Im Ruhestand als Subsidiar aktiv

Nach 25 Jahren wird Pfarrer Ollig Alfter verlassen

Ein Vierteljahrhundert seines Lebens muss Pfarrer Rainald Ollig in Umzugskisten verpacken.

Ein Vierteljahrhundert seines Lebens muss Pfarrer Rainald Ollig in Umzugskisten verpacken.

Alfter. Der Abschied fällt ihm nicht leicht: Nach fast 25 Jahren verlässt Pfarrer Rainald Ollig Ende des Monats die Gemeinde Alfter. Sein neues Ziel heißt Bad Münstereifel, wo er im Ruhestand als Subsidiar aktiv sein wird.

Er schaut optimistisch in die Zukunft – und doch fällt ihm der Abschied nicht leicht: Nach fast 25 Jahren verlässt Pfarrer Rainald Ollig Ende des Monats die Gemeinde Alfter. Sein neues Ziel heißt Bad Münstereifel, wo er im Ruhestand als Subsidiar aktiv sein wird.

Das bedeutet, dass er von seinen Aufgaben als leitender Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Alfter entpflichtet wurde, aber für bestimmte Tätigkeiten in Bad Münstereifel zur Verfügung stehen wird. Diese beinhalten Trauungen, Gottesdienste, kurz: „da bereitzustehen, wo Unterstützung notwenig ist“, erklärt Ollig. Damit sei sein Tagesablauf flexibler als bisher. „Neue Aufgaben, eine neue Perspektive. Ich freue mich darauf.“

Was er mit seiner neugewonnen Freizeit anstellen wird, hat er noch nicht genau geplant. „Damit muss man erst einmal umgehen können“, findet er. „Ich werde jetzt manche Termine wahrnehmen können, die ich vorher aus Zeitgründen verpasst habe.“ Davon würden auch sein Bruder und die Familie in seiner Heimatstadt Köln profitieren. „Reisen, fremde Menschen und Kulturen kennenlernen; ich hoffe, dass ich dafür Zeit finde“, sagt Ollig weiter. Vielleicht besuche er aber auch die nächste theologische Weiterbildung.

Doch vor alldem steht der Umzug vom Pfarrhaus an der Lukasgasse nach Bad Münstereifel an. 25 Jahre in Kisten zu verpacken, sei gar nicht so leicht, meint der Pfarrer. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich schon früher angefangen“, sagt der 69-Jährige schmunzelnd. „Wenn man die Bücher durchschaut und Widmungen und Briefe liest, da werden viele Erinnerungen wieder wach.“

Und diese nimmt er gerne mit. „Es bleiben schöne Erinnerungen, die mich begleiten werden. An das, was man gemeinsam hier aufgebaut und erlebt hat, die geselligen Stunden.“

Wunschgemeinde Alfter

Schöne Momente habe es viele gegeben: die Wallfahrten mit jungen Familien, Pilgerreisen mit Senioren, Begegnungen mit Jugendlichen, Zeltlager und Pfarrfeste. „Es ist ein buntes Leben hier in Alfter. Als Pfarrer hat man mit vielen Leuten zu tun und man ist für alle da.“

Als er im Jahr 1995 in seine Wunschgemeinde Alfter kam, „war das noch viel überschaubarer. Es war eigentlich nur die Gemeinde Alfter“, sagt Ollig. Die Lage im Vorgebirge, die Mentalität der Menschen und die vielen Aktivitäten der Gemeinde hätten ihm gefallen.

Eine der größten Herausforderungen war es dann, vor mehr als zehn Jahren die fünf Gemeinden und sechs Kirchen zur Pfarreiengemeinschaft Alfter zusammenzuführen. „Das war nicht immer einfach, weil man auch die Eigenständigkeit der einzelnen Orte bewahren wollte, ohne den Überblick über das Ganze zu verlieren“, erinnert sich Ollig. „Unser Team hat schon einiges erreicht, aber wir arbeiten immer noch an der Zusammenführung. Die personelle Situation macht es aber erforderlich, diesen Weg weiterzugehen.“

Dass er in der Kirche wirken wollte, habe er früh festgestellt, während er als Messdiener und Pfadfinder unterwegs war, später in der Jugendarbeit. „Das war der Weg, der mich konsequent dorthin geführt hat. Auch wenn es nicht immer einfach war, weil es ja doch eine andere Lebensweise ist.“ Wäre er nicht durch das Zölibat gebunden gewesen, hätte er sich vorstellen können, eine Familie zu gründen. Ein Grundvertrauen durchzieht sein Leben, sagt er, innerhalb und außerhalb der Arbeit. „Das Vertrauen in Gott, aber auch in die Menschen“, betont er. „Das Positive im Menschen zu erkennen, sie ihre Fähigkeiten entfalten zu lassen und ihnen Verantwortung zuzutrauen.“

Vielleicht verlässt er Alfter auch deswegen im Hinblick auf seine Nachfolge mit einem ruhigen Gewissen. Seine Aufgaben teilen sich zunächst Matthias Genster als Pfarrverweser und Pfarrvikar Stefan Lischka als Seelsorger, seit dem 1. August ergänzt durch Claudia Flottmeier als Verwaltungsleiterin. Dank ihrer Stelle bliebe den Pfarrern mehr Zeit für die Seelsorge, weiß Ollig. Auch auf die Unterstützung von Pfarrvikar Georg Theisen, Diakon Martin Sander, Elke Friedrich und Schwester Clara Maria Schmitt könne die Gemeinde weiterhin zählen. „Das ist ein gut aufgestelltes Team“, betont Ollig.

Aus gesundheitlichen Gründen hatte der 69-Jährige ein Jahr vor dem offiziellen Ruhestand Rainer Maria Kardinal Woelki um seine Entpflichtung gebeten.

Nach der Priesterweihe 1982 arbeitete Ollig zunächst in Düsseldorf und Erftstadt. Geboren wurde er 1950 in Köln-Lindenthal.