Die Donnnerstags-Gesellschaft

Kunstausstellung in Alfter erinnert an Künstlertreff

Intensive Momente mit der Kunst gab es bei der Vernissage in Alfter.

Intensive Momente mit der Kunst gab es bei der Vernissage in Alfter.

Alfter. Über 200 Gäste besuchen die Vernissage zur Ausstellung der "Donnerstags-Gesellschaft 2.0". Künstlerin Eva Ohlow berichtet aus ihren Erinnerungen.

Lässig sitzt die Künstlerin Eva Ohlow mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Tisch im großen Saal des Alfterer Restaurants Spargel Weber. In ihrem knallroten Kleid wirkt die 79-Jährige vor dem riesigen, den Raum beherrschenden Gemälde beinahe selbst wie ein Kunstwerk. Obwohl sie weder laut noch gestenreich erzählt, gehört ihr die volle Aufmerksamkeit der rund 60 Besucher, die am Sonntagnachmittag zum zweiten Teil der Ausstellungseröffnung „Donnerstags-Gesellschaft 2.0“ gekommen waren. Nachdem die Ausstellung, die noch bis zum 14. Juli im Alfterer Schloss zu besichtigen ist, am Samstagabend mit einer großen Vernissage eröffnet worden war, stand am Sonntag ein Erlebnistag auf dem Programm, bei dem die Künstlerin während eines Spaziergangs von ihrer Kindheit in Alfter berichtete.

„Als Kinder haben wir in diesem Saal bei Proben von Theaterstücken zugeschaut und uns auch selbst Stücke ausgedacht“, erzählt Ohlow, deren Vater Hubert Berke als einer der herausragendsten abstrakten Künstler der Nachkriegszeit und als Wegbereiter des Informel gilt. Mit seiner Familie kam er 1947 nach Alfter und lebte elf Jahre dort. Der befreundete Rechtsanwalt Willi Weber hatte die Künstlerfamilie ins Vorgebirge geholt und ihr im hinteren Teil des Gasthauses Spargel Weber, in der Knechtstube, über den Ställen, eine Bleibe gegeben. Berke wurde zu einem Protagonisten der Donnerstagsgesellschaft, einem Künstlertreff, bei dem im Alfter Schloss zwischen 1947 und 1950 Künstler, Musiker, Literaten, Schauspieler und andere Intellektuelle zu regelmäßigen Treffen zusammenkamen.

Viel Unterstützung aus dem Ort

Bislang hatten Besucher eher selten Gelegenheit, den künstlerischen Nachlass Berkes zu sehen, eine gemeinsame Ausstellung von Vater und Tochter, wie sie nun im Alfterer Schloss geboten wird, gab es noch nie. Zur Vernissage waren am Samstagabend mehr als 200 Gäste gekommen. „Zu den rund 120 angemeldeten Besuchern sind geschätzte 80 bis 90 Gäste spontan dazu gestoßen“, freute sich Fotografin Alexandra Runge über das riesige Interesse. Sie hatte das zweitägige Event mit viel Herzblut und Engagement gemeinsam mit der Vorsitzenden des Fördervereins Haus der Alfterer Geschichte, Bärbel Steinkemper, Kassiererin und Schlosswartin Luise Wiechert und Eventmangagerin Diane Ihlefeld vorbereitet und führte durchs Programm.

Viele Sponsoren und Alfterer Firmen unterstützten die Initiative, die nach dem Willen der Organisatoren eine Initialzündung zur Wiederbelebung der Donnerstags-Gesellschaft sein soll. In Vertretung von Landrat Sebastian Schuster, der die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat, begrüßte Landrätin Michaela Balansky die Besucher. Während Gabriele Uelsberg, Direktorin des Rheinischen Landesmuseums Bonn, über das künstlerische Schaffen und Wirken von Hubert Berke und Eva Oholw referierte, erinnerte Roswita Weber, Schwiegertochter des oben genannten Wilhelm Weber, über die Donnnerstags-Gesellschaft.

Die Pianisten Wilhem Kemper und Sung-Hee Kim-Wüst begleiteten das Programm musikalisch. Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher zeigte sich beeindruckt von dem, was die Initiatoren auf die Beine gestellt haben. Bärbel Steinkemper als Vorsitzendes des Fördervereins Haus der Alfterer Geschichte betonte den Brückenschlag zwischen Rückblick und Blick in die Zukunft, den die Ausstellung in einzigartiger Weise untermauert. Die Ausstellung ist bis Mittwoch, 14. Juli im Schloss Alfter, Schlossweg, jeweils täglich von 16 bis 18 Uhr und sonntags ab 15 Uhr geöffnet.