und tragen einen Pilz in sich, der den einheimischen Krebsarten zum Verhängnis wird und ihre Zahlen drastisch reduziert. „In NRW gibt es nur noch fünf Orte, an denen man einheimische Flusskrebse findet“, erklärte Ehlert. Besonders häufig findet man hingegen die kleinen Bachflohkrebse, die auf der Seite liegen und aussehen, als würden sie springen, wenn sie sich fortbewegen. „Die Bachflohkrebse sind eine Art Gesundheitspolizei, sie fressen tote Tiere, Algen und Laub“, erläuterte der Experte. Somit spielten sie eine wichtige Rolle, um den Bach sauber zu halten.

Köcherfliegenlarven bauen interessante kleine Röhren aus winzigen Steinchen. „In Deutschland gibt es 300 verschiedene Arten von Köcherfliegen und alle bauen spezifische Köcher“, erklärte Ehlert den interessierten Kindern. Unter einem Taschenmikroskop konnten sie sehen, wie so ein Köcher aus kleinsten Körnchen zusammengesetzt wurde. Der harmlos aussehende Strudelwurm entpuppte sich als furchteinflößender Räuber. Für den Menschen natürlich ungefährlich, für Bachflohkrebse hingegen eine Bedrohung, die im Verborgenen lauert und in einem unerwarteten Moment ihre ahnungslose Beute packt. Nun kann man sich vorstellen, welche Dramen sich tagtäglich in dieser kleinen Unterwasserwelt abspielen. Dass es im Hardtbach eine solche Vielfalt an Lebewesen zu entdecken gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor 30 Jahren war der Bach nahezu tot. Allerhand Abwässer wurden in den Bach geleitet.

Wasserqualität ist deutlich besser geworden

„Manchmal war das Wasser sogar bunt“, erinnerte sich ein Teilnehmer der Exkursion. Durch den Bau von effektiven Kläranlagen konnte die Wasserqualität deutlich verbessert werden, so dass sich innerhalb der letzten drei Jahrzehnte wieder viele Lebewesen im Bach angesiedelt haben. Einen Beweis für die Gesundheit des Hardtbachs hatten die Kinder sogar selbst gefunden: Eine Larve der Eintagsfliege. „Sie lebt in der Strömung und ist daher ganz flach gebaut“, beschrieb Ehlert. Außerdem erkenne man sie an den drei Schwanzfortsätzen. „Das ist etwas ganz Tolles, was ihr da gefunden habt. Die leben nämlich nur in ganz sauberem Wasser“, sagte der Experte. So lernten die Exkursionsteilnehmer auch, wie man anhand der im Bach lebenden Tiere den Gesundheitszustand dieses Ökosystems erkennen kann.