Freilichtbühne Alfter

Peter Pan und Käpt'n Hook verzaubern Alfter

Alfter. Am 30. Juni ist die Premiere des neues Stücks „Peter Pan und Käpt'n Hook“ der Laienschauspieler der Freilichtbühne in Alfter. Ein Besuch bei den Proben.

„Ein bisschen mehr Bewegung im Oberkörper“, ruft Regisseur Olaf Sabelus. Mit einem Megafon sitzt der 48-Jährige in seinem Regiestuhl auf dem Alfterer Böhling. Die Proben des FreilichtWandertheaters für das neue Stück „Peter Pan und Käpt'n Hook“ biegen auf die Zielgerade. Denn Text, Bewegung und Zusammenspiel müssen bei der Premiere am Sonntag, 30. Juni, perfekt sitzen.

Seit Ende März werden mit jedem Schauspieler des Laientheaters zweimal in der Woche die relevanten Szenen geprobt, jedes Wochenende sind allgemeine Proben für das gesamte Ensemble angesetzt. Die bisherige Kulisse auf der Hauptbühne – der Marktplatz mit Wirtsstube aus der Inszenierung „Die kleine Hexe“ (2017/2018) – wurde bereits abgebaut und durch ein Schiff für Käpt'n Hook alias Ralf Hafner ersetzt.

70 Aktive vor und hinter der Bühne

70 Aktive vor und hinter der Bühne des rund 120 Mitglieder zählenden Vereins Freilichtbühne sind beim neuen Stück wieder im Einsatz, davon 15 Kinder und Jugendliche und drei Menschen mit Handicap. Noch arbeitet Bühnenbildner Robin Hengesbach an den Feinheiten des Kulissenbaus, Julia Heyden und Petra Eberz entwerfen und schneidern mehr als 100 Kostüme. In den elf Aufführungen in Alfter wird nicht die klassische Peter-Pan-Geschichte des Autors James Mathew Barrie gezeigt, sondern eine von Sabelus bearbeitete adaptierte Version, in der manche Figuren – wie Wendy und ihre Brüder – gar nicht erst auftauchen.

Für Sabelus – er löst in diesem Jahr als Regisseur Bernhard Altfeld ab – ist es nach 2005 bis 2008 die fünfte Inszenierung in Alfter. Und er findet das Konzept immer wieder faszinierend, denn „das soziokulturelle Projekt macht Kultur und Gemeinschaft in einmaliger Form lebbar. Theater wie wir es praktizieren, funktioniert am Ende genauso wie eine Dorfgemeinschaft. Wenn man zusammen eine Szene probt oder eine Aufführung stemmt, dann kann man nur zusammenarbeiten und alle dürfen und können auch mitziehen“. Im Fokus des fantastischen Stückes steht die Auseinandersetzung zwischen dem Piraten Käpt'n Hook und Peter Pan (Nina Alena Ruhz).

Es beginnt am Böhling

Die Geschichte nimmt auf dem Böhling ihren Anfang: Peter lebt im London von 1888, das geprägt ist von der Kluft zwischen Arm und Reich, Gut und Böse. Nur Peter Pan hat Kontakt zu den Feen, die sich von ihm Hilfe gegen den Seeräuber erhoffen, will dieser doch den Schatz der Fantasie stehlen. Und ein Leben ohne Fantasie würde nur noch Dunkelheit bedeuten. Und so bricht Peter mit Glöckchen (Lina Bruns) auf zur Insel Nimmerland. Unterwegs trifft der junge Abenteurer unter anderem die Häuptlingstochter Tiger Lilly – gespielt von der 13-jährigen Sienna Velleuer, die seit Jahren in verschiedenen Rollen zu sehen ist und ein namenloses Cowgirl, das die 26-jährige Marie Hennemann verkörpert.

Auch deren Vater Stephan Hennemann wird in der Geschichte gleich in doppelter Funktion – als Indianer und als Polizeioberwachtmeister – eine wichtige Rolle spielen. Alle Akteure stellen Figuren aus der realen und einer parallelen Fantasie-Welt dar. „Wer beim Spiel genau hinschaut, erkennt die Bedeutung der Besetzungen. Denn die Figuren aus der realen Welt haben ihr Pendant in der Phantasie. So spielt zum Beispiel Ralf Hafner einen gierigen Schmuckhändler, dessen Charakter sich in der Gestalt des Käpt'n Hook spiegelt“, erklärt Produktionsleiterin Mareike Osenau.

Zwei Vorstellungen sind schon ausverkauft

Die Rettung der Phantasie werden die Zuschauer auf der Hauptbühne, dem Böhling und der sogenannten Tannensenke erleben. Routiniert spielt Berndt Lisson seine Rolle als Museumsdirektor. Langsam schreitet er auf und ab: Er will die aufgebrachte Menschenmenge beruhigen, die sich über die Schließung des Marktplatzes aufregt. Dankbar nimmt der 53-Jährige Tipps von Regisseur Sabelus zur Körperhaltung an.

Seit 2013 steht Lisson bei jeder Inszenierung regelmäßig auf der Bühne, denn ihm „macht es einfach irre viel Spaß unter freiem Himmel mit so vielen unterschiedlichen tollen Menschen zu spielen. Wir wollen Kinder und Erwachsene raus aus dem Alltagstrott entführen und mit ihnen wenigstens für ein paar Stunden gemeinsam in eine ganz andere Welt eintauchen“. Das gefällt auch Marie Hennemann. Sie gehört zu den Darstellern mit Handicap, die seit neun Jahren ihre Rollen mit Bravour ausfüllen und mittlerweile eine gewisse Professionalität aufweisen. Das Publikum ist schon ganz gespannt. Die Premiere am Sonntag, 30. Juni, und die Vorführung am Sonntag, 14. Juli, sind bereits ausverkauft.

Weitere Infos gibt es im Internet auf www.freilichtbuehnealfter.de.