Färbergärten der Alanus Hochschule in Alfter

Mit Mörser, Tuch und Teller

Peter Reichenbach (2.v.l.) überbringt die Urkunde der UN-University an die Dozentinnen Beatrice Cron (von links) Hildrun Rolff, Corinne Roy, an Bürgermeister Rolf Schumacher und Sigrid Völker.

Peter Reichenbach (2.v.l.) überbringt die Urkunde der UN-University an die Dozentinnen Beatrice Cron (von links) Hildrun Rolff, Corinne Roy, an Bürgermeister Rolf Schumacher und Sigrid Völker.

Alfter. Die Alfterer Alanus Hochschule erhält eine Auszeichnung der United Nations University für ihre neu angelegten Färbergärten.

Wer schon einmal grüne Grasflecken oder das tiefe Violett von Waldbeeren unbeabsichtigt auf seine Kleidung gebracht hat, kennt die großartige Wirkung von Naturfarben. Was absichtslos ein Ärgernis ist, kann als Konzept zu einem faszinierenden Prozess werden.

Inspiriert und motiviert durch „sevengardens“, einer global agierenden Netzwerkinitiative, die sich weltweit für den Bau von Färbergärten als einem ökologisch sinnvollen und zudem niederschwelligen Partizipationsmodell stark macht, wurde nun die Alanus Hochschule in Alfter mit der Einweihung ihres neu angelegten Färbergartens mit einer Urkunde der United Nations University als „Regionalcenter für Sachverstand und Bildung in nachhaltiger Entwicklung“ ausgezeichnet.

„Sevengardens“-Projektleiter Peter Reichenbach freute sich, mit der Alanus Hochschule einen kompetenten Botschafter für die Idee der Färbergärten gewonnen zu haben, von der er sich eine rasche Verbreitung im Umfeld erhofft. Inzwischen kann er von 1380 Partnern in seinem Netzwerk berichten, die von Brasilien über Standorte in Südafrika bis nun auch in Alfter zu finden sind.

An der Alanus Hochschule werden es vor allem die Fachbereiche Kunstpädagogik und -therapie sein, die sich in Zukunft mit der Herstellung und Verarbeitung von Pflanzenfarben beschäftigen. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Architektur sind auf dem Campus II an der Villestraße sieben jeweils etwa einen Quadratmeter große Hochbeete entstanden, die mit unterschiedlichen Gewächsen bepflanzt sind.

Dort sind Kamillenblüten ebenso zu finden wie englische Rosen oder Rote Bete. „Mehr als einen Mörser, ein Tuch und einen Teller braucht man nicht, um Farben herzustellen“, sagt Peter Reichenbach, der in der einfachen Herstellung von Naturfarben viele Vorteile sieht: Diese Bestehen sowohl in der Bildung für Kinder, die damit Aspekte von Nachhaltigkeit und Ökologie erfahren können, als auch in Bereichen, wo die Natur „einen gewissen merkantilen Wert hat“.

Reichenbach weiß, dass sich im touristischen Geschäft mit dem Blau einer bestimmten Alge aus dem Stettiner Haff oder einem Grün aus dem Naturpark Eifel Geschäfte machen lassen, die ökologisch sinnvoll und ökonomisch erfolgreich sein können. „Wenn wir die Welt retten wollen, geht das nicht nur mit Biokartoffeln und guter Bildung, sondern man muss auch etwas verdienen, damit es erfolgreich wird.“ Mit diesem Konzept von „sevengardens“ sind inzwischen Färbergärten bei großen Farbherstellern und Kosmetikfirmen entstanden, die auf Chemie verzichten und damit auch ökologisch ein Gewinn sind.