Rohstoffe im Vorgebirge

Kategorisierung von Rohstoffen geändert

Die Quarzkiesgrube zwischen Buschhoven und Flerzheim. ARCHIVFOTO: FUSS

Die Quarzkiesgrube zwischen Buschhoven und Flerzheim. ARCHIVFOTO: FUSS

Alfter/Rheinbach/Swisttal. Der Regionalrat ändert die Kategorisierung von Rohstoffen. Betroffen ist auch der hochreine weiße Quarzkies, wie er in den beiden Gruben bei Alfter-Witterschlick sowie zwischen Rheinbach-Flerzheim und Swisttal-Buschhoven abgebaut wird.

Es ist ein relativ trockener Bericht, mit dem sich der Regionalrat bei der Bezirksregierung Köln am vergangenen Freitag beschäftigt hat. Für Naturschützer aus dem Vorgebirge und dem Kottenforst hatte er es aber in sich. Schließlich ging es dabei um die Zukunft des Kiesabbaus in der Region.

Wie Dirk Schneemann von der Pressestelle der Bezirksregierung auf Anfrage sagte, habe der Regionalrat den Bericht und dessen Folgen einstimmig abgesegnet. Das Textwerk behandelt den sogenannten hochreinen weißen Quarzkies, wie er in den beiden Gruben bei Alfter-Witterschlick sowie zwischen Rheinbach-Flerzheim und Swisttal-Buschhoven abgebaut wird. Quarzkies findet in vielen Bereichen Verwendung, etwa in der Baustoff- und Feuerfestindustrie, bei der Herstellung von Glas, Keramik und Emaille oder auch im Garten- und Landschaftsbau.

In ihrem Bericht führen die Experten unter anderem an, dass in beiden Gruben zwischen 2012 und 2017 durchschnittlich 140 000 Tonnen Kies pro Jahr abgebaut wurden. Bei einem – viel höher – festgesetzten Abbaubedarf von 224 000 Tonnen pro Jahr würden die Vorkommen noch rund 24 Jahre reichen, heißt es weiter. Für die Naturschutzverbände am wichtigsten ist aber eine Passage des Berichts das Adjektiv „weiß“ betreffend. So heißt es im Bericht: „Die Regionalplanungsbehörde Köln und der Geologische Dienst NRW sind der Auffassung, dass die Bedeutung des Merkmals hoher Quarzgehalt die Bedeutung des Merkmals Färbung überwiegt.“ Und weiter: „Die Färbung erscheint aus heutiger Sicht grundsätzlich ein wenig eindeutiges Merkmal zur Bestimmung von Rohstoffgruppen zu sein.“ Aus diesem Grund wird es nach dem Beschluss des Regionalrats keine gesonderten Berichte mehr für hochreinen weißen Quarzkies geben. Dieser wird nun in eine andere, übergeordnete Rohstoffkategorie eingeordnet.

Was auf den ersten Blick sehr theoretisch klingt, ist für die Mitglieder des Landschafts-Schutzvereins Vorgebirge (LSV) und des Landschaftsschutzvereins Kottenforst (LSK) ein Grund zur Freude. „Damit sinkt die Gefahr für den Kottenforst und die Wald-Ville erheblich, noch mehr Flächen an den Bergbau zu verlieren“, sagt LSV-Vorsitzender Michael Pacyna. Im Vorfeld der Entscheidung hatten LSV und LSK in einem Brief an die Regionalratsmitglieder gegen die Kategorie „weiß“ mobil gemacht. Laut Pacyna war sie im Jahr 2004 von Bergbauunternehmern durchgesetzt worden. Außer in der Region gebe es sie nirgendwo in NRW, sagt er weiter. Da sie nun wegfalle, hätten die Unternehmer ein gewichtiges Argument weniger, um weitere Flächen im Kottenforst und der Ville zu erschließen, falls die beiden Gruben einmal erschöpft seien. Auf die bestehenden Gruben hat die Entscheidung aber keinen Einfluss.

Ungeachtet der Färbung gibt es verschiedene Abbaustätten für hochreinen Quarzkies in Nordrhein-Westfalen. Dazu LSK-Vorsitzender Thomas Klodt: „Nur in konfliktärmeren Gebieten lassen sich Kompromisse finden, mit denen alle leben können, die gegensätzliche Ansprüche an die Nutzung einer Landschaft haben.“