Gewerbe in Alfter

Ideen für die wertvollen Filetgrundstücke in Alfter

Blick vom Restaurant „Miss Pepper“: Die Gemeinde Alfter hat noch viel freien Raum, um Gewerbeflächen zu entwickeln.

Blick vom Restaurant „Miss Pepper“: Die Gemeinde Alfter hat noch viel freien Raum, um Gewerbeflächen zu entwickeln.

Alfter. Die Gemeinde stellt ihre Pläne für das Gewerbegebiet Alfter Nord vor. Politiker üben Kritik am Flächenverbrauch.

Nico Heinrich sparte nicht mit überschwänglichen Worten: „Den Standort kann man durchaus als hervorragend titulieren“, sagte Alfters Kämmerer in seiner Funktion als Geschäftsführer der örtlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Der Standort sei „einmalig in der Region“ in dieser Qualität und Menge an Flächen, führte er aus. Heinrichs lobende Worte bezogen sich auf das geplante große Gewerbegebiet Alfter Nord; insgesamt 40 Hektar Land, von denen nach Heinrichs Aussage 30 bis 35 Hektar Bauflächen sind.

In der jüngsten Sitzung des Alfterer Ausschusses für Gemeindeentwicklung, der dafür mit dem Wirtschaftsausschuss tagte, legten Heinrich und Claudia Gerhardi, Leiterin des Fachbereichs Planen, Entwickeln, Bauen bei der Gemeinde, einen Sachstandsbericht zu dem Gewerbegebiet vor. Das Areal unterteilt sich in drei Abschnitte (siehe Grafik): Teilbereich 1 ist bereits gemeinsam mit Bornheim vermarktet. Unter anderem steht dort das kürzlich eröffnete amerikanische Restaurant „Miss Pepper“. Für Teilbereich 1 a läuft die Aufstellung des Bauungsplans.

Entwicklung noch Zukunftsmusik

Die Entwicklung von Teilbereich 2 ist indes noch Zukunftsmusik. Dort herrsche laut Gerhardi eine „recht inhomogene Flächennutzung“, was mit „planerischen Herausforderungen“ verbunden sei. Ziel sei aber eine „gewerbeorientierte störungsfreie Erschließung“ ließ Gerhardi die anwesenden Ausschussmitglieder wissen.

Verwaltungsintern hat der Teilbereich 2 den Namen „Swing“ bekommen – weil sich irgendwann eine Straße in einem Bogen durch das Gebiet schwingen soll. Ebenso soll es laut Gerhardi Radwege, Grünflächen und eine Nahverkehrsanbindung mittels einer Buslinie geben sowie möglicherweise eine Verbindung zum Ortskern durch eine Bahnunterführung. „Das ist aber nur eine Vision“, betonte Gerhardi.

Sehr konkret ist hingegen bereits die Frage der Entwässerung, die der externe Ingenieur Guido Kuß vorstellte. Diese solle in den sogenannten Bonner Randkanal beziehungsweise in die Kläranlage am Bonner Salierweg erfolgen. Überhaupt solle das Gebiet in enger Abstimmung mit Bonn und Bornheim entwickelt werden, sagte Heinrich. Die Gemeinde Alfter erhoffe sich von dem Gebiet langfristige Effekte wie Arbeitsplätze und Gewerbesteuern, so Heinrich, der zugleich klarstellte: „Mit der Vermarktung von Gewerbeflächen lässt sich nicht viel Geld verdienen.“

Vertreter von CDU und FDP lobten die Ideen für den Teilbereich 2. Bei der konkreten Planung für den Teilbereich 1 a ging es dann aber zur Sache. Das lag unter anderem daran, dass direkt neben dem Gebiet ein Bio-Landwirtschaftsbetrieb liegt, dessen Inhaber sich in einer Stellungnahme kritisch zu dem geplanten Gewerbegebiet geäußert hatten. Das wurde etwa von Thomas Klaus (SPD) im Ausschuss aufgegriffen.

Hochwertige Böden würden vernichtet

Er befürchtete Probleme für das Gewächshaus des Betriebs, wenn unmittelbar danach bis zu zehn Meter hoch gebaut werden dürfte. „Der Bio-Betrieb zeigt das ganze Dilemma dieser Fläche“, meinte Sandra Semrau (Freie Wähler). Wegen des Gewerbegebietes würden hochwertige Böden vernichtet. Die Böden seien in der Tat wertvoller als gedacht, sagte Wilhelm Windhuis (Grüne). Seine Fraktion stehe dem Gewerbegebiet nun skeptischer gegenüber.

Paul Breloh (FDP) und Barthel Schölgens (CDU) zeigten ebenso Verständnis für die Anliegen des landwirtschaftlichen Betriebs, sprachen sich aber auch klar für das Gewerbegebiet aus.

Windhuis führte die Gutachten an, die für das Bebauungsplanverfahren erforderlich seien: etwa zu Arten- und Umweltschutz, zu den Auswirkungen auf den Bio-Betrieb und der Entwässerung. Semrau verstärkte letztlich ihre Kritik an den Plänen. An der Rheinschiene werde alles zugebaut, die Kulturlandschaft massiv verändert.

Klaus betonte mit Blick auf die „desolate Finanzlage“ der Gemeinde die Notwendigkeit weiterer Gewerbesteuereinnahmen. Claudia Gerhardi sagte, dass die Gemeindeverwaltung den Landwirtschaftsbetrieb „nicht nachhaltig schädigen“ wolle. Mögliche Auswirkungen für ihn werde ein Gutachten zeigen.