Ausstellung zur Geschichte der Gemeinde

In Alfters Holzgasse blühte der Handel

Alfter. „Entdecken, was uns verbindet“: Mit diesem Motto hat der Förderverein Haus der Alfterer Geschichte seine neue Ausstellung überschrieben, die er am Tag des offenen Denkmals ab Sonntag, 9. September, 10.30 Uhr, zeigt.

Das Haus der Alfterer Geschichte ist umgeben von historischen Gebäuden: der Kirche Sankt Matthäus und dem Schloss. Nicht weit entfernt befindet sich der alte Ortskern mit seinen schmalen „Pättchen“, die die Menschen früher nutzten, um lange Wege zu vermeiden. Es gibt Vieles, was Menschen miteinander verbindet: Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Kultur, gemeinsame Sprache, gemeinsame Lebensgewohnheiten.

Der Förderverein Haus der Alfterer Geschichte verknüpft in seiner Ausstellung großräumige und historisch relevante Verbindungen mit dem Alltagsleben der Alfterer. Daraus entstand ein buntes Spektrum von Verbindungen unterschiedlicher Art, aus denen fünf Themenbereiche herausgegriffen wurden.

Straßen und Wege: Anhand von alten Karten werden historische Straßenverläufe dargestellt wie rings um den Siedlungskern Görreshof. Eine Villa rustica aus der Römerzeit lässt sich im Bereich der Kirche nachweisen. Der Görreshof wird in einer Urkunde des Erzbischofs Anno II. aus dem Jahre 1067 erwähnt. Sternförmig zweigen vom Hertersplatz Lukasgasse, Knipsgasse und Meiersgasse ab. Die Besiedlung dehnte sich nach Südosten aus.

An der Holzgasse entstanden Geschäfte und Handwerksbetriebe. Über den Stühleshof und die Bahnhofstraße erreichte man die Ebene Richtung Rhein. Diese Route war lange der Hauptwirtschaftsweg des Ortes. Die wichtigste Querverbindung war und ist bis heute die Pelzstraße/Kronenstraße. Bis 1858 endete die Straße an der Gaststätte „Op de Kier“. An dieser „Kehre“ konnte man nur rechts oder links abbiegen, die Straße nach Roisdorf existierte noch nicht.

Bahnverkehr: Seit 1898 erschloss die Vorgebirgsbahn, der „Feurige Elias“ die Orte am Hang zwischen Bonn und Köln. Für die Landwirtschaft war die schmalspurige Dampfstraßenbahn ein Segen. Konnten so doch die Märkte in Köln und Bonn schnell erreicht werden. Die Bahn brachte im Frühling auch zahlreiche Touristen aus den Städten, die sich im Frühjahr und Sommer an der Baumblüte erfreuten und die örtlichen Gastwirtschaften besuchten. Die Ausstellung stellt auch die Bedeutung überregionaler Verkehrswege für Alfter dar, zeigt die innerörtlichen Besonderheiten auf und verfolgt den Ursprung der Straßennamen.

Infrastruktur: Der Aufbau der Infrastruktur begann durchweg mit Straßen und Wegen. Dann wurde in Alfter die Wasser- und Stromversorgung aufgebaut, schließlich wurden auch die Abwasser- und Abfallentsorgung notwendig. Die Ausstellung gibt einen Überblick über den Ausbau der Infrastruktur in Alfter, vom Beschluss über die Einrichtung der elektrischen Straßenbeleuchtung (1900), die Eröffnung der ersten Tankstelle (1928) bis hin zum Kanalbau. Besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wasserversorgung, die von Volker Helwich, dem Vorsitzenden der AG Wasser des Fördervereins im letzten Jahr in einer Broschüre zusammengestellt wurde.

Pilgerwege: Der bekannteste Pilgerweg, der Alfter kreuzt, ist wohl der Jakobsweg. Aus ganz Europa führen ausgeschilderte Wege nach Santiago de Compostela in Spanien. Ein Teilstück des deutschen Pilgerweges von Bonn nach Trier geht unmittelbar am Ort Alfter vorbei. Das gemeinsame Pilgern hat eine lange Tradition in Alfter, wie etwa die Jodokus-Bruderschaft zeigt.

Handel: Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Geschichte und Herkunft der Lebensmittel in Alfter. Die Römer brachten den Wein, den Spargel und die Gewürze. Mit den Kreuzzügen kamen Endivien, Rhabarber und Forsythien in den Ort. Die Hanse brachte den Hering, aus Amerika kamen Kartoffeln, Tomaten, Tabak und grüne Bohnen. Die Türkenkriege im 16./17. Jahrhundert hinterließen Tulpen, Blumenkohl und Kaffee. Die Kolonialzeit bescherte Schwarzen Tee, Chinakohl und Bananen. Und nicht zuletzt hinterließen im 20. Jahrhundert die Amerikaner Coca Cola, Hamburger und Südfrüchte. Diese neuen Produkte hatten auch Auswirkungen auf den Obst- und Gemüseanbau in der Region.

Auf den heimischen Feldern werden heute ganz andere Produkte angebaut als vor 100 Jahren. Ein Überblick über die Geschichte der Landwirtschaft in Alfter ergänzt das Thema.

Sprache: Nicht nur die Römer hinterließen ihre sprachlichen Spuren im Rheinland. Insbesondere die Franzosen haben in der Zeit Napoleons die Alltagssprache geprägt und verändert, wie die Begriffe Trottoir und Portemonnaie zeigen. In der heutigen Zeit sind vor allem englische Begriffe in die Alltagssprache eingegangen. Alfter hat sich bisher noch seinen eigenen Dialekt bewahrt.

Der in diesem Jahr verstorbene Werner Jaroch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ein Wörterbuch des Alfterer Wortschatzes zu erstellen. Die Ausstellung will die Besucher anregen, das Wörterbuch durch weitere Begriffe oder Redensarten zu ergänzen. Tonbandaufnahmen ermöglichen das „Reinhören“ in die Sprache. Michael Weiß hat mit „Wie war dat fröher“ und anderen Beispielen Hilfestellung geleistet, Elisabeth und Walter Rieck waren zu einem spontanen Gespräch bereit. Auch die Alfterer Familiennamen finden ihren Platz in der Ausstellung.

Die Ausstellungsmacher: Brigitte und Ralph Emmerich (Sprache, Straßennamen), Volker Helwich (Wasserversorgung), Robin Huth (Straßen und Wege, Infrastruktur), Antje Schäfer (Pilger/Landwirtschaft), Bärbel und Hans Günter Steinkemper (Kartenaufbau, Römerstraßen), Luise Wiechert (Handel). Beim Aufbau und bei der Vorbereitung wirkten weiter mit: Angela Möller, Dieter Nettekoven und Bernd Süring.

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 9. September, 10.30 Uhr. Geöffnet bis Ende Oktober: Dienstags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr, sonntags von 15 bis 17 Uhr, Hertersplatz 19 (hinter der Pfarrkirche St. Matthäus)