Koordinatorin der Flüchtlingshilfe in Alfter

Monika Rudeloff bricht Arbeit ab

Monika Rudeloff legt ihre Arbeit als Koordinatorin der Flüchtlingshilfe nieder. ARCHIVFOTO: VOGEL

Monika Rudeloff legt ihre Arbeit als Koordinatorin der Flüchtlingshilfe nieder. ARCHIVFOTO: VOGEL

10.01.2016 ALFTER. Monika Rudeloff stellt ihr Engagement als ehrenamtliche Koordinatorin der ökumenischen Flüchtlingsarbeit in Alfter ein. Das hat die Oedekovenerin am Wochenende auf der Facebook-Seite des Helfer-Netzwerks "Asylkompass Alfter" bekannt gegeben.

Als Gründe nennt sie zum Einen die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln, zum anderen die Zusammenarbeit "mit unserem geschätzten Herrn Bürgermeister", die "alles andere als motivierend, transparent und vertrauensvoll war". Die Gesamtsituation habe sie inzwischen so belastet, dass akute gesundheitliche Beeinträchtigungen entstanden seien.

"Die Bilder von Köln haben mich zutiefst erschüttert und lassen mich nicht mehr los", heißt es in Rudeloffs Facebook-Statement. Wie berichtet, war es an Silvester am Kölner Hauptbahnhof unter anderem zu massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen sowie zu Diebstählen gekommen, bei denen auch Flüchtlinge zu den Tatverdächtigen zählen.

Rudeloff erklärt, sie beziehe sich mit ihrer Äußerung aber auf das Gesamtbild an Respektlosigkeit, etwa auch den Polizisten gegenüber oder wenn Asylbewerber ihre Papiere zerrissen: "Ich konnte mir nicht im Entferntesten vorstellen, dass sich vor dem Hintergrund der überall geleisteten aufopfernden ehrenamtlichen Hilfe und unserer Willkommensgesellschaft insgesamt eine derartige Undankbarkeit, Respektlosigkeit und Gesetzlosigkeit auch durch Schutzsuchende offenbart. Die vage Möglichkeit, dass nur ein einziger Schutzsuchender in der Gemeinde Alfter ähnlich denken und handeln könnte, macht mir Angst und lässt mich zutiefst daran zweifeln, ob mein Engagement bei Asylkompass richtig ist."

Seit dem Sommer hatte Rudeloff, die seit 2009 für die FDP im Alfterer Gemeinderat sitzt, die Koordinierung von Hilfsangeboten für die evangelische und die katholische Kirche übernommen. Die Ingenieurin und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin betreute auch den Aufbau eines Helfer-Netzwerks, nachdem sie sich bereits Monate zuvor für Asylbewerber eingesetzt hatte, indem sie unter anderem Sprachkurse initiierte. "Rückblickend muss ich mir leider auch eingestehen, dass ich viele persönliche Erfahrungen während meiner bisherigen Flüchtlingsarbeit optimistisch verdrängt habe", äußert sich Rudeloff weiter. Ähnliche Vorfälle wie in Köln seien ihr aus Alfter aber nicht bekannt.

Doch auch die Verhältnisse vor Ort, konkret die "unkooperative" Zusammenarbeit mit Bürgermeister Rolf Schumacher, hätten zu ihrem Entschluss beigetragen: "Das Vertrauensverhältnis mit dem Bürgermeister ist unwiederbringlich zerstört", sagte Rudeloff gestern. Sie fühle sich hintergangen, nachdem sie erst aus der Presse erfahren habe, dass die Gemeinde an der Waldstraße/Am Herkenbusch in Oedekoven eine Flüchtlingsunterkunft für rund 60 Menschen errichten wolle (der GA berichtete am Samstag). "Die Anwohner sind aus allen Wolken gefallen", kritisiert Rudeloff, dass die Gemeinde weder die Fraktionen noch die Bürger vorab informiert und sie "vor vollendete Fakten" gestellt habe. Der Gemeinde fehle es zudem an einem Konzept. Ähnliche Kritik äußert auch Rudeloffs Mann Roger in einem Brief an den Bürgermeister, der dem GA sowie weiteren Adressaten vorliegt.

Bürgermeister Schumacher wollte sich gestern, angesprochen auf den Rücktritt Rudeloffs von ihren Aufgaben als Koordinatorin der Flüchtlingshilfe, nicht dazu äußern. (Christoph Meurer und Antje Jagodzinski)