Frauenquote in Vorgebirge

Mehr weibliche Führung in den Rathäusern

Rheinbach. Das Thema "Frauenquote" birgt im Vorgebirge jede Menge Gesprächsstoff. Der Anteil weiblicher Führungskräfte ist gewachsen.

Der Rat der Gemeinde Alfter hat am 14. April 2016 einen Frauenförderplan beschlossen. Ziel ist es, dass in allen Abteilungen der Verwaltung ein Frauenanteil von 50 Prozent erreicht wird. Umgesetzt ist er schon auf der Fachbereichsleiterebene.

Sabine Zilger (Verwaltungsmanagement) und Claudia Gerhardi (Planung, Entwicklung, Bauen) nehmen dort bereits seit Jahren Führungspositionen ein. Auf der Ebene der Fachgebietsleiter besteht in Zukunft Handlungsbedarf: Hier befinden sich elf Männer in den Chefsesseln, jedoch nur zwei Frauen. Insgesamt sind in der Alfterer Verwaltung mehr Frauen (87) als Männer (61) beschäftigt. Allerdings arbeiten 53 Frauen und nur fünf Männer in Teilzeit.

Das Thema birgt Gesprächsstoff – zumindest für die vier Bornheimer Amtsleiterinnen und die Beigeordnete, die auf Nachfrage des GA spontan zusammengekommen sind und sich nun rege austauschen. „Es ist schade, dass es da offenbar Regelungsbedarf gibt“, findet Marita Meskes-Außem, Leiterin des Amts für Bau und Gebäudewirtschaft, und erntet Zustimmung. Insofern sei die Regelung zu begrüßen, finden auch die Kolleginnen.

Frauenquote bald auch kommunal

Auch Kommunalverwaltungen könnten die Frauenförderung noch „mit mehr Nachdruck“ verfolgen, meint Beigeordnete Alice von Bülow. Die Formulierung „im Wesentlichen“ sei jedoch schwierig, gibt Jugendamtsleiterin Elvira Garbes zu bedenken. „Es ist im Grunde nicht schön, auf dieser Grundlage bevorzugt zu werden“, spricht von Bülow, die als Beigeordnete vom Rat gewählt wurde, zudem den Kritikpunkt an, dass Frauen so nachgesagt werden könnte, sie hätten es eben nur wegen dieser Regelung auf eine bestimmte Stelle geschafft. Auf die Frage, ob sie als weibliche Führungskräfte Vorurteilen inner- oder außerhalb der Verwaltung begegnen, antworten nicht alle mit einem Nein. Es sei häufig eine Generationenfrage, sind die Kolleginnen sich wiederum einig.

Auf Ebene der Amtsleiter halten sich weibliche und männliche Kräfte in Bornheim die Waage: Sechs Ämter werden von Frauen, sechs von Männern geleitet. Dem Verwaltungsvorstand gehören unter Vorsitz des Bürgermeisters zwei Frauen und drei Männer an.

Welche Auswirkungen das neue Gleichstellungsgesetz habe, werde man sich „jetzt noch mal genauer ansehen müssen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler (SPD). Er habe die Gleichstellungsbeauftragte gebeten, in der ersten Jahreshälfte einen Bericht anzufertigen, um feststellen zu können, wo noch Handlungsbedarf bestehe. Im sozialen Bereich und in der Verwaltung insgesamt habe er allerdings den Eindruck, dass es eher gelte, Männern den Einstieg zu erleichtern. Klagen angesichts der neuen Regelung erwarte er – auch wenn diese „schwammig“ sei – aber nicht.

Beispielhaft im Linksrheinischen ist ein Blick in das Rathaus der Stadt Meckenheim: In den Führungspositionen auf Fachbereichsleiterebene erreicht die Apfelstadt eine Quote von 50 Prozent – sieben von 14 Ressorts werden von weiblicher Hand geführt.

Zu diesen Führungskräften gehören Kämmerin Pia-Maria Gietz, Stadtplanungsleiterin Waltraud Leersch, Personal-Fachbereichsleiterin Britta Röhrig und Bettina Wilms, die den Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz leitet.

Darum befürchtet der Erste Beigeordnete Holger Jung durch das überarbeitete Gesetz auch kaum Auswirkungen auf die Meckenheimer Verwaltung. Der Dezernatsleiter erwartet „keine Klagen, geschweige denn eine Klagewelle“, wie er auf GA-Anfrage erklärt. Schließlich sei die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Stadtverwaltung „seit Jahren gelebte Praxis“. Im Hinblick auf „die rechtlich kritisch zu betrachtende Beförderungsregelung des Landes“, so Jung, verfüge die Stadtverwaltung Meckenheim im Stellenplan 2016 über gerundet 27 Beamtenstellen, „deren Stelleninhaber fast alle entsprechend dem ausgewiesenen Stellenwert besoldet werden“, meint der Beigeordnete.

Mehr Frauen als Männer in Swisttal

Das Landesgleichstellungsgesetz und die darin getroffenen Regelungen werden von der Gemeinde Swisttal beachtet und angewendet, sagt der Swisttaler Pressesprecher Bernd Kreuer. Das Geschlechterverhältnis innerhalb der Verwaltung weist einen Anteil von 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männern aus.

Mit Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner wird die Gemeinde seit Oktober 2015 von einer Frau geleitet. Die Beigeordnetenstelle sowie die Fachbereichsleiterstelle Soziales, Öffentliche Sicherheit und Ordnung sind zurzeit vakant. Der Fachbereich Gemeindeentwicklung und der Fachbereich Allgemeine Verwaltung werden von Männern geleitet. Von den insgesamt drei Stabsstellen werden zwei von Frauen geführt.

Von elf Fachgebieten werden vier von Frauen und sieben von Männern geleitet. Im Bereich des gehobenen Dienstes (Beamte und tariflich Beschäftigte) ist eine paritätische Eingruppierung erreicht. Die neue Regelung zu Beförderungen wurde vom Städte- und Gemeindebund im Zuge des Beteiligungsverfahrens bereits kritisch bewertet. Für den Bereich der Gemeinde werden laut Kreuer keine Klagen erwartet, da alle Stelleninhaber entsprechend dem festgestellten und ausgewiesenen Stellenwert eingruppiert oder besoldet werden.

Dem erhobenen Zeigefinger aus Düsseldorf in Sachen Frauenförderung hätte es aus Sicht der Stadt Rheinbach nicht bedurft, wie Pressesprecher Norbert Sauren sagt. Die Umsetzung der Regelung sei im Rathaus bereits „gelebte Praxis“, so Sauren. Alleine in den vergangenen zwei Jahren habe sich auf der Ebene der Fachbereichsleitungen eine Menge getan. Mit Susanne Pauk (Rat, Stadtmarketing, Ordnung, Soziales) und Margit Thünker-Jansen (Stadtentwicklung, Infrastruktur, Bauen) sind nun zwei von fünf Fachbereichen mit weiblichen Führungskräften besetzt.