Hilfsaktion in Alfter für philippinische Kinder

Räder gehen endlich auf die Reise

Packen Fahrräder für die Philippinen: (hinten v. l.) Karlheinz Mandt, Aziz Mamo, Stephan Kunz und Bürgermeister Rolf Schumacher; (vorne v. l.) Dieter Cöllen, Haji Elwan, Ulrike Wiegelmann, Evelyn Weiskopf-Marx, Claus Körner und Wolfram Puhl.

Packen Fahrräder für die Philippinen: (hinten v. l.) Karlheinz Mandt, Aziz Mamo, Stephan Kunz und Bürgermeister Rolf Schumacher; (vorne v. l.) Dieter Cöllen, Haji Elwan, Ulrike Wiegelmann, Evelyn Weiskopf-Marx, Claus Körner und Wolfram Puhl.

Alfter. Alfterer spenden für philippinische Kinder – und wären fast an der Bürokratie dort gescheitert. Es dauerte alleine fast acht Monate, bis die Zollerklärung vorlag.

Eigentlich könnten Kinder und Jugendliche in der Gemeinde Bantayan auf der gleichnamigen philippinischen Insel schon längst mit den Fahrrädern aus Alfter zur Schule radeln. Bereits vor neun Monaten hatten Karlheinz Mandt vom Hofladen Mandt und Stephan Kunz von der gemeinnützigen, in Oberhausen ansässigen Stiftung „justiceF“ 129 von Menschen aus Alfter gespendete Fahrräder zusammenbekommen, die auf die Philippinen verschifft werden sollen.

Tatsächlich konnten die Räder erst am Freitag auf die Reise gehen. Vor dem Haus von Stephan Kunz und seiner Frau Ulrike Wiegelmann in Alfter hatte ein Lkw mit einem großen Container geparkt. Mit der Unterstützung fleißiger Helfer wurden die Fahrräder verladen. Hinter ihm liege eine wahre Odyssee durch den Dschungel der philippinischen Bürokratie, berichtete Kunz: „Es hat fast acht Monate gedauert, die Zollerklärung zu bekommen.“ So habe beispielsweise jedes einzelne Fahrrad deklariert und gewogen werden müssen. „Das haben wir mit einer Handwaage selbst gemacht“, sagte Kunz. Auch seien Belege zur Herkunft jedes Rades und viele andere Dokumente notwendig gewesen.

Sechs Monate konnten die Räder in einem Haus in Alfter gelagert werden, die letzten drei Monate standen sie im Garten von Wiegelmann und Kunz. Das Projekt aufgrund der Schwierigkeiten abzubrechen, kam allerdings nicht in Betracht. Es werde für die Kinder wie Weihnachten, Ostern und Neujahr zusammen sein, wenn die Räder ankommen, meinte Kunz.

Letztlich konnten alle Hürden überwunden werden. Zweimal sei er dafür auch selbst auf den Philippinen gewesen, berichtete Kunz. Das Land kennt er indes schon länger. Acht Jahre lang hatte er dort Entwicklungshilfe geleistet. Mit Wolfram Puhl und seinem Unternehmen KIAG aus Köln gewann Kunz einen Sponsor, der einen Teil der Finanzierung des Containers übernahm.

Jedes Fahrrad wurde deklariert und gewogen

Verschickt wird der Container voller Fahrräder mit dem Logistikkonzern DHL. Dort sind Claus Körner und Evelyn Weiskopf-Marx für Spezialprojekte zuständig. Wie Körner erläuterte, werde der Container nun im Hafen von Antwerpen eingeschifft. Etwa vier Wochen dauere die Überfahrt bis zur philippinischen Insel Cebu. Von dort geht es mit einem kleineren Schiff nach Bantayan. Wenn Hilfstransporte scheiterten, liege das in 90 Prozent der Fälle am Zoll vor Ort, sagte Körner.

Die Fahrradspende ist nicht die erste gemeinsame Aktion von Kunz, Wiegelmann und ihrer Stiftung „justiceF“ mit dem Hofladen Mandt. Seit einiger Zeit werden im Hofladen bunte Taschen verkauft, die Frauen auf Bantayan aus alten Reissäcken herstellen, um sich ein Einkommen zu sichern.

Kunz erinnerte am Freitag daran, dass sich im November 2013 mit dem Taifun Haiyan eine „verheerende Katastrophe“ auf den Philippinen ereignet hatte. „95 Prozent der Infrastruktur auf Bantayan wurden zerstört“, fügte er hinzu. Man müsse sich das so vorstellen, als ob fast alle Einwohner Alfters ihr Obdach verloren hätten. Ein weiteres Projekt von „justiceF“ vor Ort ist laut Kunz ein Ausbildungszentrum, in dem Frauen verschiedene Berufe erlernen können. Kunz zufolge sollen dort auch Jugendliche angelernt werden, die Fahrräder aus Alfter zu warten und zu reparieren. Unterstützt werde man bei der Errichtung des Ausbildungszentrums durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, so Kunz: „Anfang des Jahres fahren wir hin.“

Als Schirmherr der Fahrradaktion dankte Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher allen Helfern und Spendern. In Sonntagsreden würde immer gesagt, dass man die Ursachen von Flucht bekämpfe müsse, meinte er. Diese Aktion sei ein Mosaikstein, um genau das zu tun.