Schulcampus Oedekoven

Oedekovener sind zum Schulcampus gefragt

Alfter-Oedekoven. Es gibt weiterhin Kritik am geplanten Schulcampus in Oedekoven. So fanden sich in der jüngsten Ausschusssitzung rund 70 Bürger ein, um der Debatte zu folgen. Der Ausschuss beschloss die frühzeitige Bürgerbeteiligung für das Bauprojekt.

Gewöhnlich sind kommunalpolitische Sitzungen in Alfter nicht gut besucht. Am Donnerstagabend reichten die Plätze auf der Zuschauerbank im Ratssaal indes nicht aus. Rund 70 Männer und Frauen waren gekommen, um die Debatte des Ausschusses für Gemeindeentwicklung zum geplanten Schulcampus in Oedekoven zu verfolgen – ein Thema, das die Anwohner so stark bewegt, dass es mehrfach Zwischenrufe aus dem Publikum gab. Ein Zuschauer warf der Politik, der Gemeindeverwaltung und dem Bauherrn gar ein „bolschewistisches Verhalten“ in der Sache vor und verließ mit lautstarkem Geschimpfe den Saal, währenddessen sich Bürgermeister Rolf Schumacher genötigt sah, einige Grundsatzbemerkungen zur parlamentarischen Demokratie zu äußern.

Die anderen Zuschauer bekamen später mit, dass der Ausschuss mit großer Mehrheit die frühzeitige Bürgerbeteiligung für das Bauprojekt beschloss. Es werde öffentliche Termine geben, auf denen Schulträger und Planer Rede und Antwort stehen, sagte Schumacher. Wie berichtet, wollen die Freien Christlichen Schulen Bonn/Rhein-Sieg am Rande des Oedekovener Gewerbegebiets eine Gesamtschule, eine Kita und eine Turnhalle bauen. Im Raum stehen Kosten von rund 30 Millionen Euro, die ein privater Investor übernimmt. Anwohner kritisieren das Projekt unter anderem wegen der befürchteten Zunahme des Verkehrs auf den schon jetzt vollen Straßen. Vor allem aber richtet sich der Ärger gegen die Größe und Massivität des Schulgebäudes, das für rund 850 Schüler ausgelegt sein soll.

In den Reihen der Politik – das wurde erneut deutlich – herrschen ähnliche Bedenken. Daran konnten auch die Ausführungen von Schulträger und Planer nicht viel ändern. Diese waren mit zwei Modellen in die Sitzung gekommen. Wie berichtet, hatte die Politik Modelle des Schulgebäudes gefordert, um zu sehen, wie es sich in die Landschaft einfügt. Das erste Modell zeigt das Schulgebäude in S-Form. „S für Schule“, sagte Andreas Wiegel, Vorsitzender des Trägervereins der Freien Christlichen Schulen. Dieses Gebäude hätte eine weitläufige Anordnung der Klassen, aber den „gravierenden Nachteil“, dass die Schulhöfe außen liegen, also an die Gärten der Nachbarn grenzen. Dass die Anwohner das nicht wollten, könne er gut nachvollziehen, so Wiegel. Das Gebäude sei schmaler, aber höher.

Wiegel sprach von fünf Geschossen zur Straße und flacher nach hinten. Modell zwei stellt die Schule als großen, abgestuften Kubus dar – mit vier Geschossen zur Straße Im Klostergarten und zwei Geschossen nach hinten. In diesem Fall würden die Schulhöfe innen liegen. Der Verkehr soll laut Wiegel in beiden Fällen nicht direkt vor der Schule halten, sondern auf dem Platz vor Turnhalle und Kita, rund 150 Meter entfernt.

Für die CDU-Fraktion freute sich Barthel Schölgens – unabhängig vom geplanten Schulgebäude, wie er sagte – über das Vorhaben. Schule, Kita und Turnhalle seien eine Bereicherung für Alfter, meinte er – auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Turnhalle auch von Alfterer Vereinen genutzt werden könnte. Seine Fraktion favorisiere das Kubus-Modell, so Schölgens. Zugleich betonte er, dass es jetzt noch nicht um einen konkreten Baukörper gehe. Sandra Semrau (Freie Wähler) hatte wiederum mehr Sympathien für die S-Form. Der Kubus sei zu wuchtig, befand sie. Thomas Klaus (SPD) forderte wie Schölgens die Möglichkeit, zu prüfen, ob der Kubus nicht doch kleiner werden könnte. „Der Kubus ist uns nach wie vor zu massiv“, so Klaus. Es gelte, zwischen den Interessen der Schule und denen der Anwohner abzuwägen, führte er aus.

„Die Schule ist einfach zu groß an dieser Stelle“, sagte wiederum Wilhelm Windhuis (Grüne) und erhielt dafür Applaus aus den Zuschauerreihen. Der Kubus sprenge jeglichen Rahmen. Viel wichtiger sei aber, dass „endlich mal ein Verkehrsgutachten auf den Tisch gelegt wird“, so Windhuis. Es könne keine Offenlage der Pläne ohne ein solches Gutachten sowie ein Umweltgutachten geben. Windhuis und Sonia Teimann stimmten anders als die anderen Grünen-Vertreter gegen die Bürgerbeteiligung zum jetzigen Zeitpunkt. Auch die Einlassung von Claudia Gerhardi, Leiterin des Fachbereichs Planen, Entwickeln und Bauen bei der Gemeinde, dass eine frühzeitige Bürgerbeteiligung nicht die formale Offenlage sei, änderte daran nichts. Paul Breloh (FDP) betonte, dass man endlich in die Diskussion mit der Bevölkerung kommen müsse.