Bürgerengagement in Alfter

Schluss mit unnötigen Plastikverpackungen

Alfter. Weniger ist mehr und vor allem besser für die Umwelt: Die Initiative „Plastikmüllfreies Alfter“ stellt ihre Ideen vor. Als nächstes will die Gruppe Vereine und Gewerbetreibende einbinden.

Die Initiative „Plastikmüllfreies Alfter“ um Ingeborg Renckendorf (78) nimmt an Fahrt auf. Nach einem runden Tisch im Februar und einem weiteren Treffen im März mit rund 20 Teilnehmern aus verschiedenen Alfterer Ortsteilen, folgte am Mittwochabend nun der nächste Aufschlag. Erneut waren Vertreter der Ratsfraktionen und Alfters Ortsvorstehers Norbert Lehna ins Lokal Zur Krone gekommen.

Diskutiert wurden konkrete Überlegungen zur Reduzierung von Plastikmüll. Eingangs erläuterte Ingeborg Renckendorf noch einmal die Gefährlichkeit von hochgiftigen Mikro- und noch kleineren Nanoplastikteilchen für Umwelt und den menschlichen Organismus. „In allen Plastikstoffen befinden sich Weichmacher und Antioxidantien, die vielfach endokrine Disruptoren sind und als solche den Hormonhaushalt beeinflussen“, machte die ehemalige Waldorflehrerin deutlich. Mikroplastik sei für den Menschen so gefährlich, weil sie Additive – zu diesen gehören unter anderem auch die Chemikalie Bisphenol A, Flammschutzmittel und Weichspüler – seien, die in Böden und Grundwasser gelangen und die dort existierenden Gifte, unter anderem Pestizide, anziehen, die somit in den Körper gelangen.

„Sowohl Mikro- als auch Nanoplastik kann man gar nicht mehr einfangen. Nanoplastik ist so klein, dass es durch die Zellwände in den Zellkern eindringen kann. Was das für das Erbgut bedeutet, weiß man noch gar nicht“, betonte Renckendorf, die Biologie, Chemie und Geografie studiert hat.

Wie viel Müll in den Straßen Alfters herumliegt, haben die Aktivisten bei ihren Sammlungen innerhalb der Aktion „Wir räumen den Kreis auf“ noch einmal festgestellt. So wurden in Oedekoven, Impekoven und Alfter-Ort unzählige Säcke samt einer Badewanne und einem altem Heizlüfter entsorgt. Grund genug, im Herbst noch einmal nachzulegen. Ob dabei dann mit der Gemeindeverwaltung und den Ortsvereinen kooperiert wird, klärt Ortsvorsteher Lehna noch. Doch nicht nur hier sieht die Initiative Handlungsbedarf.

Stichwort Mülleimer: Dass in der Gemeinde mehr Mülleimer aufgestellt werden müssten, forderte Nina Lanzrath. Ein Argument, das Lehna so nicht gelten lassen wollte, denn mehr Mülleimer würden auch auch mehr Aufwand für den Abtransport bedeuten. „Am Bahnhof Impekoven liegen überall Zigarettenkippen auf dem Boden. Wir brauchen Mülleimer mit Aschenbechern“, hielt Lanzrath dagegen. Ihre Forderung: Werden Mülleimer künftig ausgetauscht, sollen sie mit Aschenbechern versehen sein. Ein Wunsch, der nun der Verwaltung vorgelegt werden soll.

„Refill Deutschland“: Sarah Loscheid stellte die 2017 in Hamburg gegründete nicht-gewinnorientierte Organisation „Refill Deutschland“ vor, die auch in Alfter Schule machen könnte. Das Konzept ist einfach: Läden mit einem „Refill“-Aufkleber am Fenster oder der Tür füllen kostenfrei Leitungswasser in mitgebrachte Wasserflaschen. „Wenn bei uns 20 Geschäfte mitmachen würden, könnten wir uns sogar als Refill-Station eintragen lassen“, so Loscheid. Für Grünen-Ratsmitglied Robert de la Haye eine einfach und gut zu realisierende Idee.

„ReCup“: Mit „ReCup“, einem Start-up-Unternehmen aus Rosenheim, das mit Partnergeschäften ein deutschlandweites Pfandbecher-System für den Kaffee to go entwickelt hat, hatte sich Maike Wilhelm auseinandergesetzt. Die Geschäfte zahlen einen Euro Standortgebühr und einen Euro Pfand pro georderten Mehrwegbecher. „Das ist sehr praktisch. Die Leute können dann ihre Becher mitnehmen und in anderen Partnerläden wieder abgeben.“ In der nächsten Zeit möchte sie Kontakt mit einer Backmanufaktur aufnehmen.

Plastikverpackungen in Geschäften: Die Initiative will mit Alfterer Geschäftsleuten Gespräche führen, damit auf lange Sicht Folienverpackungen in Blumenläden und auch Plastiknetze oder Plastik-Mülltüten aus Supermärkten verschwinden. Im Mai spricht Renckendorf dazu bei einer Veranstaltung des Gewerbevereins.