Landwirtschaft im Vorgebirge

Grundwasser in Alfter soll weniger belastet werden

Arbeiten zusammen (v.l.): Thomas Fink, Betriebsleiter Gemeindewerke Alfter, Markus Klein von E-Regio, Bürgermeister Rolf Schumacher und Michael Schmidt, Geschäftsführer des ALWB.

Arbeiten zusammen (v.l.): Thomas Fink, Betriebsleiter Gemeindewerke Alfter, Markus Klein von E-Regio, Bürgermeister Rolf Schumacher und Michael Schmidt, Geschäftsführer des ALWB.

Alfter. Die heimischen Gewässer in Alfter sollen weniger belastet werden. Deswegen wurde der Kooperationsvertrag zwischen der Landwirtschaftskammer NRW und dem Wasserwerk der Gemeinde Alfter um zehn Jahre verlängert.

Um die heimischen Gewässer weniger zu belasten, haben die Landwirtschaftskammer NRW und das Wasserwerk der Gemeinde Alfter ihren Kooperationsvertrag für die nächsten zehn Jahre verlängert.

Ziel dieser Vereinbarung ist es, das Grundwasser und die Böden, aber auch Flüsse, Seen und Bäche zu schonen. Vor allem eine Nitratbelastung im Grundwasser soll durch Bodenproben und daran angepasste Mengen von Düngemitteln gering gehalten werden. Neben dem Alfterer Wasserwerk beteiligen sich auch der Wahnbachtalsperrenverband, der Versorgungsverband Euskirchen-Swisttal, der Aggerverband und der Wasserbeschaffungsverband Thomasberg an dieser Kooperation zwischen Land- und Wasserwirtschaft.

Zum ersten Mal wurde dieser Vertrag 1989 geschlossen und im Anschluss jeweils im Fünf-Jahres-Rhythmus erneuert. Aus dieser Kooperation ging der Arbeitskreis „Landwirtschaft, Wasser und Boden im Rhein-Sieg-Kreis“ (ALWB) hervor, der sich aus Landwirten, Wasserversorgern und Behörden zusammensetzt. Seinen Sitz hat der Arbeitskreis in Siegburg.

Allein 11.000 Hektar des Rhein-Sieg-Kreises sind als Wassereinzugsgebiete ausgewiesen. Rund eine Million Menschen bezieht ihr Trinkwasser aus genau diesem Gebiet. Gleichzeitig werden etwa 45.000 Hektar des Rhein-Sieg-Kreises für die Landwirtschaft genutzt. In Alfter, im Einzugsgebiet der Arbeitsgruppe Alfter-Heidgen, sind 13 Landwirte in dem Verbund organisiert.

Das Einzugsgebiet des ALWB beginnt im Linksrheinischen bei Swisttal-Ludendorf. Hier wird das Trinkwasser aus den Brunnen der Versorgung Euskirchen und dem Wasserwerk der Gemeinde Alfter gewonnen – beide werden durch das Unternehmen E-Regio vertreten. Im Rechtsrheinischen erstreckt sich das Gebiet der Kooperation von der Wahnbachtalsperre im Norden bis nach Thomasberg im Siebengebirge. Insgesamt sind rund 90 Prozent aller Landwirte im Rhein-Sieg-Kreis Mitglied im ALWB – das sind derzeit rund 310.

Als Mitglieder können sich die Bauern zu Düngungsmitteln, Pflanzenschutz und Saatgut beraten lassen. Zudem können Landwirte Bodenproben von ihren Äckern entnehmen und auswerten lassen. Pro Probe werden 16 Stiche aus einer Tiefe von 90 Zentimetern gezogen. Als Richtwert für die Berechnung der Düngemenge können die Landwirte bislang auch einen Mittelwert des Landes annehmen, ohne jedes Mal eigene Proben durchführen zu müssen. Gesetzlich verpflichtet sind Landwirte nur zu einer Standardprobe, die alle sechs Jahre durchgeführt werden muss. Während der ALWB 1992 noch 30 Proben pro Jahr entnommen hat, sind es mittlerweile 2000 Proben.

Sinkende Nitritwerte

In Alfter geht das Konzept auf: „In Alfter sind die Nitratwerte sinkend“, erklärt Michael Schmidt, Geschäftsführer und Berater im ALWB. Ganz anders sieht es hingegen in Euskirchen aus. „Da haben wir seit ein paar Jahren steigende Tendenzen“, so der Geschäftsführer. Die Gründe für die Werte versucht der Arbeitskreis noch zu ermitteln. Hitzeperioden und Trockenzeiten wie die des vergangenen Sommers würden ebenfalls einen Anstieg der Nitratwerte verursachen. Anders als in der Industrie arbeite die Landwirtschaft nicht mit einfach zu kalkulierbaren Witterungsbedingungen. Schmidt: „Wir sind eben nicht in einer Industriehalle.“

Mittlerweile sind drei Berater beim ALWB für den Austausch mit den Landwirten zuständig, zwei davon sind bei der Landwirtschaftskammer NRW angestellt. Finanziert wird die Arbeit des ALWB durch Beiträge der Wasserversorger. Die Unternehmen zahlen je nach Größe ihres Einzugsgebietes einen prozentualen Anteil. Die Beratungsangebote können die Landwirte kostenfrei nutzen, für Bodenanalysen zahlen die Bauern einen Beitrag, ebenso für die Aussaat von Zwischenfrüchten, die der ALWB mit eigenen Maschinen als Dienstleister durchführt. Ausgesät werden dabei Senf oder Ölrettich, die das Nitrat zunächst konservieren und verhindern sollen, dass der Stoff über den Boden ins Grundwasser gelangt.

Für die Zukunft will sich der ALWB mit der Suche nach alternativen Pflanzenschutzmitteln beschäftigen. Dazu arbeit der Verbund mit der Universität Bonn und der Landwirtschaftskammer zusammen.