Projekt „Himmel un Ähd“

Kunstaktion im Herrenwingert spaltet die Alfterer

Der mit Silberfolie überzogene Herrenwingert zog viele Interessierte, darunter auch Kommunalpolitiker, an.

Der mit Silberfolie überzogene Herrenwingert zog viele Interessierte, darunter auch Kommunalpolitiker, an.

Alfter. Das Projekt „Himmel un Ähd“ der Alanus Hochschule und der Gemeinde, das in einem Konzept für die Neugestaltung des Herrenwingerts münden soll, entfacht eine Debatte im Internet.

Ist das Kunst oder kann das weg? Im sozialen Netzwerk Facebook hat die Aktion „Himmel un Ähd“ eine kontroverse Debatte ausgelöst. Wie berichtet, hatten Studenten der Alanus Hochschule am vergangenen Sonntag den Herrenwingert mit Silberfolie ausgelegt.

Die Aktion war Teil einer Kooperation zwischen der Hochschule und der Gemeinde Alfter, bei der Architekturstudierende Entwürfe für die Neugestaltung des Platzes entwickeln. „Himmel un Ähd“ sollte als Titel unter anderem darauf verweisen, dass sich der Himmel in der Folie auf dem Platz spiegelte. Die Alfterer Bürger sollten dazu animiert werden, ihre eigenen Ideen für die Umgestaltung des zentralen Treffpunkts von Alfter-Ort einzubringen.

Auf Facebook wurde indes über den Sinn der Aktion munter diskutiert. So kritisierten einige Nutzer des Netzwerks auf einer speziellen Unterseite über Alfter den Einsatz der Folie unter energetischen, ökologischen und finanziellen Gesichtspunkten. Andere beanstandeten das dafür erlassene Parkverbot auf dem Herrenwingert. Es seien sogar Autos deswegen abgeschleppt worden, hieß es. Die Meinung der Bürger zur Platzumgestaltung werde „eh nicht gehört“, so eine weitere Ansicht. Andere Facebook-Nutzer nahmen die Aktion und deren Absicht hingegen in Schutz – verbunden mit Lob für die ihrer Ansicht nach originelle Idee. Schließlich sollte sie ja zur Diskussion anregen.

Planung stößt auf Unverständnis

Bei der Folie handelt es sich laut Tatjana Fuchs, Sprecherin der Alanus Hochschule, „um handelsübliche Rettungsdecken, die für weitere Kunstaktionen verwendet werden“, wie sie auf Anfrage des General-Anzeigers sagte. Die Kritik bezüglich der Umweltverschmutzung weist sie zurück.

Vor allem, dass der Parkplatz für die Aktion gänzlich gesperrt werden musste, stieß bei den Alfterern auf Unverständnis. Fuchs erklärt, dass eine Vollsperrung unumgänglich gewesen sei. „Allein schon, um die Dimension der Fläche und das Potenzial einmal offen vor Augen zu führen.“ Nach wie vor können die Bürger mit den Studierenden in den Diskurs einsteigen und Ansichten zu der Umgestaltung des Herrenwingerts äußern.

Entwürfe zu weit von der Realität entfernt?

Fuchs verspricht, dass alle Kommentare und Anregungen von den Studierenden dokumentiert und Anfang des kommenden Jahres dem Rat und der Verwaltung der Gemeinde Alfter übergeben werden. Intention der nun polarisierenden Kunstaktion war laut Fuchs „auf das Potenzial des Herrenwingerts jenseits des derzeitigen Zustandes als Parkplatz aufmerksam zu machen“.

Des Weiteren ist die Aktion Auftakt zu einer offenen Werkstatt in einem bisher leerstehenden Ladenlokal im Innenhof der Ladenzeile hinter der Eisdiele am Herrenwingert (der General-Anzeiger berichtete). Dort haben alle Bürger der Gemeinde die Gelegenheit, anhand von zehn unterschiedlichen Entwürfen der Architekturstudierenden zu einer möglichen Zukunft des Herrenwingerts ihre eigenen Gedanken, Wünsche, Anregungen, Bedenken und Sorgen zu formulieren. Die Ideen-Werkstatt ist geöffnet an den Donnerstagen, 16., 23. und 30. November sowie am 7. Dezember, jeweils von 9.30 bis 16 Uhr.

Skepsis bei Gabi Haag

Gabi Haag, Vorsitzende des Alfterer Gewerbevereins und Inhaberin des Fotostudios „Gabis Fotowelt“ am Herrenwingert, glaubt nicht, dass die Kunstaktion der Alanus-Studenten den Gewerbetreibenden etwas bringt. „Ich hätte mich gefreut, wenn die Studenten mit uns Einzelhändlern in den Dialog getreten wären. Allein schon, damit nicht alles auf den dortigen Supermarkt reduziert wird“, sagt Haag.

Obwohl sie und andere Händler dem „Ganzen sehr skeptisch und zurückhaltend“ gegenüber stehen, ist sie immer dafür, dass in Alfter etwas passiert – auch kunsttechnisch. „Die Entwürfe sind zu weit von der Realität des Dorfes entfernt“, kritisiert Haag. „Wenn die Bürger vernehmen, dass ein dreistöckiges Hochhaus unter den Vorschlägen ist, glauben sie, dass dieses tatsächlich kommen wird“, ergänzt sie.