Flüchtlinge in Alfter

"Manche haben nur eine Plastiktüte dabei"

Norbert Kelter kümmert sich mit Asylbewerber Emama Aderson um die Ausstattung der Flüchtlingsunterkünfte. FOTOS: ROLAND KOHLS

Norbert Kelter kümmert sich mit Asylbewerber Emama Aderson um die Ausstattung der Flüchtlingsunterkünfte.

ALFTER. Versorgung von Flüchtlingen bedeutet zunächst einmal Möbel schleppen, Schränke aufbauen, Waschmaschinen in die Unterkünfte wuchten. Aber damit ist es für Norbert Kelter nicht getan.

Der für diese Arbeiten seit 1999 angestellte Hausmeister der Gemeinde Alfter ist als erster Ansprechpartner für Asylbewerber auch Vertrauensperson, Übersetzer von Behördenpost und Wegbegleiter beim ersten Gang zum Kindergarten oder zur Schule. Alle zwei bis drei Tage schaut er in den aktuell acht Unterkünften nach dem Rechten und kennt alle Bewohner persönlich.

Zuerst das Formale

Inzwischen sind es rund 110 Menschen, die der Gemeinde Alfter zugewiesen wurden. Ohne einen zweiten Hausmeister geht es nicht mehr. Die Stelle ist ausgeschrieben. Oft hat die Gemeinde gerade mal eine Woche Zeit, um sich auf Neuankömmlinge vorzubereiten. Sie werden von der Bezirksregierung Arnsberg per E-Mail angekündigt und am Ankunftstag irgendwann zwischen 10 und 15 Uhr mit einem Bus zum Rathaus in Oedekoven gebracht. "Manche haben nur eine Plastiktüte dabei, andere zwei Koffer", sagt Markus Jüris, Leiter des zuständigen Fachgebietes Sozialwesen. Zunächst wird Formales erledigt und die Versorgung mit Bankscheck, Krankenschein sowie Mobilpass.

Die Grundausstattung

Dann übernimmt schon Norbert Kelter, der Englisch und Französisch beherrscht und Grundkenntnisse in Spanisch besitzt. Der 59-jährige Elektromeister bringt die Ankömmlinge mit Sack und Pack in die Unterkunft, die er zuvor möbliert hat: mit Betten und Wäsche, mit Tischen und Stühlen, mit Kühlschrank und Waschmaschine, mit Kochgeschirr und Besteck. Auch Putzzeug und ein Wäscheständer fehlen nicht.

"Wir schauen uns in Sozialkaufhäusern um, suchen Brauchbares bei Wohnungsauflösungen und durchstöbern Kleinanzeigen für den Ausstattungsbedarf", erläutert Jüris. Er nutzt den kurzen Draht zur Kleiderstube der Frauenunion in der Gemeinschaftshauptschule und schickt mitunter auch eine Mail an alle Mitarbeiter, wenn gezielt Gegenstände benötigt werden. Zurzeit etwa Standherde, Spülen und gut erhaltene Kühlschränke. "Wir wollen hier aber keine Müllhalde", sagt Jüris. Was auch immer angeboten wird, schaut sich Norbert Kelter vorher an. Was darüber hinaus fehlt, muss gekauft werden. Bettwäsche? Gern.

"Aber wir können nicht auch noch flicken, waschen und bügeln", wehrt Kelter ab. "Wir wollen auch keinen wuchtigen, viertürigen Eichenkleiderschrank", ergänzt Jüris. Häufig wird umgezogen. Durch die steigende Zahl von Asylbewerbern ist die Gemeinde ständig auf der Suche nach Wohnraum. Neue Unterkünfte ermöglichen dann das Zusammenlegen von Personen, die besser zusammenpassen.

Die neue Umgebung

Mit den Neuzugängen fährt Kelter die wichtigsten Wege ab. Er zeigt ihnen, wo das nächste Geschäft, die Arztpraxis und Bank ist, wo der Bus abfährt und wie man zur Kleiderstube kommt. Ganz wichtig ist Kelter auch, dass Kinder rasch in den Kindergarten und in die Schule kommen.

Unter den Asylbewerbern sind gegenwärtig nur rund ein Dutzend Kinder im Alter unter 14 Jahren. Bei den meisten Asylsuchenden handelt es sich um junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Kelter ist froh, dass ihn bei der Arbeit ein Asylbewerber unterstützt. Es ist Emama Aderson aus dem Kongo, der seit 20 Monaten in Alfter lebt. Für seine freiwillige gemeinnützige Tätigkeit erhält er pro Stunde 1,20 Euro zusätzlich. Mit den Jahren hat sich Kelter Kenntnisse über das deutsche Asylrecht angeeignet. Er schaut sich Behördenpost an und kann den Betroffenen sagen, was sie nun tun müssen.

