Verband der Landwirtschaftskammern

Johannes Frizen ist ein Präsident von nebenan

Im Stall: Johannes Frizen mit seinen Rindern.

ALFTER-RAMELSHOVEN. Johannes Frizen (64) aus Ramelshoven steht dem Verband der Landwirtschaftskammern vor. Eine der prägendsten Entscheidungen im Leben von Johannes Frizen fällte er zwischen drei und fünf Uhr morgens in Frankreich, als er mit Bekannten in geselliger Runde beisammensaß.

Da hatte er schon längst, nach einem Unfall seines Vaters, mit 23 Jahren den elterlichen Hof in Ramelshoven übernommen. 1972 war das, als noch Kernobst und Milchrinder die Schwerpunkte des rund 70 Hektar großen Betriebs bildeten. Von der Herde trennte er sich, die Spezialisierung auf das Kernobst vertiefte der Gärtnermeister, Fachrichtung Obstbau.

Mit der Reinzucht von Rinderrassen begann der heutige Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen 1975 durch einen "reinen Zufall". Johannes Frizen war in Frankreich unterwegs, um sich Beregnungsanlagen für seine Obstplantagen anzuschauen, als er ein Tier der Rasse Limousin, ein Fleischrind, kaufte.

Bald nahm er an Ausstellungen teil und stellte 1986 zum ersten Mal das Siegertier der Rasse Limousin in einer Schau in Hannover. "Das werde ich nie vergessen", sagt er in der Rückschau. Und so kam es schließlich zu jenem denkwürdigen Augenblick, als er "aus einem Bauchgefühl heraus" seine "erste blonde Kuh" kaufte. Eine Investition mit Risiko, wurde die Rasse doch noch nicht im Herdbuch geführt, in dem alle Abstammungsnachweise von Zuchttieren gesammelt sind.

Das Tier, das der heute 64-Jährige aus Frankreich einführte, war der Beginn der Blonde d'Aquitaine-Zucht in Deutschland, die bis heute ihren Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und Hessen hat. Die spontane Entscheidung hat sich ausgezahlt. "Dadurch habe ich viele Kontakte bekommen. In der Züchterschaft hat sie mir sozusagen einen Stempel aufgedrückt."

Heute kann sich der Landwirt, der nach seiner Schulzeit an der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bonn auch eine entwicklungsdienstliche Ausbildung absolvierte und mit dem Rucksack in Nepal und Afghanistan unterwegs war, nur noch selten der Arbeit auf dem Hof widmen. Als Präsident des deutschen Verbandes der Landwirtschaftskammern ist er viel unterwegs. Stundenweise, in den Sommerferien, oder in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr kümmert er sich selbst um Rinder und den Ackerbau - Weizen, Silo-Mais und Gerste -, auf den er mittlerweile umgestellt hat.

"Die Hauptlast des Ehrenamtes tragen meine Frau und ein Mitarbeiter", meint der 64-Jährige. Selbst an den Wochenenden ist er in Sachen Kammer oder im Schauwesen der Rinderzucht unterwegs. Die hohe zeitliche Beanspruchung sieht er aber gelassen. "Wenn ich für die Kammer nach Berlin fahre, sehe ich die Zugfahrt als Entspannung." Schließlich sei die Arbeit sehr vielseitig. Aktuell standen zum Beispiel Freisprechungen von Auszubildenden an.

"Ich finde es unheimlich spannend, zu erfahren, was junge Menschen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, dazu bewegt, einen Beruf im landwirtschaftlichen Bereich zu übernehmen", so Frizen. "Gleichzeitig erhalten wir Feedback zu unseren Dienstleistungen für Bauern und Gärtner." Denn diese können bei der Landwirtschaftskammer Beratung einkaufen, etwa, wenn größeren Investitionen in Landmaschinen anstehen oder wenn Pflanzen Verfärbungen zeigen. Um ihre Beratung zu verbessern, kooperiert die Landwirtschaftskammer mit Universitäten und Fachhochschulen.

So gibt es etwa ein Projekt zum Klimaschutz in Zusammenarbeit mit der Uni Bonn. Untersucht wird, wie sich die Zusammensetzung von Tierfutter auf den Methanausstoß auswirkt. Die meisten der Forschungsprojekte orientieren sich eng an der Praxis. "Unsere Berater werden mit den Versuchsergebnissen "gefüttert"", erläutert Frizen. So sei eine von kommerziellen Interessen unabhängige Beratung möglich. Die gerade beschlossene EU-Agrarreform sieht er kritisch. Der Ansatz, die Mittel gerechter zu verteilen, führt nach seiner Einschätzung zu mehr Bürokratie. Die Landwirte müssten künftig mehr Auflagen befolgen, um Gelder zu erhalten.

Welche Ziele möchte der Präsident der Kammern noch erreichen? 2004 wurden die Landwirtschaftskammern der Landesteile Rheinland und Westfalen-Lippe zur Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammengefasst. Weitere Umstrukturierungen stehen an. "Wir sind in einer Phase der Re-Organisation", so Frizen. "Nur so können wir eine zukunftsfähige, schlagkräftige Landwirtschaftskammer bleiben."

Auch für die Zukunft seines eigenen Betriebs ist gesorgt: Sein jüngster Sohn Peter steht kurz vor dem Abschluss seines Masters im Fach Landwirtschaft und wird den Hof später weiter führen. Johannes Frizen ist die Erhaltung des Ramelshovener Traditionshofs sehr wichtig. "Ich möchte nicht das letzte Glied in der Kette sein."

Die Aufgaben der Landwirtschaftskammer

Die Aufgaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sind gesetzlich festgelegt. Sie soll die Land- und Forstwirtschaft sowie Garten-, Obst- und Weinbau und die in ihr Berufstätigen fördern und betreuen. Dies umfasst Bereiche der Produktionstechnik, Vermarktung, Ausbildung, Beratung und Forschung. Daneben nimmt die Kammer Hoheitsaufgaben für das Land wahr. So werden Anträge für Fördermittel entgegengenommen und bearbeitet, die Mittel werden ausgezahlt und es erfolgt eine Kontrolle aufgrund von definierten Kriterien.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ist ein Mitglied des Verbandes der Landwirtschaftskammern. Dessen oberstes Entscheidungsgremium ist die Hauptversammlung, die aus 174 Mitgliedern besteht. Der Präsident ist Vorsitzender der Hauptversammlung und übt die oberste Dienstaufsicht aus. Johannes Frizen ist seit 2005 Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, seit 2009 Präsident des Verbandes der Landwirtschaftskammern.