Verkehr in Volmershoven

Knappe Mehrheit für den Ausbau

Alfter-Volmershoven. Die Arbeiten an der Kottenforststraße in Volmershoven, die momentan in sehr schlechtem Zustand ist, können beginnen. Anwohner kritisieren weiterhin den Lkw-Verkehr vor Ort.

Die Entscheidung fiel knapp aus: Mit neun zu sieben Stimmen, bei einer Enthaltung, beschloss der Ausschuss für Gemeindeentwicklung den Ausbau der Volmershovener Kottenforststraße. Dafür stimmten CDU und UWG sowie ein SPD-Ausschussmitglied. Zwei SPD-Vertreter votierten dagegen, ebenso wie die Ausschussmitglieder der Grünen und der Freien Wähler. Die FDP enthielt sich der Stimme.

Die Straße ist ins diesjährige Ausbauprogramm gerutscht, da eine Erneuerung der Wasser- und Abwasserleitungen ansteht. So sollen Synergieeffekte geschaffen werden. Die Straße ist in einem schlechten Zustand. Das liegt vor allem an den Schwerlasttransportern, die von und zu den Wester Werken fahren. Wie Diplom-Ingenieur und Straßenplaner Klaus Schlupp in der Ausschusssitzung erläuterte, werde von einem 40-Tonner bei einer Geschwindigkeit von über 35 Stundenkilometern eine enorme Energie in die Straße abgeleitet, die sich wellenförmig ausbreitet und sich auf die angrenzenden Bauwerke überträgt.

„Diese Energie wird von den Anliegern als massive Erschütterungen im gesamten Wohnhaus wahrgenommen und reklamiert“, so Schlupp. Führen die Lkw nur 20 Stundenkilometer, würde das im Umfeld nicht mehr störend wahrgenommen. Daher seit das Ziel des Ausbaus, die Geschwindigkeit der Lkw zu reduzieren, etwa durch alternierendes Parken am Straßenrand. Dennoch bleibt ein Problem: Die Fahrbahn wird auch nach dem Ausbau zu eng sein, damit zwei Lkw aneinander vorbeifahren können. Laut Schlupp wird in solchen Fällen aber nicht der Bürgersteig, sondern nur das angelegte Schrammbord überfahren.

Überhaupt der Lkw-Verkehr: Wie berichtet, hatten sich Anwohner der Kottenforststraße und der Straße Auf dem Acker mit einem offenen Brief an die Gemeinde und den Rhein-Sieg-Kreis gewandt. Darin kritisieren sie unter anderem, dass die Straße – deren Ausbau sie grundsätzlich begrüßen – auch weiterhin für Lkw befahrbar und somit für die Fußgänger gefährlich bleibe. Sie fordern unter anderem, dass es keinen Lkw-Verkehr mehr von und zu den Wester Werken durch die Wohnviertel von Witterschlick und Volmershoven-Heidgen geben soll, einhergehend mit einem Umzug des Unternehmens. Kurzfristig soll eine Einbahnregelung für den An- und Ablieferverkehr angeordnet werden.

Diese Forderung hielten die Anwohner auch nach der Sitzung aufrecht. Eine Abordnung aus Volmershoven-Heidgen war in den Ratssaal gekommen und vernahm etwa, wie sich Michael Schroerlücke (Grüne) echauffierte: „Ich beneide die Leute in der Kottenforststraße nicht“, sagte er. Die Menschen bekämen längere Zeit eine Baustelle, hätten lieber eine Straße ohne Schwerlastverkehr und dürfen dafür auch noch Anliegerbeiträge bezahlen. Mit Blick auf die Überlegungen, wie der Lkw-Verkehr von und zu den Wester Werken geregelt werden soll (siehe Infobox unten), forderte Schroerlücke, dass der Kreis sich nochmals „vertieft Gedanken“ machen soll. Den Lkw-Begegnungsverkehr auf der Kottenforststraße nannte er ein „Meisterstück der Improvisationskunst“.

Holger Gratz (CDU) kritisierte, dass Fußgänger in diesem Fall auf den Verkehr Rücksicht nehmen müssten. Fridhelm Marx (SPD) schoss gegen die Union. Das Problem bestünde heute nicht, wenn die CDU in den 90er Jahren nicht dafür gesorgt hätte, dass die Wester Werke in einen Industriebetrieb umgewandelt werden durften. Marx: „Die Wester Werke müssen da raus.“

Auf Unverständnis in den Zuschauerreihen stieß eine Aussage von Klaus Schlupp. „Wir überbewerten das Thema Lkw“, meinte er. Eine Verkehrszählung im Juni 2016 habe ergeben, dass am Tag durchschnittlich 1094 Autos durch die Straßen fahren, davon seien 57 Lkw.