Helfer im Hintergrund

Für spezielle Problemlagen verfügt Sozialamtsleiter Jüris über einen Pool an Menschen, die er ansprechen kann: von Übersetzungshilfen für Arabisch bis zur Übernahme einer Vormundschaft für einen minderjährigen Asylbewerber. Für gewünschte sportliche Aktivitäten hat Jüris Ansprechpartner in den Vereinen. Auch alltagsbegleitende Hilfen für Asylbewerber hat eine Bürgerin angeboten und Jüris versuchte, den Kontakt zu vermitteln. Doch die drei Familien, die er angesprochen hat, waren nicht interessiert. In anderen Fällen hat sich ehrenamtliches Begleiten von Flüchtlingsfamilien aus der Nachbarschaft heraus ergeben.

Wer Wohnraum für Asylbewerber in Alfter an die Gemeinde vermieten möchte, Chinesisch kann oder einen funktionstüchtigen Kühlschrank übrig hat, wendet sich an Markus Jüris, Fachbereich Sozialwesen, Tel. 0228/6484179.

Neue Unterkunft geplant

Um Platz für weitere Flüchtlinge zu schaffen, plant die Verwaltung auf der Wiese neben dem Rathaus eine Unterkunft in Modulbauweise zu errichten. Aktuell leben in Alfter rund 110 Flüchtlinge, intern geht die Gemeinde von 100 bis 150 Neuankömmlingen in diesem Jahr aus. Gebaut werden soll die Unterkunft, um nicht auf Turn- oder Mehrzweckhallen zur Unterbringung zurückgreifen zu müssen.

Zu den Kosten will sich die Verwaltung noch nicht äußern. Klar ist aber, dass der Bau den klammen Haushalt der Gemeinde belasten wird. Der Gemeinderat wird bei seiner Sitzung am Donnerstag, 26. Februar, über das Vorhaben beraten.

Weitere Ehrenamtliche gesucht

Die Kleiderstube in Oedekoven ist für die Gemeinde Alfter eine wichtige Stütze bei der Erstversorgung von Asylbewerbern mit Kleidung und Bettwäsche, auch gescheite Töpfe werden gern genommen. Träger der Kleiderstube ist seit 1997 der Verein "Sozialer Arbeitskreis der CDU Frauenunion Alfter", die diese Einrichtung schon 1982, damals in Alfter, gründete. 1989 bezog man Räume in der Gemeinschaftshauptschule Oedekoven. Damals wie heute wird die Einrichtung ehrenamtlich von Frauen betrieben.

Sie nehmen die Spenden an und sortieren sie, um Kleidung, Kindersachen, Hausrat für die Küche und Spielzeug für wenig Geld wieder abzugeben. Ein Nachweis von Bedürftigkeit wird dabei anders als bei der Lebensmittelausgabe nicht verlangt. Jeder Interessierte kann dort einkaufen. Die Kleiderstube in der Hauptschule in Oedekoven ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Wer Interesse hat, das Team zu unterstützen - besonders für die Freitage werden zurzeit noch Helfer gesucht - kann sich bei der Vorsitzenden Brigitte Schächter melden: Tel. 0228/645439.

Jeden Mittwoch drängen sich vor dem katholischen Pfarrheim am Jungfernpfad 17 in Oedekoven bedürftige Menschen und warten auf die Ausgabe von Lebensmitteln. Egal, wie viel Brot, Gemüse und Obst sie bekommen - pro Person zahlen sie dafür nur einen Euro, pro Familie 1,50 Euro. Die Zahl der Haushalte, die das Angebot der evangelischen und katholischen Kirchen von Bornheim und Alfter (LebEKa) in Anspruch nehmen, hat sich in Oedekoven seit dem Start im Dezember 2010 stark erhöht: 24 Haushalte waren es in der Anfangszeit, inzwischen sind 88 Haushalte mit insgesamt 240 Angehörigen registriert. Unter ihnen sind immer mehr Asylbewerber.

Kisten schleppen, die Ware aufbauen, verteilen und hinterher wieder aufräumen und den Pfarrsaal putzen - das ehrenamtliche Team hat alle Hände voll zu tun. Helfer sind daher willkommen. Kontakt: Koordinator Alois Wollersheim, Rufnummer 02222/2523.