Anwohner klagen über Lärm

Kreis prüft nach Lärmbeschwerden Gutachten zu Wester Werken

Blick auf das Gelände der Wester Mineralien GmbH mit Produktionshalle (vorne) und Lagerhalle. Eine Aufnahme im Inneren der Hallen gestattete das Unternehmen mit Verweis auf Konkurrenz durch andere Betriebe nicht.

Blick auf das Gelände der Wester Mineralien GmbH mit Produktionshalle (vorne) und Lagerhalle. Eine Aufnahme im Inneren der Hallen gestattete das Unternehmen mit Verweis auf Konkurrenz durch andere Betriebe nicht.

ALFTER-WITTERSCHLICK. Einem „Wummern“ gleichen die von den Wester Werken ausgehenden Geräusche, die viele Witterschlicker nerven. Das Unternehmen hält dagegen und meint: Die veranlassten Lärmschutzmaßnahmen greifen bereits.

Rund 40 000 Euro hat die Wester Mineralien GmbH nach eigenen Angaben seit Dezember 2016 in Lärmschutzmaßnahmen investiert. Bekanntlich klagen Anwohner aus dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Geltorfviertel über Belastungen durch den Produktionslärm des Unternehmens, das mit dem Mineral Korund handelt.

Insbesondere sogenannte tieffrequente Geräusche, die sie wie ein „Wummern“ empfinden, machen den Bürgern zu schaffen. Nachdem die Bezirksregierung im Dezember 2016 im Auftrag des Rhein-Sieg-Kreises Messungen durchgeführt hatte, die eine „erhebliche Belästigung“ durch tieffrequente Geräusche nachwiesen, hatte der Kreis den Wester Werken eine Frist bis April gesetzt, um Schallschutzmaßnahmen vorzunehmen.

Lärmquellen seien bereits beseitigt worden

Unter anderem sei die Innenwand der Produktionshalle in Richtung der Wohnbebauung hin verkleidet worden, berichten Geschäftsführer Harald Wester und seine Tochter Nicola, die Prokura in dem Familienunternehmen hat, im Gespräch mit dem GA. Zudem habe man an den Anlagen möglichen Lärmquellen nachgespürt, um diese zu beseitigen.

„Es gibt ein paar Teile, die spielen Gitarrenboden, die fangen in der Maschine an zu schwingen“, erklärt Harald Wester. Zudem seien es die Verkleidungen an manchen Anlagen, „die anfangen zu wuppen“. Es gehe aber auch um sich überlagernde Schwingungen, die schwer zu finden seien. „Die tieffrequenten Wellen gehen auch nicht alle von uns aus“, meint Nicola Wester und verweist auf die Deutsche Steinzeug AG, die sich ebenfalls im Ort befindet, und auf die Regionalbahn. „Witterschlick war schon immer ein Industrieort“, fügt sie hinzu, betont aber auch: „Ich kann die Sorgen der Bürger verstehen.“

Der Betrieb habe jüngst ein neues Gutachten beim Tüv beauftragt, das auch dem Rhein-Sieg-Kreis bereits vorliege, führt Harald Wester fort. „Die Gesamtbelastung außen ist durch den Schallschutz um ungefähr sechs Dezibel vermindert, das ist eine Halbierung der Lautstärke“, sagt er. Aber es gehe natürlich auch immer um subjektives, persönliches Empfinden.

„Wir haben die Situation nicht verschlechtert“

Vom Rhein-Sieg-Kreis heißt es dazu, der Messbericht des Tüv werde zurzeit geprüft. „Der Schallschutz ist noch nicht abgenommen“, sagt Pressesprecherin Rita Lorenz. Eine weitere Messung durch die Bezirksregierung werde nur dann erfolgen, wenn der Kreis diese um Amtshilfe bitte – etwa falls er Zweifel an dem Tüv-Gutachten hegen sollte.

Anwohner schildern indes, dass in Sachen Lärm keine Verbesserung zu bemerken sei und die Belastung über den Tag verteilt schwanke. So könne gelegentlich der Eindruck entstehen, die Situation sei besser geworden.

Auf dem Betriebsgelände selbst ist ein lautes Rütteln und Grollen zu hören, das von der Produktionshalle nach draußen dringt, aber auch spürbar abnimmt, lässt man das Gelände einige Schritte hinter sich. Die frühere Tonbergbaufirma arbeitet mit dem Mineral Korund, das sie in verschieden feinen Körnungen siebt. Die Rohstoffe kämen zu einem Großteil aus China, erklärt Nicola Wester.

Rund 80 Prozent der Produktion würden für Fußböden verwendet und gingen vor allem in die Laminatindustrie. Die Körner sorgten in der Deckschicht für die nötige Abriebhärte und verlängerten die Lebensdauer des Laminats. Nur noch einen geringen Anteil von ein bis zwei Prozent an der Tätigkeit des Unternehmens mache das Recycling von gebrauchtem Korund aus – dies übernehme nun vorwiegend die Tochtergesellschaft in Polen, schildert sie.

Gesprächsbereitschaft um den Konflikt zu klären

Eine weitere, nicht hundertprozentige Tochter in Afrika versorge den lokalen Markt mit Schleifmitteln und bereite Rohstoffe für Witterschlick vor. Jeweils 20 Mitarbeiter seien an den beiden Auslands-Standorten tätig, rund 50 in Witterschlick.

Was Westers am Protest der Anwohner nicht verstehen können: „Die Situation ist, wie sie ist, wir haben sie nicht verschlechtert“, sagt Nicola Wester. Ihr Vater verweist zudem auf den Bestandsschutz des Unternehmens, das seit 1961 vor Ort sei – einige der Häuser seien indes erst später gebaut worden, betont er. Öffentliche Beschwerden von Bürgern gegen die tieffrequenten Geräusche hatten sich ab September 2016 geregt, nachdem der Kreis einen Bauantrag der Wester Werke über die Nutzungsänderung einer Lagerhalle in eine Produktions- und Lagerhalle entgegen dem Votum der Gemeinde Alfter genehmigt hatte.

Seit mehr als 20 Jahren immer wieder ein Thema ist der Lkw-Verkehr, der nur durch enge Wohnstraßen zum Betrieb gelangt. Für die Kottenforststraße habe das Unternehmen eine Ampel-Wechselschaltung für Lkw angeregt, um Begegnungen der Laster zu verhindern, sagt Harald Wester. Das kürzlich vom Kreis erlassene Lkw-Nachtfahrverbot auf den Zufahrtsstraßen sei „durchaus sinnvoll“. Die vom Gemeinderat geforderte Tonnagebeschränkung am Tag hingegen halte er für „einen Scherz“: „Dadurch würde sich die Anzahl an Lkw nur erhöhen.“ Acht Lkw pro Tag hat der Kreis Wester derzeit erlaubt.

Sie seien weiterhin für Gespräche mit Behörden und Politik bereit, sagen Nicola und Harald Wester. Aber: Ein Umzug komme nicht infrage. „Das können wir uns nicht leisten, das wären zweistellige Millionenbeträge, die dann fällig werden“, so Harald Wester.