Von Alfter nach Locarno

Professor zeigt "Die Hüter der Tundra" bei Filmfestival

Ein Same mit seinem Rentierschlitten: Der Film zeigt das Leben auf der Kola-Halbinsel.

ALFTER. Von Alfter nach Locarno: René Harder, der an der Alanus Hochschule eine Professur für Schauspiel innehat, zeigt seinen Dokumentarfilm "Die Hüter der Tundra" beim internationalen Filmfestival von Locarno in der Schweiz, einem der ältesten und renommiertesten Filmfestspiele der Welt, am 11. August.

"Die Hüter der Tundra" handelt vom letzten Dorf samischer Rentierzüchter und ihrem Kampf um ihre Identität in der Abgeschiedenheit der russischen Kola-Halbinsel nördlich des Polarkreises. Harder hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Der Film ist eine Produktion der Sender Arte und ZDF sowie der Produktionsfirmen Lichtblick (Deutschland) und Relation 04 (Norwegen).

"Die Protagonisten, die mich als Filmer faszinieren, sind Persönlichkeiten, die sich mit Leidenschaft und Humor in einer Umgebung behaupten, die viele niederdrückt. Ihrem Blick in die Welt möchte ich folgen und damit einen durch seine poetischen Motive letztendlich politischen Film schaffen. Ein Film, der erzählt, dass die Lebensqualität auch wesentlich von der Haltung abhängt, mit der die Menschen in der Welt stehen", sagt dazu René Harder. Er zeigt, wie sich die Hirten beim jährlichen "Fest des Nordens" zu spektakulären Rentierschlitten-Rennen treffen. Doch ihre Weidegründe in der Tundra sind von Erschließung-Projekten internationaler Rohstoffkonzerne bedroht. Das Dorf Krasnoschtschelje soll geräumt werden. Sascha, die 30-jährige Abgeordnete des neugegründeten Parlaments der Samen, will dies verhindern und ihr Dorf retten.

"Die Hüter der Tundra" ist nicht der erste Film von René Harder: "Herr Pilipenko und sein U-Boot" um einen Mann, der ein U-Boot in der ukrainischen Steppe baut, erhielt 2007 den Publikumspreis beim Internationalen Dokumentarfilmfestival von Yamagata (Japan) und wurde beim Cleveland International Film Festival als "Best Documentary" ausgezeichnet.

Ein Teammitglied aus der Filmcrew dieses ersten Streifens weckte Harders Interesse durch Fotos von der Kola-Halbinsel, "die nicht entfernter als Gibraltar ist und immerhin die Größe von Holland und Belgien zusammen hat".

Der Alanus-Professor recherchierte und war fasziniert von dem europäischen Ur-Volk der Samen (Sapmi). Und nahm langwierige Vorbereitungen und schwierige Umstände für seinen Film in Kauf: Im Sommer flog die Crew mit dem Hubschrauber ins Samen-Land, im Winter war sie bis zu 24 Stunden mit Schneemobilen unterwegs. Und es galt die Scheu der Samen zu überwinden, sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Harder: "Erst, als ich diese Angst begriff, konnten die Dreharbeiten beginnen."